Nideggen - Der Mann, der Nideggen ins Plus geführt hat

Der Mann, der Nideggen ins Plus geführt hat

Von: Burkhard Giesen
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Wechselt nach drei Jahren zur Stadt Hürth: Kämmerer Marco Dederichs. Nideggen wird er dennoch verbunden bleiben – seine Lebensgefährtin ist hier zu Hause. Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Vielleicht hat Marco Dederichs auch ein bisschen Glück gehabt. Als der Kämmerer vor drei Jahren in die hoffnungslos überschuldete Stadt Nideggen kam, gab es eine konkrete Hoffnung. Überspitzt formuliert lautete die: bewirke Wunder, rette die Finanzen der Stadt.

Eine Aufgabe, um die Dederichs damals nur wenige beneideten. Er selbst sah das schon bei seiner Vorstellung anders. „Letztlich haben wir eine Vorreiterrolle. Wir müssen einen Weg aufzeigen, wie wir wieder zu mehr Stabilität kommen“, erklärte er. Das hat er getan – und verabschiedet sich. Ende Januar wechselt er offiziell als neuer Referent des Bürgermeisters zur Stadt Hürth.

Ein bisschen Glück? Auch. Als 2014 endlich die Jahresrechnung für 2012 vorlag, war das Ergebnis erstaunlich. Die Stadt hatte, weil der Haushalt nicht genehmigt war und sie sich deshalb jede Maßnahme absegnen lassen musste, 2,6 Millionen Euro weniger ausgegeben, als ursprünglich geplant. Auch von dem Streit um den Sparkommissar hat Dederichs indirekt profitiert. Der hat höhere Einnahmen und niedrigere Ausgaben beschert, als die Politik bereit war zu geben.

Vor allem war es neben dem bisschen Glück aber eben auch handwerkliches Können. „Man muss vielleicht auch ein Stück weit besessen sein“, formuliert Dederichs seine Herangehensweise. Er hat genau betrachtet jede Haushaltsposition doppelt überprüft: Ist sie sinnvoll? Stimmt der Ansatz? Und er hat sich damit nicht immer beliebt gemacht innerhalb der Verwaltung: „Ich habe bei den Mittelanmeldungen der Fachämter viele Positionen gestrichen und vor allem für jede Position eine schriftliche Begründung verlangt.“

Das Ergebnis: Die Fachämter sortierten vor, die Ansätze wurden deutlich zurückgefahren. Dederichs: „Die Erfolge haben auch innerhalb der Verwaltung geholfen, diese Herangehensweise zu verstehen.“ Zumal er noch ein weiteres schlagkräftiges Argument in petto hatte: „Viele unserer Mitarbeiter leben ja selbst in Nideggen und zahlen hier auch ihre Steuern.“

Zwar immer noch deutlich mehr als in anderen Kommunen, aber eben doch deutlich weniger, als es ursprünglich geplant war. „Im ersten Haushaltssanierungsplan lagen wir bei der Grundsteuer B bei 1300 Punkten“, erinnert sich Dederichs. Geschafft hat er den Haushaltsausgleich für dieses Jahr mit einer Grundsteuer B von 850 Prozentpunkten, bei einer gleichzeitig stabilen Gewerbesteuerquote, die inzwischen von anderen Kommunen überflügelt wurde.

Noch etwas hat Dederichs in seinem Job geholfen. Dass er ein CDU-Parteibuch besessen hat, wussten nur wenige. Es spielte aber vor allem keine Rolle. „Als Kämmerer kann man zwar ein Parteibuch haben, sollte es aber nicht politisch gebrauchen. Ich habe meine Entscheidungen stets sachlich begründet getroffen.“

Ist es der passende Zeitpunkt, seinen Job als Kämmerer in Nideggen an den Nagel zu hängen? Für Dederichs durchaus: „Die neue berufliche Perspektive hat sich kurzfristig eröffnet“, sagt er. Und dass er ein sinkendes Schiff verlassen würde, kann man ihm auch nicht nachsagen. Im Gegenteil. Das Schiff ist eher in einem sicheren Hafen gelandet. Auch für die kommenden Jahre sieht die Planung bis 2021 Jahresabschlüsse im Plus vor. „Es ist also nicht der ungünstigste Zeitpunkt. Der Rahmen ist abgesteckt. Was wir selber tun konnten, haben wir getan“, sagt er selbst.

Das bedeutet aber auch: Mehr geht nicht. Und all das, was in der Vergangenheit mangels Geld nicht in Angriff genommen werden konnte, kann wie ein Boomerang auf die Stadt zurückfallen. Dederichs hat das 2015 bei der notwendigen Erneuerung der Rurbrücke in Abenden bereits erlebt. Mehr als eine Million Euro musste er zusätzlich im Haushalt unterbringen. Das gelang nur, weil es sich gleichzeitig um eine investive Maßnahme gehandelt hat. „Externe Faktoren kann man nur begrenzt berücksichtigen – Zinsentwicklung, Kreisumlage, Flüchtlinge“, deutet er die Gefahren für die künftigen Haushalte an. Die in den letzten Jahren vernachlässigten Ausgaben für die Infrastruktur könnte man noch dazu nehmen.

Vielleicht wartet auf den Nachfolger von Marco Dederichs sogar der schwierigere Job. Den Status quo zu halten, wenn sich gleichzeitig die Rahmenbedingungen verschlechtern. „So viel Luft ist nicht im Haushalt und die Begehrlichkeiten der Politik werden kommen“, warnt er. Trotzdem sieht Dederichs Nideggen wieder „auf dem Weg zu einer ganz normalen Kommune“. Und das durchaus mit einem gewissen Luxus. Dederichs: „Als Flächenkommune ist man natürlich auch verwöhnt. Vier Sportplätze für 10.000 Bürger und in jedem Ortsteil eine Begegnungsstätte“, das zeuge nicht gerade davon, dass das Gemeinschaftsleben komplett zusammengebrochen sei.

Zu Dederichs Kompetenz passt, dass er an der Auswahl seines Nachfolgers beteiligt ist. Elf Bewerbungen lagen in der ersten Auswahlrunde vor. Nach einer Fristverlängerung trudelten bis Dienstag weitere fünf Bewerbungen bei der Stadt ein. Sechs Bewerber sollen sich nun vorstellen und werden von einem Kölner Unternehmen, Bürgermeister Marco Schmunkamp, dem Kämmerer und einem Vertreter des Personalrates auf Herz und Nieren geprüft. In der nächsten Sitzung des Rates am 19. Januar soll dann Dederichs Nachfolger „gekürt“ werden. Trotz aller Erfolge, trotz abgestecktem Rahmen und guter Perspektiven – einfacher wird der Job nicht.

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