Düren - Der Mittler zwischen den Zeiten: Archivar Helmut Krebs

Der Mittler zwischen den Zeiten: Archivar Helmut Krebs

Von: Burkhard Giesen
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Von der mittelalterlichen Urkunde von 1480 zu Schloss Burgau bis zu digitalen Medien sieht sich Archivar Helmut Krebs als Mittler zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Das Telefon klingelt. Ein Lehrer ist am Apparat und fragt nach der kleinen Ausstellung zum Jahrestag der Zerstörung Dürens am 16. November 1944 im Stadt- und Kreisarchiv. Zu sehen sind die Auswirkungen des Angriffs: geschmolzenes Tafelsilber aus dem Tresor der Dresdner Bank oder von Granatsplittern durchschlagene Holzbuchdeckel und Firmenkorrespondenz.

Ob sich das für eine Unterrichtsstunde mit Dürener Schülern eigne, will der Lehrer von Archivleiter Helmut Krebs wissen.

„Solche Anfragen sind nicht die Regel“, bedauert Krebs. „Lehrpläne sind so eng gestrickt, dass für lokale Geschichte keine Zeit bleibt. Aber es gibt Lehrer, die sich darüber hinwegsetzen. Oder Schüler, die für eine Facharbeit selbst zu uns kommen.“ Krebs versteht sich als Dienstleister. „Wir betrachten das Archiv als offenes Haus, als Dienstleister nicht nur für die Verwaltung, sondern auch für die Bürger.“

Das Erbe zu bewahren, damit man Fehler der Vergangenheit nicht mehr macht, sondern daraus lernt, ist für Krebs gerade bei diesem einschneidenden Gedenktag ein Herzensanliegen. „Es war dermaßen einschneidend für Düren, dass man auch heute nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen kann“, sagt er. „Natürlich muss man fragen, wie es zu dem Ereignis kam, die Zusammenhänge erklären, darf das Bombardement nicht isoliert betrachten“, sagt er.

Der Archivar versteht sich selbst als Mittler zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. „Unsere Kernaufgabe ist die Übernahme und Bewertung sämtlicher Verwaltungsdokumente. Wir entscheiden heute, was in 250 Jahren noch wichtig sein könnte.“ Dabei haben Archivare der Gegenwart auch mit technischen Fragen zu kämpfen: Wie archiviert man digitale Daten sinnvoll für die Zukunft? „Die Technik ändert sich alle paar Jahre. Die Frage der digitalen Langzeitarchivierung ist bisher nicht gelöst. Und die Gefahr, dass digitale Daten vernichtet werden, ist unweit größer als vor Jahren bei analogen Medien.“

Eigene Historie erkunden

Seit 1976 ist Helmut Krebs im Stadtarchiv tätig, absolvierte zunächst ein dreijähriges FH-Studium. Aus dem Stadtarchiv wurde das Stadt- und Kreisarchiv, dessen Leiter Krebs ist. 1000 bis 1200 Nutzer registriert die Einrichtung im Jahr. Zum großen Teil handelt es sich um Familienforscher, die die eigene Historie erkunden wollen. „Wir haben ein reiches Feld an Personenstandsakten und Kirchenbüchern. Es ist ein Paradies für Familienforschung“, sagt Krebs. Und das im doppelten Sinne.

Das Dürener Archiv ist eines der wenigen, in dem keine Gebühr für die Herausgabe von Unterlagen verlangt wird. „Und Familienforscher machen richtig Arbeit“, sagt Krebs schmunzelnd. Ihm ist aber wichtig, als öffentliche Einrichtung auch für jeden zur Verfügung zu stehen und eben nicht mit Gebühren abzuschrecken. Selbst dann nicht, wenn dabei auch schon mal die Zeit für die eigene Arbeit leidet: „Die Lager und Magazine sind voll von Akten.“ Genau das empfindet er aber als spannend: „Man weiß vorher nicht, was sich darin befindet und es ist faszinierend diese Schätze zu heben, die sich mit dem kulturellen Erbe dieser Stadt befassen.“

Das Erbe bewahren und daraus lernen – für Helmut Krebs eine Daueraufgabe.

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