Hambach - Der Mann, der den Riesen aus Stahl dirigiert

Der Mann, der den Riesen aus Stahl dirigiert

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Bagger, Tagebau
XXL-Bagger: Christian Marx steuert einen Stahlgiganten im Tagebau Hambach. Foto: smb
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XXL-Schaufeln: Das Schaufelrad von Kohlebagger 293 hat einen Durchmesser von 21,6 Metern, das ist so hoch wie ein siebengeschossiges Haus. Baggerführer Christian Marx steht neben einer der 18 Schaufeln. Foto: smb

Hambach. Die Stufen hinauf zu seinem Arbeitsplatz hat Christian Marx noch nie gezählt. Aber es sind so viele, dass sein Job ohne Frage sportlich fit hält. Christian Marx arbeitet 177 Meter unter dem Meeresspiegel und trotzdem in luftiger Höhe. Wie das geht? Ganz einfach: Der 27-Jährige ist Baggerführer. Er ist einer von denen, die die Stahlgiganten im Tagebau Hambach steuern.

„Höhenangst darf man in diesem Beruf jedenfalls nicht haben“, sagt der Obermaubacher lächelnd, während seine Führerstand-Kabine rund 20 Meter über dem Erdboden hängt. Mit Hebeln und Knöpfen steuert er den Bagger und das sorgt dafür, dass das Schaufelrad Erdschichten abträgt und sich durch die Kohle gräbt.

Via satellitengesteuerter GPS-Navigation gibt es viele Informationen für den Baggerführer, aber von einem automatisierten Prozess ist die Kohleförderung weit entfernt. Es sind die Baggerführer, die den Abraum millimetergenau von der Kohle „putzen“ und diese entsprechend der von Kraftwerken und Brikettfabriken angeforderten Qualität abbauen.

Vier Mann pro Bagger

Natürlich steuert Christian Marx den Stahlgiganten nicht alleine. Immer vier Mann sind auf den Kohlebaggern im Einsatz. Zwei arbeiten im Wechsel im Führerstand, der Gruppenleiter hat vom Boden aus alles im Blick, ein weiterer Mitarbeiter das Förderband.

„Die Arbeit im Führerstand erfordert höchste Konzentration und ist gleichzeitig auch körperlich anstrengend“, erklärt der Großgeräteführer. Der Führerstand vibriert ständig, die Männer müssen permanent etliche Anzeigen beispielsweise über die Leistung der Förderbänder und das gigantische Schaufelrad im Blick haben. „Böschungen müssen so abgetragen werden, dass sie stabil bleiben“, nennt Marx eine Herausforderung.

Immer zwei Stunden arbeiten die zwei Baggerführer im Führerstand. Wenn die Ablösung kommt, stehen Kontrollgänge an. „Außerdem räumen wir zum Beispiel mit einem Radlader Kohlebrocken beiseite, die dem Bagger im Weg liegen“, erklärt Christian Marx. „Wenn diese Radlader auf Straßenbaustellen stehen, denkt man, dass das schon riesige Maschinen sind. Neben unseren Kohlebaggern wirken sie dann aber winzig klein.“

Zusätzlich steckt in jedem Mitarbeiter auch ein „Feuerwehrmann“. Monatlich wird der Ernstfall geprobt. 179 Großgeräteführer gibt es im Tagebau Hambach, die sich auf Baggern und Absetzern abwechseln. Bis die RWE-Mitarbeiter einen Kohlebagger oder Absetzer steuern können, dauert es eine ganze Weile. Nach einer Ausbildung zum Schlosser, Mechatroniker oder Elektriker stehen erst Theorieunterricht und dann viele begleitete Praxisstunden auf dem Bagger auf dem Stundenplan.

„Nach zwei bis drei Jahren ist man mit allen Abläufen so vertraut, dass man den Bagger alleine führen kann“, erklärt Marx. Die Koordination von Hand und Fuß, von Totmannpedal, Hebeln und Rädchen müsse erst Routine werden. Er erinnert sich noch gut an seinen ersten Tag alleine im Führerstand: „Es ist schon ein tolles Gefühl, so einen Giganten zu steuern und damit zu arbeiten.“

„Mulmiges Gefühl“

Berufliche Zukunftssorgen hat Christian Marx angesichts der andauernden Debatte um die Kohle nicht. „So schnell wird es ohne die Kohle nicht gehen“, sagt er. Vor allem, wenn die Atomkraftwerke vom Netz gehen, sei die Rolle der Kohle trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien immer noch wichtig, um die Stromversorgung im Land sicherzustellen. Doch die Braunkohle hat auch Gegner und auch damit müssen sich die Tagebaumitarbeiter beschäftigen. Klimaaktivisten besetzen immer wieder die Gleise der Kohlebahn und die Bagger.

„Ich habe schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich jederzeit damit rechnen muss, dass vermummte Menschen unseren Arbeitsplatz besetzen. Die Aktivisten gefährden mit ihren Aktionen sich selbst, die Rettungskräfte und uns. Für mich und meine Kollegen ist das schwer nachzuvollziehen. Wir arbeiten hier Tag und Nacht und an Feiertagen hart für die Stromversorgung und auch für die Energiewende in Deutschland.“

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