Der „Narrenzunft“-Präsident Karl-August Ploennes im Interview

Letzte Aktualisierung:
11664417.jpg
Karl-August Ploennes präsentiert den Geburtstagsorden. „Wie Sie am Motiv sehen, sind wir nicht zu alt zum Feiern“, sagt er. Foto: Johnen

Düren. Die „Narrenzunft“ ist eine Institution. Aus der Kolpingfamilie erwachsen, feiert die Karnevalsgesellschaft in dieser Session ihren 125. Geburtstag. Kein „jeckes“ Jubiläum zwar, aber dennoch ein stolzes Alter. Im DZ-Interview spricht der Präsident und Vorsitzende Karl-August Ploennes mit unserem Redakteur Stephan Johnen über die tiefe Verwurzelung in der Tradition – und frischen Ideen, die die Jugend mitbringt.

Herr Ploennes, wie fühlt es sich an, den 125. Geburtstag zu feiern?

Ploennes: Wir fühlen uns gar nicht alt und versuchen stets, Modernität hereinzubringen. Unsere Jugend ist mit vollem Herzen dabei und bringt auch viel frischen Wind mit. Ich bin immer wieder überrascht, welche Ideen der Nachwuchs auf der komplett selbstständig vorbereiteten Jugendsitzung präsentiert.

Haben Sie nicht manchmal Angst vor einer Überraschung, die den Bogen überspannt?

Ploennes: Unsere Jugend ist sich durchaus bewusst, was Tradition bedeutet. In den Liedern und Texten ist sie schon einmal frech, macht den eigenen Standpunkt klar. Davon lebt Karneval.

Wie definieren Sie Karneval?

Ploennes: Wenn eine Band nach der nächsten auf der Bühne steht und die Gäste nur noch springen und hüpfen, ist das vielleicht eine gute Party, aber nicht meine persönliche Definition von Karneval. Bei der Narrenzunft versuchen wir, eine gute Mischung hinzubekommen. Die Büttenrede und das karnevalistische Lied gehören immer dazu. Unsere Gruppe „Schnüss to go“ beispielsweise bringt auch aktuelle Lieder auf die Bühne. Karneval lebt von der Vielfältigkeit.

Machen Sie sich Sorgen, dass der Nachwuchs einmal ausbleibt?

Ploennes: Ich mache mir akut keine Sorgen, bin mir aber auch der Tatsache bewusst, dass viele junge Leute die Stadt verlassen, wenn Sie ein Studium beginnen oder Arbeitsstellen in anderen Städten gefunden haben.

Die „Narrenzunft“ gestaltet jede Sitzung ausschließlich mit eigenen Kräften. Wie lange ist das durchzuhalten?

Ploennes: Das werden wir nie ändern! Dafür müssen wir natürlich auch arbeiten. Jedes Jahr müssen wir eher Programmpunkte kürzen, damit die Sitzungen nicht zu lang werden, anstatt uns Gedanken zu machen, wie wir die Sitzung bestreiten sollen. Ich glaube, das macht sowohl für Akteure als auch Zuschauer den Reiz aus: Bei uns gibt es etwas, das man nicht schon aus dem Fernsehen kennt.

Wie feiern Sie den 125. Geburtstag?

Ploennes: Jede Sitzung ist wie eine Geburtstagsfeier. Die Gratulanten bringen dann jeweils die einzelnen Programmpunkte mit. Wir haben auf eine große Feier verzichtet, auch auf einen besonderen Orden. Mit Unterstützung der Kolpingfamilie ist stattdessen eine Spende in Höhe von 1111 Euro zusammengekommen, die wir für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung stellen.

Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Ploennes: Ich wünsche mir, dass wieder mehr Leute Interesse an der Arbeit haben, die Vereine wie die „Narrenzunft“ leisten. Ich kann verstehen, dass angesichts der Vielzahl an Veranstaltungen nicht alle besucht werden können. Wir hören von unseren Zuschauern aber immer wieder, dass ihnen unser hausgemachtes Programm sehr gut gefällt. Wer es sich einmal anschauen möchte: Die Sitzung am heutigen Samstag im Post-Hotel beginnt um 19 Uhr. Karten gibt es für 17 Euro.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert