Düren - Der Mann, der mit 200 Kindern ins Gas ging

Der Mann, der mit 200 Kindern ins Gas ging

Von: Gudrun Klinkhammer
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Die Bücher, die er schreibt, berühren ihn sehr: Lorenz Peter Johannsen beschäftigt sich in seinem vierten Buch mit Janusz Korczak. Foto: gkli

Düren. Janusz Korczak ist ein weltbekannter Mann. Der studierte Kinderarzt und Pädagoge, der von 1878 bis 1942 lebte, wurde berühmt, weil er sich stets für unterprivilegierte Kinder einsetzte. Dieser Einsatz ging so weit, dass er 200 Kinder auch dann nicht verließ, als sie von NS-Soldaten im Konzentrationslager ins tödliche Gas geschickt wurden.

Janusz Korczak, damals 64 Jahre alt, blieb an der Seite der Kinder, obwohl man ihm als Juden in diesem Moment sagte: „Hier hast du Papiere, du bist ein freier Mann.“

Das Leben dieses Mannes wurde schon von vielen Personen und Persönlichkeiten beleuchtet. Um einen Lebensbaustein von Janusz Korczak, der bisher noch etwas unterbelichtet blieb, kümmerte sich jetzt der Dürener Kinderarzt Lorenz Peter Johannsen. In seinem vierten Buch in der Reihe „Jüdische Miniaturen“ beleuchtet Johannsen die sieben Jahre im Leben von Korczak, die er als praktizierender Kinderarzt wirkte, bevor er sich der Pädagogik verschrieb.

Mit Blick fixiert

Auf die Idee, sich diesem Thema zuzuwenden, kam Johannsen im Jahr 2013. Damals las er in der Düsseldorfer Universitätsbibliothek aus seinem dritten Buch „Eigentlich bin ich nirgendwo zu Hause“, das sich mit dem 105-jährigen Leben der jüdischen Kinderärztin Erna Eckstein-Schlossmann beschäftigt.

Nach der Lesung trat eine Frau an den Vortragenden heran, die die ganze Lesung über in der ersten Reihe gesessen hatte und ihn auch schon eine ganze Weile mit ihrem Blick fixiert hatte. Johannsen: „Dann kam die Dame zu mir herüber und sagte: ,Nun hören Sie mir mal gut zu.‘ Als wenn ich von vorneherein nicht gut zuhören würde.“

Im Gespräch trug Barbara Engemann-Reinhardt, als die sich die Dame entpuppte, dann das Thema „Janusz Korczak“ an Lorenz Peter Johannsen heran. Engemann-Reinhardt ist Mitbegründerin der Internationalen und Deutschen Korczak-Gesellschaften. Johannsen nahm aus verschiedenen Gründen an. Zum einen schrieb er schon mehrfach über Kinderärzte, zudem arbeitete er selber lange Jahre als solcher.

Johannsen wurde 1933 in Remscheid geboren. Sein Vater war Kaufmann und stand dem Nationalsozialismus nah. Seine Mutter bezeichnet der Autor als „neutrale und fromme“ Frau. Gemeinsam mit einem fast gleichaltrigen Vetter wuchs der jetzt 81-jährige Mediziner auf. Nach dem Abitur dachte er zunächst daran, Germanistik zu studieren, doch verwarf er den Gedanken und begann, Medizin zu studieren.

Chefarzt der Kinderklinik

Studien führten ihn nach Freiburg, Marburg und Düsseldorf. Als Assistenzarzt wirkte er in Datteln und Freiburg, dann trat er die Stelle als Chefarzt der Kinderklinik im Krankenhaus Düren an, die er von 1969 bis 1998 bekleidete.

Die Entscheidung, Arzt und ausgerechnet Kinderarzt zu werden, begründet der ehemalige Chefarzt mit den Worten: „Mich interessierte der menschliche Körper, denn der kam bei uns zu Hause nicht vor. Und ich wollte mich mit dem beschäftigen, was gesund ist und auch wieder gesund werden kann. Denn Kinder, wenn ihnen keine Steine in den Weg gelegt werden, werden in der Regel wieder gesund.“

Die Lebensgeschichten, mit denen er sich in seinen Büchern befasst, sind für ihn „sehr emotional“ und nehmen ihn innerlich mit.

Derzeit ist er der Meinung, dass er kein weiteres Buch mehr angehen wird. Doch wer weiß, wie er sich entscheidet, wenn wieder einmal jemand auf ihn zukommt und sagt: „Nun hören Sie mir mal gut zu.“

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