Hürtgenwald - Der Mensch als Gefahr für den Biber

Der Mensch als Gefahr für den Biber

Von: Nadine Tocay
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Die Führerin der Wanderung, Uta Splettstößer, zeigt den Teilnehmern das Fell eines Bibers, für das die Tiere jahrzehntelang gejagt wurden. Foto: Nadine Tocay
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An Bäumen im Wald sind häufig Bissspuren des Nagetiers zu sehen. Es kehrt oft mehrmals zurück, um seine Arbeit zu vollenden. Foto: Nadine Tocay

Hürtgenwald. Es plätschert leise im Hürtgenwald, einige Erwachsene und Kinder haben sich an einem Bach versammelt. In ihren Händen halten sie Taschenlampen, mit denen sie auf das Wasser leuchten. „Wir gucken jetzt mal, ob wir was erkennen können“, sagt Uta Splettstößer.

Sie ist Diplom-Biologin und bietet seit sechs Jahren Biberführungen an. So auch an diesem Abend. Im Rahmen der Sternenwoche Rureifel haben 13 Teilnehmer den Weg zu der Veranstaltung „Abends am Biberteich“ gefunden, mit dem Ziel, einem echten Biber mal ganz nahezukommen.

„Die Wahrscheinlichkeit ihn während der Dämmerung zu sehen, ist höher als über Tag“, meint Splettstößer. Eine Garantie gebe es jedoch nicht. Das Revier eines Bibers ist so weitläufig, dass man nicht genau weiß, wo er gerade wohnt. Rund zwei Flusskilometer umfasst es. Manchmal lebt er allein, häufig mit einer Familie zusammen. Zwei Junge bringt ein Biberweibchen im Schnitt pro Jahr zur Welt. Bis sie zwei Jahre alt sind, leben die Tiere bei ihrer Familie. Danach werden sie selbstständig und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Partner.

„Vor rund 140 Jahren wurde der Biber in der Eifel ausgerottet“, erzählt die Biologin. Sein Fell ist sehr wertvoll. Während auf einem Quadratzentimeter vom Scheitel eines Menschen durchschnittlich nur 300 Haare wachsen, sind es beim Biber zwischen 10.000 und 30.000. Das wurde dem Nager damals zum Verhängnis.

Auch wurde der Biber wegen seines Fleisches gejagt. „Sein Schwanz sieht einer Flosse sehr ähnlich. Die Menschen dachten deshalb, der Biber sei ein Fisch“, sagt Splettstößer. Darum war er eine beliebte Speise während der Fastenzeit. Der dritte Grund für seine Gefährdung ist die Produktion eines Drüsensekrets, das den typischen Bibergeruch abgibt. In der Natur sondert das Tier es zur Reviermarkierung und Partnersuche ab. Der Mensch nutzt das sogenannte „Bibergeil“ für die Parfümherstellung sowie in den USA bei der Produktion von Vanillearoma.

Nachdem es knapp 55 Jahre lang keine Biber in der Eifel gab, wurden in den 80er Jahren zwölf Exemplare des „europäischen Bibers“ von einer russischen Farm in der Gegend um Großhau ausgesetzt, um ihn wieder anzusiedeln. Mittlerweile gibt es laut Schätzungen 450 Exemplare in Düren.

Vorbereitung auf den Winter

Momentan bereitet sich das 1,20 Meter große Tier auf den Winter vor. Mit seinen Grabhänden schaufelt er einen unterirdischen Zugang in einen Hang hinein, oberhalb der Wasseroberfläche. Am Wassergrund legt er eine Art Burg aus Zweigen und Ästen an. Wenn er im Winter wach wird, zieht er sich unter Wasser einen Ast heraus, nimmt ihn mit in seine Höhle und verspeist ihn dort.

Um den Vorrat anzulegen, macht er sich jeden Abend auf die Suche nach einem Baum, den er teilweise oder ganz fällt und in den Fluss oder Bach bringt. „Er nagt das Holz auf charakteristische Weise an“, erklärt Splettstößer und deutet auf einen Stamm, an dem die Spuren des Tieres deutlich zu erkennen sind. Mit seinen Zähnen nagt er daran, bis er instabil wird und der Baum umfällt. Dabei nimmt der Stamm die Form einer Sanduhr an – oder, wenn der Baum bereits gefallen ist, die eines angespitzten Bleistiftes.

Ungefähr eine Stunde braucht der Biber, um einen Stamm von rund 15 Zentimetern Durchmesser durchzunagen. Bei der Wahl des Holzes ist der Nager flexibel: „Es ist egal, wie hart es ist. Pappel, Weide, Buche und Eiche stehen auf seinem Speiseplan“, sagt Splettstößer. Erle möge er nicht so gerne, ebenso wie Nadelhölzer. Das Harz klebe zu sehr.

Manfred von den Eichen ist für die Wanderung extra aus Füssenich im Kreis Euskirchen mit seinem siebenjährigen Enkel Leon angereist. „Es ist interessant, die Spuren zu suchen. Aber ich habe mir schon gedacht, dass es schwierig wird, einen Biber zu sehen“, sagt er am Ende der Führung, als klar wird, dass sich an diesem Abend kein Exemplar zeigen wird. Splettstößer: „Häufig kann man sie entdecken. Aber wir waren vermutlich wegen der herumliegenden Blätter zu laut.“ Biber seien scheu und würden sich gut schützen.

Viele sehen die Rückkehr des Bibers skeptisch. „Es heißt oft, das Tier fälle zu viele Bäume und schade der Natur“, sagt Splettstößer. Das ist ihrer Meinung nach aber nicht so. Die Pflanzen würden meist nach der Fällung mehrere Triebe entwickeln. „Der Biber richtet also keinen Schaden an, er macht den Lebensraum sogar abwechslungsreicher“, erklärt sie.

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