Kreis Düren - Der Kurs fällt, die Dividende gestrichen: Müssen die Kommunen zahlen?

Der Kurs fällt, die Dividende gestrichen: Müssen die Kommunen zahlen?

Von: sj
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Angesichts eines Verlustes von 200 Millionen Euro will der RWE-Vorstand den Stammaktionären, zu denen die Beteiligungsgesellschaft Kreis Düren zählt, die Dividende streichen. Dadurch fehlen auch in Düren etwa 600.000 Euro.

Kreis Düren. Wenn es um Kohle ging, waren der Kreis Düren und RWE lange Zeit gute Kumpel. Jahrelang sprudelten die Gewinne, davon profitierte indirekt auch der Kreishaushalt. Schließlich hält die Beteiligungsgesellschaft Kreis Düren (BTG) 1.202.868 Aktien und ist damit die größte kommunale Aktionärin in der Region.

Im Rekordjahr 2009 schüttete RWE 4,50 Euro an die Aktionäre aus, 5,4 Millionen Euro flossen aus dem Ruhrgebiet an die Rur. Das Geld wurde genutzt, um Defizite der Kreisbahn und des Kreuzauer Freizeitbades auszugleichen. Die herrlichen Zeiten sind passé.

In diesem Jahr ist aus Essen nichts zu erwarten. Angesichts eines Verlustes von 200 Millionen Euro will der RWE-Vorstand den Stammaktionären, zu denen die BTG zählt, die Dividende streichen. Im Vorjahr hat es immerhin noch einen Euro pro Anteilsschein gegeben. Mit 50 Cent hatte Dirk Hürtgen, Kämmerer des Kreises Düren und BTG-Geschäftsführer, für 2016 geplant. Eine vorsichtige Planung, andere Kommunen hatten weiter mit einem Euro oder 85 Cent gerechnet.

„Die Streichung hat uns aber überrascht“, sagt er. Unter dem Strich werden 600.000 Euro auf dem Konto der BTG fehlen. Bis zum Bilanzstichtag Ende März droht zudem eine Wertberichtigung der Aktien in Höhe von derzeit rund 17 Millionen Euro. In den Büchern sind die RWE-Aktien mit 25 Euro bewertet, der Kurs fällt seit Jahren, derzeit dümpelt er bei rund zehn Euro. Ist das Betriebsergebnis der Gesellschaft negativ, müsste Geld nachgeschossen werden. Vom Kreis und damit den Kommunen? Durch Verkäufe von Tafelsilber? Gibt es überhaupt Tafelsilber?

„Es ist zu früh, sich dazu zu äußern“, sagt Hürtgen. Die neue Lage müsse zunächst bewertet und mit dem Aufsichtsrat besprochen werden. Am kommenden Dienstag tagt der Kreisausschuss, es geht um die Haushaltsplanung. Der BTG-Geschäftsführer stellt sich auch als Kreis-Kämmerer darauf ein, dass die Politik Fragen haben wird. Derzeit gibt es nur eine Antwort: „Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, die Ausgaben zu senken, oder Einnahmen zu erzielen, um die 600.000 Euro auszugleichen“, sagt Hürtgen. Er sei überzeugt, Lösungen zu finden, versichert er. In den Rathäusern entlang der Rur dürfte dies mit Blick auf die Kreisumlage aufmerksam verfolgt werden.

Es gibt auch noch Hoffnung – dass die Aktie wieder steigt. „Die Frage ist, wie Analysten die Entwicklung des Konzerns bewerten, ob sich Investoren finden“, sagt Hürtgen. Steigt der Kurs, freut sich die BTG. Wegen der seit Jahren sinkenden RWE-Dividende ist bereits heute im Haushaltsentwurf des Kreises eine Zahlung an die BTG von drei Millionen Euro vorgesehen. Es geht um die „Daseinsfürsorge“ – um die Defizite beim ÖPNV und beim Freizeitbad. Es wird sich zeigen, ob es bei diesem Ansatz bleibt. Doch vielleicht kippen die Aktionäre ja noch den Vorschlag des RWE-Vorstands auf der Hauptversammlung am 20. April? Die kommunalen Aktionäre, die jahrelang auf eine hohe Ausschüttung gedrängt haben, sind mittlerweile in der Minderheit (siehe Infokasten). In Finanzkreisen gilt ein Kurswechsel als unwahrscheinlich, viele Analysten begrüßen eine Streichung.

„Wir sind wenig erfreut über den Umgang mit den Kommunen“, kommentiert Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) den Kürzungsvorschlag. Einen Verkauf der Aktien erachtet er angesichts des aktuellen Kurses als wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die bis zuletzt recht hohe Dividendenrendite sei nun aber infrage gestellt. Spelthahn: „Bleibt dies dauerhaft so, werden wir uns perspektivisch über den Sinn des Investments Gedanken machen müssen.“

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