Müddersheim - Der Müddersheimer Kirchturmhahn wird zur Zielscheibe

Der Müddersheimer Kirchturmhahn wird zur Zielscheibe

Von: Gudrun Klinkhammer
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An dieser Stelle streifte eine Kugel den Hahn. Foto: Klinkhammer
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Stephan Pütz restauriert derzeit Hahn und Kreuz aus Müddersheim. Foto: Klinkhammer

Müddersheim. Einen glatten Durchschuss weist der Müddersheimer Kirchturmhahn in der Brust auf, einen Streifschuss am Hals. Woher diese „Verletzungen“ resultieren, weiß keiner zu sagen. Anfang September 2014 wurden der Hahn, die darunter montierte Kugel und das Kreuz von der Kirchturmspitze St. Amandus heruntergenommen.

Das ganze Dach des Gotteshauses war neu verschiefert worden, morsche Holzbalken wurden ausgebessert. Hahn und Kreuz traten den Weg in die Eifel an. In Kall-Sistig werden sie derzeit bei Kunstschmied und Restaurator Stephan Pütz aufgearbeitet.

Doch bevor der Fachmann, der auch für die Kölner Dombauhütte, für das Kloster Steinfeld und für den „Eifeldom“ in Kalterherberg arbeitet, Hand an den Hahn legte, nahm er diesen erst einmal genau unter die Lupe. Dabei fand er die Einschüsse. „Aufgrund der Krateröffnung kann man sehen, dass die beiden Kugeln im rechten Winkel angeflogen kamen“, sagt Pütz. Entweder lagerte der Hahn, als er beschossen wurde, in der Nähe des Bodens, oder er diente aus einem Flugzeug, möglicherweise im Zweiten Weltkrieg, als Zielscheibe.

Die Einschusslöcher selbst sind leicht oval und weisen eine Größe von neun mal zwölf Millimetern auf. Dass der Vogel vom Boden aus beschossen wurde, hält Stephan Pütz für ausgeschlossen. Bei einem derart schrägen Winkel hätte die Kugel abprallen oder sich der Hahn drehen müssen. Der gebürtige Müddersheimer Hans-Hubert Sohns weiß dazu zu berichten: „Möglicherweise haben die Amerikaner aus der Luft auf den Vogel geschossen.“ Im Zweiten Weltkrieg befand sich zwischen Vettweiß und Gladbach ein Militärflughafen.

Der 7,5 Kilogramm schwere Eisenvogel war einmal vergoldet, von dem Schmuck ist allerdings kaum noch etwas übrig. Was dem Restaurator weiter auffiel, sind kleine, Stecknadelkopf große Vertiefungen im Blech. „Bei Tageslicht betrachtet kann man Buchstaben und Zahlen erkennen“, sagt Pütz. Er glaubt, die Buchstaben „F“ und „C“ erkennen zu können sowie die Jahreszahl 1879.

Der Schmied wird den Hahn aufarbeiten und im Brustbereich mit Blei verstärken, da er derzeit immer wieder nach hinten umkippt und sich so auf dem Dach der Kirche stets quietschend dreht. Die Einschusslöcher möchte er nicht verschließen, sondern sie als Zeitzeugnisse sichtbar lassen.

Anschließend wird der eiserne Federvogel vergoldet. Gemeindemitglied Helmut Stupp hofft, dass Hahn, Kugel und Kreuz zu Ostern wieder auf der Kirchturmspitze glänzen. Allein das Vergolden des Hahns wird rund 4500 Euro kosten. Helmut Stupp: „Diese Kosten wird die ganze Gemeinde übernehmen, dazu zählen weiter Vereine und Privatleute.“

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