Der Schrei des Entsetzens

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„Welche Farbe hat Missbrauch?“ – So heißt eine internationale Kunstausstellung, die am Wochenende in der Kirche St. Marien in Düren eröffnet wurde.

Düren. „Welche Farbe hat Missbrauch?“ – So heißt eine internationale Kunstausstellung, die am Wochenende in der Kirche St. Marien in Düren eröffnet wurde.

In bewegenden Bildern, Fotografien und Installationen haben sich die Künstler Jo Stein, Initiator des Projektes, Bettina Barnes, Cilly Baum, Cem Bayoglu, Andreas Claßen, Arlaque de Clerque, Marianne Delmee, Jane Dunker, Jutta Gigler, Moya Purple, Raquel Rodrigo Iglesias, Alexandra Schütz und Philippe Smets diesem sensiblen Thema „Missbrauch“ angenähert.

Ambivalente Spannung

Bereits beim Betreten des Begegnungsraumes vor dem Kirchenschiff spürt der aufmerksame Betrachter die ambivalente Spannung, die vom Missbrauch ausgeht: Hängt doch in diesem Eingangsbereich ein Bild mit dem klaren Ausdruck „Tatort“. So ist es umso erstaunlicher und mutiger, dass gerade eine Kirche als Ausstellungsort zur Verfügung gestellt wurde.

Bemerkenswerte Offenheit

Hans-Otto von Danwitz, Pfarrer der Gemeinschaft der Gemeinden St. Lukas in Düren, zu der auch die Marienkirche gehört, war so auch der erste Redner nach der Begrüßung von Andreas Claßen, der den Zusammenhang von der Missbrauchskrise in der katholischen Kirche und dieser Ausstellung in St. Marien herstellte.

Er, als Hausherr von St. Marien, zeigte in seiner Ansprache, dass er sich durchaus der Tragweite dieser Verknüpfung bewusst war. Mit dieser Aktion setzt die Zentrumspfarrei in Düren ein Zeichen und macht Unaussprechliches, das lange Zeit für die Kirche ein Tabu war, beeindruckend öffentlich.

Eine fachliche Einführung in die verschiedenen Ansichten des „Missbrauchs“ gab Dr. Dorothea Eimert, die frühere Leiterin des Leopold-Hoesch-Museums. In einfühlsamer Weise ging sie in ihrer Ansprache an die Gäste der sehr gut besuchten Marienkirche auf das heikle Thema ein, indem sie zunächst vom Plakat der Ausstellung ausging.

Sie kommentierte und interpretierte die geometrischen Formen und Farben und setzte sie in Bezug zu den „Chakren“, den jeweiligen Energiezentren des menschlichen Körpers. Schnell fand sie auch den Bogen zur körperlichen und seelischen Dimension des „Missbrauchs“ in den jeweiligen Kunstwerken.

So befindet sich direkt neben der Statue der Gottesmutter Maria eine Installation, die einen großen leeren Mantel zeigt. Dieser inhaltliche Kontrast zur Schutzfigur der Heiligen Maria stellt die Schutzlosigkeit der Missbrauchsopfer plastisch dar.

Körperliche und seelische Wunden

Auch die Dürener Künstlerin Jutta Gigler, sagte Dr. Eimert, hat in ihren Arbeiten den Blick auf die Heilung der körperlichen und seelischen Wunden der Opfer gelegt. Ihr zentrales Gemälde zeigt eine weibliche Gestalt, die auf einer Hügelkette liegt, unter der sich in Grün, der Farbe der Hoffnung, eine zweiköpfige Schlange befindet.

An drei Säulen auf der linken Seite der Kirche sind drei Fotografien von Jo Steins zu sehen. Sie zeigen jeweils eine Frau, deren Gesichtsausdruck bestimmt wird durch Handhaltungen, die an die berühmten drei Affen erinnern. Sie hält sich einmal die Augen, einmal die Ohren und einmal den Mund zu.

Diese Fotografien sind mit gewellter Folie überzogen, so als wollten sie sagen: Hinter dem Vorhang bleibt nur die ungesehene Verzweiflung, der unaussprechliche stille Schrei des Entsetzens und die ungehörte Qual der Opfer.

Sehr direkt trifft die geballte Ladung der sexuellen Gewalt und ihre unterschiedlichen Aspekte, die die Künstler ausdrücken, auf den Besucher der Ausstellung und zwingt ihn, sich mit dem Thema auf individuelle Art auseinander zu setzen.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 3. November, in der Düren Marienkirche zu sehen, bevor sie dann in weiteren Ländern gezeigt wird

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