Düren - Der lange und schwierige Weg zur Adoption

Der lange und schwierige Weg zur Adoption

Von: Anne Wildermann
Letzte Aktualisierung:
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Bürokratisches Prozedere: Singles, die ein Kind adoptieren wollen, müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Bei einem Paar sollte ein Partner mindestens 25 Jahre, der andere 21 Jahre alt sein. Foto: imago/INSADCO

Düren. Diana und Markus aus dem Kreis Düren haben vor drei Jahren ein kleines Mädchen adoptiert. Der Weg war lang und nicht einfach. An den Tag, als Maja zu ihnen kam, erinnern sich Markus und seine ebenfalls 36-jährige Frau Diana noch sehr gut (Namen von der Redaktion geändert).

Es war im Herbst des Jahres 2012 und Markus arbeitete zu Hause an seinem Schreibtisch. Plötzlich klingelte das Telefon. Eine Dürener Rufnummer blinkte im Display auf.

„Ich weiß noch, als ich die Nummer sah, da dachte ich: Ich bekomme sehr selten Anrufe aus Düren“, erinnert er sich. Am anderen Ende der Leitung war eine Mitarbeiterin des Kreisjugendamtes. „Sie haben sich doch um eine Adoption beworben. Steht die Bewerbung noch?“, fragte die Stimme. Ein kurzes Schweigen trat ein. Markus musste sich erstmal sammeln. Dann platzte es aus ihm heraus: „Natürlich steht die Bewerbung noch!“

Von diesem Telefonat an ging dann alles ziemlich schnell. Wenig später waren Diana und Markus Adoptiveltern. „Es hat nicht geklappt, dass ich auf natürlichem Wege schwanger wurde“, berichtet Diana. Zwar versuchte es das Paar auch mit künstlicher Befruchtung, entschied sich aber parallel, den Weg der Adoption zu gehen. Der war allerdings alles andere als einfach.

Allein die Gespräche während der Bewerbungsphase mit Dorothee Pohlmann, die beim Kreisjugendamt für Pflegekinder und Adoptionsvermittlungen zuständig ist, zogen sich über einen Zeitraum von sechs Monaten. „Wir mussten unter anderem einen Lebensbericht von uns verfassen. Der ist mir persönlich sehr schwer gefallen. Dafür habe ich schon einige Zeit gebraucht“, erzählt Markus.

Wichtig war dem Ehepaar, sich so offen wie möglich zu geben und sich nicht zu verstellen. Deshalb hatten beide nie die Sorge, am Ende des Bewerbungsverfahrens die sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht zu bekommen. Doch trotz dieses Dokumentes gibt es keine Garantie, ein Kind adoptieren zu können, zumal die Bescheinigung nur ein Jahr gültig ist.

Die Zeit verging. Nach zwölf Monaten rief Diana wieder beim Jugendamt an und musste den Adoptionswunsch wiederholen. Das Paar stand inzwischen auf einer Liste, auf der sehr viele Name stehen. Diese wird allerdings nicht von oben nach unten abgearbeitet. Einige Bewerber bekommen kein Kind zugesprochen, weil sie im Laufe der Wartezeit zu alt geworden sind oder die zur Adoption freigegebenen Kinder nicht zu ihnen passen. Der Grund: Es wird stets nach dem Kindeswohl entschieden. Danach werden die potenziellen Adoptiveltern ausgesucht. Nicht umgekehrt.

Diana und Markus hatten die Möglichkeit, auch bei anderen Jugendämtern wegen einer Adoption nachzufragen, die nicht im Kreis Düren liegen. „Wir dachten, je mehr wir uns vernetzen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch ein Kind bekommen,“ sagt Diana. Allerdings werden die Paare bevorzugt, die auch im jeweiligen Kreis leben.

Als Maja zu ihren Adoptiveltern kam, war sie gerade zwölf Tage alt. Nach der Geburt lag das Baby im Krankenhaus. Diana durfte zwei Tage dort verbringen, damit die Kleine sich langsam an sie gewöhnen konnte. „Währenddessen war mein Mann zu Hause. Familie und Freunde haben geholfen, unser Lesezimmer in ein Kinderzimmer zu verwandeln. Sie brachten sogar Anziehsachen und Möbel vorbei“, erzählt Diana.

Die leibliche Mutter von Maja hatte das Kind zur Adoption freigegeben, weil sie mit der Erziehung des Mädchens überfordert gewesen wäre. Markus hat heute noch Respekt vor dieser Entscheidung. „Sie hat sehr verantwortungsvoll gehandelt“, sagt er.

Die Adoptionsvermittlerin Dorothee Pohlmann weiß um die Ängste, Sorgen und den Leidensdruck der leiblichen Mütter. „Wir wollen den Müttern, die ihre Kinder abgeben, Wertschätzung entgegenbringen. Immerhin treffen sie eine sehr verantwortungsvolle Entscheidung. Natürlich sieht das Umfeld der leiblichen Mutter das oft anders, weshalb viele diesen Schritt verheimlichen – manchmal sogar die ganze Schwangerschaft.“

Heute ist Maja drei Jahre alt. Sie wird bald vier. Es wird noch einige Jahre dauern, bis das Mädchen nach ihrer leiblichen Mutter fragt. Das wissen Diana und ihr Ehemann. Und sie sind vorbereitet. Diana zieht ein kleines Büchlein aus der Handtasche und schlägt es auf. Bunte Zeichnungen von Sternen, Himmelskindern und Feen springen ins Auge. Das Büchlein ist an die Geschichte „Die Himmelsrutsche“ von Monica Wiedermann-Kaiser angelehnt, die von verlassenen Kindern, die neue Eltern suchen, erzählt. Bisher hat Maja nicht gefragt, wo ihre Wurzeln liegen. „Und so lange das nicht der Fall ist, werden wir ihr diese Geschichte auch noch nicht vorlesen.“

Kindgerecht und spielerisch soll Maja erfahren, dass Diana nicht ihre leibliche Mutter ist. Für den Fall, dass sie diese später einmal kennenlernen will, kann sie beim Jugendamt nachfragen. „Oft wissen wir aber selber nicht, wo sich die leibliche Mutter oder der leibliche Vater nach all den Jahren aufhalten“, erklärt Dorothee Pohlmann. „Sie sind nicht verpflichtet, sich bei uns in regelmäßigen Abständen zu melden und ihre neue Adresse anzugeben. Damit, dass wir eventuell nicht weiterhelfen können, müssen Adoptivkinder ein Stück weit leben.“

Majas leibliche Mutter hatte sogar die Chance, einen Brief für das Kind zu hinterlassen. Sie tat es nicht. Markus bedauert das. Auch wenn sie dem Mädchen nichts Persönliches hinterließ, so gab sie dem Baby kurz nach der Geburt noch einen Namen. Das erste und letzte Geschenk, das sie dem Kind mitgeben konnte.

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