Der neue Spieler der SWD Powervolleys hat viele Länder gesehen

Von: Sandra Kinkel
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Mit der Nummer elf auf dem Trikot ist Dirk Westphal für „Shahrdari Tabriz Volleyball Club“ im Iran aufgelaufen. Der 31-Jährige war der erste deutsche Profi, der bei einer iranischen Mannschaft unter Vertrag stand. Foto: imago/Newspix, Westphal
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Kattowitz, Deutschland - Iran / Dirk Westphal PUBLICATIONxNOTxINxPOL 140917BAR006 Katowice Germany Iran Dirk Westphal PUBLICATIONxNOTxINxPOL

Düren. Seine Zeit im Iran will Dirk Westphal nicht missen. „Ich habe unglaublich gastfreundliche Menschen kennengelernt“, sagt der 31-jährige Außenangreifer der SWD Powervolleys. „Das hat mich sehr beeindruckt.“ Dirk Westphal ist der erste deutsche Volleyball-Profi, der bei einem iranischen Erstliga-Klub unter Vertrag stand.

Das ist deswegen so besonders, weil im Iran Volleyball einen außergewöhnlich hohen Stellenwert hat. 6000 Zuschauer und mehr sind bei Ligaspielen keine Seltenheit, mindestens die Hälfte der wöchentlichen Partien wird zudem in einem der drei staatlichen Sportfernsehsender übertragen. „Das Niveau der iranischen Liga ist sehr hoch“, sagt Westphal. „Höher als das der Bundesliga. Gerade im Mittelfeld liegen die Mannschaften sehr eng beieinander.“ Den Kontakt hat der Sportler über einen Agenten bekommen.

Fast noch spannender als der sportliche Aspekt an Westphals Iran-Aufenthalt ist der gesellschaftliche. Der Iran gilt als sehr konservatives Land, in dem die muslimische Religion fast jeden Bereich des sozialen Lebens bestimmt. „Natürlich hatte ich Bedenken, als das Angebot vom Shahrdari Tabriz Volleyball-Club kam“, sagt Westphal. „Und ich habe mir schon gründlich überlegt, ob ich in den Iran gehe.“

Zwei Wochen Zeit hat Westphal sich für die Entscheidung gegeben. Gezögert hat er aus drei Gründen: „Der Sicherheitsaspekt hat eine große Rolle gespielt, die Gesundheitsversorgung und auch die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich mein Spielergehalt regelmäßig bekomme.“ Am Ende konnten andere ausländische Spieler, die schon im Iran gespielt haben, Westphals Bedenken ausräumen. „Trotzdem habe ich mir anfangs schon Gedanken gemacht, ob ich mich richtig verhalte.“

Westphal hat in der iranischen Großstadt Tabriz gelebt und gearbeitet, und das Leben, so der Sportler, sei schon ganz anders als das in Deutschland und Europa gewesen. „Der Umgang mit Frauen ist schon speziell“, sagt Westphal. „Es war nicht selbstverständlich, dass Frauen mir zur Begrüßung die Hand geschüttelt haben.“

Gleichwohl sei es aber auch nicht so, dass die iranischen Frauen in der Mehrzahl als Hausfrau arbeiten würden. „Im Gegenteil“, sagt Westphal. „Es gibt mittlerweile im Iran mehr Studentinnen als Studenten. Und bei meinen Medizin-Checks bin ich fast immer nur von Frauen untersucht worden.“ Natürlich, so Westphal weiter, sei das öffentliche Leben im Iran geprägt von Regeln und auch von Repressalien. „Aber gerade die jungen Leute sind sehr westlich orientiert.

Und wenn die Leute in der Öffentlichkeit keine Freiheit haben, dann schaffen sie sich ihre Freiheiten im privaten Raum.“ Westphal erzählt von ausgelassenen Partys und einem Trainer, der selbst Wein gekeltert hat. „Die Iraner sind ein wirklich erfinderisches Völkchen.“

Und ein sportbegeistertes noch dazu. „Es gibt Herren- und Damensport“, sagt Westphal. „Bei den Männern gibt es nur Männer als Zuschauer, bei den Frauen nur Frauen.“ Schon beim Aufwärm-Training, erzählt der Neu-Dürener, würden die Fans lauthals singen und die Mannschaft anfeuern. „Musik wird da in keiner Arena gespielt.“ Und auch sonst seien die Fans regelrecht fanatisch.

„Unsportliche Mittel“

„Es kommt schon vor, dass die Fans versuchen, die gegnerische Mannschaft mit unsportlichen Mitteln aus dem Konzept zu bringen. Einmal musste ein Spiel abgebrochen werden, weil die Fans so unzufrieden waren, dass sie die Spieler mit Münzen beworfen haben.“ Finanziell ist eine Verpflichtung im Iran übrigens lukrativ. „Man verdient gutes Geld“, sagt Westphal. „Vor diesem Hintergrund würde es auch für die iranischen Spieler keinen Sinn machen, ins Ausland zu gehen.“

Dirk Westphal ist nach Düren gekommen, weil er wieder näher bei seiner Familie sein wollte. „Der Vorteil am Iran ist, dass die Saison dort nur fünf Monate dauert. In Deutschland spielen wir neun Monate.“ Nachteil sei aber, dass die Saisonplanungen immer erst sehr spät starten würden. „Was Planung und Organisation angeht, ist der Iran nicht sehr fortschrittlich“, formuliert Westphal vorsichtig. „Meine Arbeitserlaubnis habe ich erst in der letzten Woche meines Aufenthalts bekommen.

Diese Unsicherheit war mir einfach zu groß.“ Trotzdem ist Westphal froh, den Schritt in den Iran gewagt zu haben. „Ich habe gelernt, dass sich viele Vorurteile erledigen, wenn man mit den Menschen spricht. Und das es keinen Grund gibt, vor Muslimen Angst zu haben.“ Ein bisschen bedauert Westphal, dass er im laufenden Spielbetrieb mit manchmal zwei Spielen pro Woche nur wenig Zeit hatte, das Land zu bereisen. „Aber das, was ich gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen.“

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