Der Sanierer des Haushalts fühlt sich aufgeräumt

Von: Jörg Abels
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Als Mann der Zahlen und Haushaltssanierer hat sich Harald Sievers als Kämmerer in Düren einen Namen gemacht.
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Bürgermeister Paul Larue verabschiedete ihn mit einem Bildgeschenk aus der Stadt des Papiers.

Düren. Harald Sievers ist mit sich und seiner Situation im reinen. „Ich fühle mich sehr aufgeräumt“. Das sagt der 39-Jährige nicht nur, das merkt man dem scheidenden Kämmerer und Ersten Beigeordneten der Stadt Düren auch an. Die Koffer sind gepackt, eine neue Wohnung ist angemietet.

Von Kollegen, Weggefährten und der Politik hat sich der Mann, der zwar ein CDU-Parteibuch besitzt, aber stets sachorientiert gearbeitet hat, bereits am Dienstagabend verabschiedet.

Am Montag tritt der jüngste NRW-Kämmerer seine neue Aufgabe als Landrat im 550 Kilometer entfernten Landkreis Ravensburg an - eine Herausforderung, der er sich mit großem Respekt, aber auch Neugier stellen wird. Vom zweiten Mann im Dürener Rathaus steigt Sievers zum Chef einer 1400-köpfigen Verwaltung auf, die sich um das Wohl von 270.000 Menschen kümmert. „Ende gut, alles gut“, fasst er die Situation mit einem kleinen Schmunzeln auf den Lippen zusammen. Als Glücksfall aber will er rückblickend das Nein der „Ampel“ zu seiner zweiten Amtszeit dann aber doch nicht bezeichnen.

Gerne wäre er in Düren geblieben. Daraus macht Sievers keinen Hehl, auch in einer anderen Funktion. „Ich wäre offen für Veränderungen gewesen, auch für einen neuen Zuschnitt der Geschäftsbereiche“, betont der 39-Jährige. Ein Grund war sicherlich das gute Verhältnis zu Bürgermeister Paul Larue: „Ich habe noch nie einen solchen Menschenfreund getroffen.“ Und nach ersten Gesprächen mit führenden Politiker der neuen Mehrheit im Stadtrat im Herbst 2014 war er auch davon ausgegangen, „dass es in Düren eine gute Lösung für mich geben wird“. Es kam bekanntlich anders. Im Januar entschied sich die „Ampel“ gegen eine Wiederwahl, „auch für mich überraschend“, gibt Sievers zu.

Sicher, bis zur Kommunalwahl habe er sich bereits ein, zweimal mit der Frage beschäftigt, sich aus privaten Gründen räumlich zu verändern, aber eben ohne Entscheidungsdruck. Das war im Januar von heute auf morgen anders.

Der Abschied am Dienstagabend hat ihn bewegt. „Ich hatte noch einmal die Gelegenheit, mit vielen Menschen zu sprechen, die mir wichtig waren und meine Dankbarkeit auszudrücken.“ Das war vielleicht der schönste Moment seiner achtjährigen Amtszeit. Und der unangenehmste? Das Thema Stadthalle lässt nicht lange auf sich warten. Und der viel und sicherlich auch zurecht oft gescholtene Erbbaurechtsvertrag, der vor seiner Amtszeit abgeschlossen wurde und der ihn immer wieder beschäftigt hat. Sievers erinnert sich an die böse Überraschung, als er erfuhr, dass das Rücktrittsrecht, das sich die Stadt im Vertrag gesichert hatte, unwirksam war.

„Plötzlich stand ein Riesenproblem im Raum“, erinnert er sich nur ungern. Gleiches gilt für die heftige Kritik an seiner Person, nachdem er der Grundschuldeintragung zugestimmt hatte. Doch auch heute sieht sich Sievers im Recht: „Juristisch war die Situation eindeutig. Wer das Erbbaurecht erwirbt, hat auch das Recht, das Grundstück als Sicherheit anzubieten.“ Dass alles rechtens war, sei längst aufgearbeitet worden, schiebt Sievers noch nach.

Als größte Aufgabe in seiner achtjährigen Amtszeit nennt er die Haushaltssanierung. Er weiß, dass dieses Thema, der erste ausgeglichene Haushalt nach mehr als zwei Jahrzehnten, in der öffentlichen Wahrnehmung immer mit seiner Person verbunden sein wird. Er habe aber auch in der Verwaltung viel bewegen können, viele eigene Ideen einbringen und mit Menschen zusammenarbeiten dürfen, die sich gegenseitig befeuert haben, betont Sievers.

Aber natürlich liegt dem scheidenden Kämmerer die finanzielle Entwicklung der Stadt besonders am Herzen. Dass er neben der Entwicklung der Innenstadt, die aus seiner Sicht urbaner, attraktiver werden muss, und der Flüchtlingsarbeit die größte Herausforderung für Düren in den kommenden Jahren in der Finanzpolitik sieht, verwundert natürlich nicht. „Das Erreichte muss gesichert werden. Der Stadtrat wird beweisen müssen, dass die Arbeit von Vielen nachhaltig sein wird.“ Ob es ihm bis 2020 gelingt? Sievers ist skeptisch: „Die ersten Beschlüsse haben noch nicht bewiesen, dass der neue Stadtrat den Mut und die Kraft hat, in finanziellen Fragen auch einmal Nein zu sagen.“ Es ist die einzige Aussage zur Tagespolitik, die sich der 39-Jährige entlocken lässt. Nachkarten will er nicht.

Sievers blickt nach vorne. Was er nach Ravensburg mitnimmt? „Ich habe während meiner Zeit in Düren viele fachliche Erfahrungen gesammelt, aber auch viel über das soziale Funktionieren einer Verwaltung mit 1200 Mitarbeitern gelernt“, betont der künftige Landrat, der sich bei der Führung der Verwaltung an Paul Larue orientieren will, vor allem an dessen hohen Anspruch, die Kollegen mitzunehmen und darin viel Zeit und Kraft zu investieren. „Das empfinde ich als vorbildlich.“

Bei derart viel Lob für seinen langjährigen Chef verwundert es kaum, dass Sievers gerne am 13. September noch einmal nach Düren zurückkehren möchte – nicht, um am Abend der Bürgermeisterwahl die nackten Zahlen zum Ausgang live vor Ort erleben zu können, „sondern aus persönlicher Verbundenheit zu Paul Larue“. Wer Sievers kennengelernt hat, weiß, dass auch diese Worte ehrlich gemeint sind.

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