„Der Rote Lambert“: Arm, gefährlich und voller Legenden

Von: bel
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Der Rote Lambert alias Erika Domenik schaut nach möglichen Verfolgern aus. Foto: Elberfeld

Hasenfeld. Eingebettet in Bücherregale, unter den scharfen Augen vieler Eulenfiguren, ist am Kopfende des Saales des Bistros „Hinter den Spiegeln“ in Hasenfeld eine kleine, einfache Bühne aufgebaut, ein Lattengestell mit schwarzem Tuch bespannt.

Ein dekoratives Lesepult, ein Stuhl – fertig ist der Raum, in dem Schauspielerin Erika Domenik in einer „Ein-Frau-Schau“ eine Lese-Performance präsentieren wird. Erika Domenik und ihr Gefährte Bernward M. Müller, Regisseur und Produzent in Personalunion, sind das Theater „Theatrino“ aus Rocherath, das seit 20 Jahren im deutschsprachigen Raum unterwegs ist.

Es führt das Stück „Der Rote Lambert“ nach Ludwig Mathar auf. Mathar dürfte Venn- und Eifelkennern ein Begriff sein.

Um was geht es? Marie-Cathrin findet eines Morgens ihren liederlichen Gatten, Jean-Pierre, seiner Profession nach Ferkesstecher, besser bekannt als Säufer, der ihr und ihren sieben Kindern gar nicht wohltut, erschossen vor der Tür. Jean-Pierre wird begraben, der Mörder nicht gefunden.

Lambert, der den Ferkesstecher auf dem Gewissen hat – er hat ihn in der Dämmerung beim Wildern für ein Reh gehalten – flieht durch das Moor, geplagt vom schlechten Gewissen und einem zu der Zeit üblichen Aberglauben. Ende gut – alles gut: Die Gottesmutter vergibt dem Übeltäter, der sich in die Städte Belgiens aufmacht, um dort Geld zu verdienen, das er der Witwe zukommen lassen will.

Erika Domenik schlüpfte in verschiedene Rollen von Menschen aus dem Dorf. Immer wieder las sie ein Stück Geschichte vor, agierte neben dem Pult, präsentierte in Mimik, Gestik und Sprache Tagelöhner und Biedermänner. Gefühle und Gedanken der Akteure wurden öffentlich. Die Beerdigung wurde zum Marktplatz für Gedanken und Gefühle der Dorfbewohner. „Der Rote Lambert“ ist die Geschichte einer vergessenen Region, arm und gefährlich, düster und voller Legenden, beherrscht durch ein feudales System, in dem viele Menschen dahinvegetierten.

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