Der Natur genommen – und wiedergegeben

Von: Ingo Latotzki
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Wenn Bäume wegen einer Unternehmenserweiterung gefällt werden müssen, sind Betriebe verpflichtet, Ausgleichszahlungen zu leisten. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Naturschutz kostet Geld. Diese Binsenweisheit bekommen Unternehmen, aber auch Privatleute zu spüren, wenn sie bauen wollen und dabei zum Beispiel Bäume gefällt werden müssen oder Flächen asphaltiert werden. Die Investoren werden dann zu sogenannten Ausgleichszahlungen oder Ausgleichsmaßnahmen herangezogen. Und die kosten.

Das Ganze ist auf eine einfache Formel zu bringen: Was der Natur genommen wird, soll ihr wieder zurückgegeben werden, wenn auch an anderer Stelle. Aber wie funktioniert das genau?

Wo sind Ausgleichsmaßnahmen geregelt?

Der Bebauungsplan einer Kommune regelt nicht nur, wo etwas gebaut werden darf. In ihm sind auch Ausgleichsmaßnahmen festgelegt. Wenn ein Unternehmen etwa im Süden Dürens eine große Halle baut, dazu Zufahrtstraßen errichtet werden müssen, weil sich die Produktion ausdehnt, ist es gut möglich, dass die Firma Ausgleichszahlungen für neue Bäume in Merken, also im Norden Dürens, zahlen muss.

Wer legt die Ausgleichszahlungen fest?

Zuständig ist die Kommune, Grundlage ist das Baugesetzbuch. Die Höhe der Zahlung hängt davon ab, inwieweit in die Natur eingegriffen wird und wer von den Veränderungen betroffen ist beziehungsweise profitiert. Wenn wie in Lendersdorf ein neuer Supermarkt gebaut wird und die Politik einen Kreisverkehr beschließt, der eine bessere Anbindung für die Kundschaft verheißt, wird berücksichtigt, dass der Kreisel auch dem normalen Durchgangsverkehr von Lendersdorf nach Rölsdorf und umgekehrt nutzt. Wie viel Unternehmen letztlich zu zahlen haben, sei auch ein Stück Vereinbarungssache, sagt Harald Braun, Leiter des Bauverwaltungsamtes im Dürener Rathaus.

Was wird noch berücksichtigt?

Neben dem Nutzen spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Je nachdem, wie stark der Eingriff in die Natur ist, muss ein Unternehmen schon mal einige Hunderttausend Euro für Ausgleichszahlungen bereitstellen. Wenn Flächen versiegelt werden müssen, um eine neue Straße zur Fabrik zu bauen und somit kein Wasser mehr absickern kann und deshalb andere – technische – Möglichkeiten geschaffen werden müssen, hat das Unternehmen dafür aufzukommen. Das betrifft auch Tiere, die eventuell umgesiedelt werden müssen. Auch dafür haben Betriebe zu zahlen. Der berühmte Feldhamster, der wegen einer großflächigen Bebauung seine angestammte Heimat verlieren würde, hat ein Recht auf einen anderen Lebensraum, der nicht nur gefunden, sondern auch finanziert werden muss.

Sind Privatleute den gleichen Verfahren unterworfen?

Bedingt. Das Prinzip ist das gleiche. Für wegfallende Natur soll ein Ausgleich geschaffen werden. Wenn ein Hausbesitzer plant, sein Haus um einen Wintergarten zu erweitern, dazu aber eine Jahrzehnte alte Kastanie gefällt werden müsste, wird er in die Tasche greifen müssen – selbst, wenn er die Kastanie einst aus eigener Tasche bezahlt hat. In solchen Fällen ist es aber meist nicht damit getan, an anderer Stelle im Stadtgebiet eine neue Kastanie zu pflanzen, obwohl es sein kann, dass genau dieses Verfahren angewendet wird. Eher geht es in diesem Beispiel um die Zahlung in einen Sammeltopf, aus dem die Stadt dann bestimmte Leistungen finanzieren kann. „Zweckgebunden“, wie Harald Braun sagt. Das heißt: Geld aus diesem Pool kann dann nicht verwendet werden, um beispielsweise die Schulen in der Stadt energetisch zu sanieren.

Und in Neubaugebieten?

Da ist in der Regel der Investor zuständig und in der Pflicht, Ausgleichszahlungen zu leisten. Bevor der erste Spatenstich getan ist, wird das Areal bewertet und entsprechende Zahlungen beziehungsweise Maßnahmen festgelegt. Der Investor wird diese Kosten in den meisten Fällen auf seine Kunden umlegen. Auch hier sind Einzelheiten im Bebauungsplan geregelt.

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