Der „Nubbel“ ist verbrannt, der Karneval vorbei

Von: Sandra Kinkel
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Mit der Verbrennung des „Nubbels“ vor dem Haus der Stadt wurden am Dienstagabend der Karneval und all seine Sünden offiziell zu Grabe getragen. Das Dürener Festkomitee will diese alte Karnevalstradition wieder aufleben lassen. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Dicke Tränen sind schon am Sonntagabend nach dem Zug im Haus der Stadt geflossen. Prinz Gerd II. und Prinzessin Christiane I. aber auch Kinderprinz Noah I. waren sehr traurig, dass ihre Zeit als Narrenherrscher bald vorbei ist. Seit Dienstagabend ist nun für diese Session endgültig Schluss mit Fastelovend: Im Rahmen einer kleinen Feier wurde vor dem Haus der Stadt der „Nubbel“ verbrannt.

Der „Nubbel“, eine Strohpuppe im Narrenkostüm, ist die Figur des Sündenbocks im rheinischen Karneval. Er wird traditionell in der letzten Karnevalsnacht verbrannt. „Nubbel“, erklärt Marc Herpertz, Ex-Prinz und Geschäftsführer des Festkomitees Dürener Karneval, „ist ein kölscher Begriff, der schon im 18. Jahrhundert im Sprachgebrauch war.“

Durch seine Verbrennung würden die Karnevalisten symbolisch die Schandtaten der vergangenen Wochen sowie den Karneval überhaupt zu Grabe tragen, erklärt Herpertz. „Wir wollen versuchen“, so Marc Herpertz, „diese alte Karnevalstradition in Düren wieder aufleben zu lassen.“ Früher habe es eine „Nubbelverbrennung“ auf dem Marktplatz gegeben. „Und einen Rundgang durch verschiedene Kneipen der Stadt, um auch dort den Karneval zu begraben.“ Weil immer weniger Leute gekommen seien, ergänzt Herpertz, sei die Veranstaltung irgendwann eingeschlafen.

Neben den Dürener Tollitäten waren am Dienstagabend vor dem Haus der Stadt etliche Karnevalsgesellschaften mit Abordnungen vertreten. Und der arme „Nubbel“ hatte wirklich viele Sünden zu tragen. In einer Trauerrede zählte Peter Schmitz, Präsident des Festkomitees Dürener Karneval auf, was der „Nubbel“ alles zu verantworten hat. „Dass wir keine Stadthalle mehr haben, der ‚Nubbel‘ ist schuld. Dass das Museum so wenig Besucher hat, der ‚Nubbel‘ ist schuld. Dass die Powervolleys an Karnevalssonntag ein Auswärtsspiel hatten, der ‚Nubbel‘ ist schuld“ – die Litanei ging noch ewig so weiter.

Unter lautem Gejammer wurde der Nubbel dann nach draußen getragen und verbrannt. „Liebe Trauergemeinde“, sagte Peter Schmitz, „wir hatten eine tolle Session. Wir waren raderdoll aber jetzt können wir nicht mehr.“ Auch in Nideggen wurden am Dienstag symbolisch alle Sünden der Fastnachtstage getilgt. Dort wurde auf dem Marktplatz der „Wenkbüggel“ verbrannt. Vor drei Jahren hat man in der Herzogstadt diese Tradition mit der Gründung der „Wenkbüggel-Zunft“ wieder aufleben lassen.

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