Düren - Der Sparzwang und die Liste der Grausamkeiten

Der Sparzwang und die Liste der Grausamkeiten

Von: Christoph Lammertz
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Sie wollen weiter von der offenen Jugendarbeit in Düren profitieren: Weil eine drastische Kürzung m Raum steht, organisierte der Stadtjugendring eine Demo vor der Finanzausschusssitzung im Museum. Foto: Lammertz

Düren. Die Rurtalhalle in Lendersdorf dicht machen, die Mehrzweckhalle in Merken schließen, die Realschulen Bretzelnweg und Nord zusammenlegen, genauso wie kleinere Grundschulen, Musikschule und VHS oder die Feuerwehrgerätehäuser benachbarter Orte.

Eine „Liste der Grausamkeiten” nannte der städtische Gebäudemanager Helmut Harperscheidt seine Sparvorschläge, die er am Montagabend dem Finanzausschuss des Dürener Stadtrats vorstelle. Und er machte nur den Anfang in der dritten, der bisher heftigsten Sparrunde von Politik und Verwaltung auf dem Weg zu seriösen Etats für die kommenden Jahre, die die Stadt vor der Handlungsunfähigkeit retten sollen.

Empfangen wurden die Finanzpolitiker und die Führungskräfte aus dem Rathaus, die sich erneut im Hoesch-Museum mit der desolaten Finanzlage der Stadt befassten, von rund 100 Kindern und Jugendlichen. Der Stadtjugendring hatte eine friedliche Demo organisiert. Zu der Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände in Düren hatte sich schon im Vorfeld herumgesprochen, was Jugendamtsleiter Manfred Savelsberg viel später am Abend als „eine pädagogisch wenig sinnvolle Sparmaßnahme” vorstellen sollte: die nahezu komplette Einstellung der offenen, der präventiven Jugendarbeit.

Die Finanzpolitiker waren sich vermutlich am Ende der Marathonsitzung nicht ganz sicher, ob Gebäudemanager Harperscheidt oder Jugendamtsleiter Savelsberg sie mehr schockiert hatte. Beide haben der Politik jedenfalls Bälle zugespielt, die ganz schwer zu verwerten sind - auch wenn artig für die „schonungslose Darstellung” gedankt wurde. Aus den Reaktionen aller Fraktionen kann aber schon abgeleitet werden, dass viele Punkte der Streichlisten wohl nicht umgesetzt werden. Dass eine Einstellung der offenen Jugendarbeit deutlich höhere Kosten verursacht, wenn Jugendliche dadurch zum teuren Problemfall werden, machten Politiker aller Couleur beispielsweise bereits deutlich.

Und damit lagen sie auf einer Linie mit dem Jugendamtsleiter, der sich wie seine Kollegen der anderen Ämter allerdings zu solch drastischen Vorschlägen genötigt sah, weil ein politischer Beschluss es verlangte: Um 5,89 Prozent, so hatte der Stadtrat beschlossen, sollen alle Ämter ihre Budgets bis 2014 kürzen, um dann einen ausgeglichen Etat zu erreichen. So könnte Düren ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen und damit verhindern, dass, wie es Kämmerer Harald Sievers bezeichnet, in der Stadt die Lichter ausgehen.

Erneut konnten eine Reihe von Amtsleitern am Montagabend locker darstellen, wie sie ihre Sparvorgabe erreichen. 250 Euro machen die 5,89 Prozent beispielsweise im Etat des Rechnungsprüfungsamtes aus. „Und ich lege noch 50 Euro drauf”, scherzte Amtsleiter Toni Weingartz. Einschneidender ist da schon die Strategie, die Heiner Wingels als Chef des Tiefbauamtes vorstellte: Absenkung der Standards. Will heißen: Straßen, Radwege oder Spielplätze können künftig nicht mehr wie bisher in Schuss gehalten werden. Wenig Freude werden auch die Vorschläge von Schul- und Sportamtsleiter Dirk Keimes bei den Betroffenen auslösen: Unter anderem müssten nach seiner Budgetplanung die Sportplätze in Hoven und Birgel sowie der alte Viktoria-Platz aufgegeben werden.

Was die Politik nun aus den Vorschlägen der Stadtverwaltung macht, bleibt abzuwarten. Mit Blick auf das Jugendamt, das allein in diesem Jahr Aufwendungen von rund 24 Millionen Euro hat, deutet sich bereits an, dass neben einer Erhöhung der Kindergartenbeiträge für die Eltern vor allem investiert wird, um zu sparen. Die hohen Kosten des Jugendamtes entstehen in erster Linie bei den Hilfen zur Erziehung. So muss die Stadt für die Heimunterbringung eines Kindes pro Jahr 60.000 Euro und mehr bezahlen. Eine Personalaufstockung im Allgemeinen Sozialen Dienst könnte die Fallzahl deutlich reduzieren und würde sich damit mehr als kompensieren, sind sich die Experten einig. Das wäre ein Beschluss, den die Dürener Politik im Gegensatz zu vielen anderen wohl ohne größere Bauchschmerzen fassen würde.
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