Der Pflegevater der Greifvögel wird oft gerufen

Von: Guido Jansen
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Gleich geht es für dieses junge Mäusebussardweibchen wieder zurück in die Freiheit. Hajo Lehser hat das bei Eggersheim verunglückte Tier wieder gesund gepflegt und freigelassen. Foto: Guido Jansen

Eggersheim. „Ruhig, Mädchen, gleich hast du es geschafft“, flüstert Hajo Lehser und hat dabei seinen Blick leicht gesenkt. Er schaut auf den großen Vogel, den er gerade vor seiner Brust trägt. „Ich habe dir doch versprochen, dass du wieder gesund wirst.“ Das Mäusebussard-Weibchen auf seinem Arm zappelt ein wenig und mustert mit aufgerissenem Schnabel die Gegend.

Möglicherweise erkennt der Vogel die Stelle wieder. Hajo Lehser ist sich sicher, dass das so ist. „Das hier ist ihr Revier. Hier fliegt sie sonst mit ihrem Männchen.“ Die Stelle an der Bundesstraße 477, zwischen Nörvenich und Zülpich in Höhe Eggersheim, ist ihr vielleicht in schmerzhafter Erinnerung geblieben. Dort hatte der Greifvogel vor vier Wochen einen Unfall, war mit einem Auto oder Lastwagen kollidiert.

„Sie hatte eine Rückenwirbel verletzt, die Schwanzfedern waren locker, zudem hatte sie Blutergüsse“, lautete Lehsers Diagnose damals. Ein Bauer hatte das schwer verletzte Tier im Feld gefunden. Dann hat Hajo Lehser, Großfalkenmeister aus Zülpich, das junge Weibchen zu sich in die Pflegestation genommen. „Sie war schlimm dran“, erzählt der Mann mit den langen grauen Haaren und dem Bart. Fliegen konnte der Jung-Vogel mit der imposanten Spannweite von 1,20 Meter nicht mehr.

Heute zieht das Weibchen in Begleitung ihres Männchens wieder ihre Kreise durch ihr Revier um Eggersheim herum. Lehser hat sie aufgepäppelt und am Freitag an der Unfallstelle wieder freigelassen. Nach einem Monat Pflege brauchte er nichts weiter zu tun, als den Vogel in die Luft zu werfen. In diesem Jahr hatte der Großfalkenmeister schon 40 Pflegefälle, insgesamt hat sich Lehser in 48 Jahren um fast 4000 Greifvögel gekümmert.

Die meisten sind im Anflug auf Beute mit dem Straßenverkehr kollidiert. „Mindestens 95 Prozent der Tiere kommen durch“, berichtet der Mann, der oft von Polizei oder Feuerwehr gerufen wird, wenn ein verunglückter Greifvogel gefunden wird. „Greifvögel sind wichtig. Sonst gäbe es bei uns so viele Mäuse und Ratte, die das Getreide wegfressen. Deswegen kann ich Menschen, die Greifvögel hassen, überhaupt nicht verstehen.“

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