Der Krippenkünstler: Ohne Maria ist das Fachwerkhaus nichts

Von: Anne Wildermann
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Eine Bekannte hat Johannes Müller eine silberfarbene Marienfigur aus dem Wallfahrtsort Kevelaer mitgebracht. In Wirklichkeit steht das Fachwerk am Lindenplatz in Merzenich und auch dort überblickt die Heilige die Straße. Foto: Wildermann
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Detailliert: Für die Manheimer Kirche hat Johannes Müller eineinhalb Jahre gebraucht.

Golzheim. Vorsichtig zieht Johannes Müller alte Kartoffelsäcke von einem Stapel Holz. Aufgeschichtet in Kisten lagert er das Material auf dem Dachboden, das er für seine Modell- und Krippenbauten benötigt. „Einige Stücke haben wirklich schöne Astlöcher“, sagt er und streicht lächelnd und vorsichtig mit seiner großen Hand über das Eichenholz. In seinem Kopf hat er sich bereits einen Plan zu recht gelegt, wie er das Holz verbauen will.

Auf die bevorstehende kalte Jahreszeit freut sich der 75-jährige Golzheimer jetzt schon. Er will dann gleich zwei Krippen fertigen und an Verwandte verschenken. Bisher hat er zwölf Stück gebaut und ans eine drei Kinder, Nichten und Schwägerinnen verschenkt.

An die drei bis vier Woche benötigt der Senior, der seit 1996 im Ruhestand ist, für eine Krippe. Zwischendurch baut und bastelt er an weiteren Gebäuden wie Fachwerkhäusern und Kirchen. Zu seinem Lieblingsmodellbau gehört die Kirche von Manheim, ein Stadtteil von Kerpen im Rhein-Erft-Kreis. „Selbst der Ortsvorsteher war schon bei mir und hat sich das Gebäude angeschaut“, sagt er auf Platt und knipst das Licht in einem Seitengebäude gegenüber seines Wohnhauses an.

Plötzlich erstrahlt das nachgebaute Gebäude. Johannes Müller hat bei diesem Bau an alles gedacht, sogar an den Wetterhahn und an die Ziffernblätter der Kirchturmuhr. „Bald wird es diese Kirche nicht mehr geben. Der Ort muss dem Tagebaubagger weichen“, erklärt er und streicht über die rot-braunen Dachschindeln, die ihn bei der Fertigung sehr viel Mühe gekostet haben. Insgesamt eineinhalb Jahre hat er für die Kirche gebraucht.

Johannes Müller hat bereits als kleiner Junge von zehn Jahren mit dem Krippen- und Modellbau angefangen. „Liegt bei uns in der Familie. Mein Opa und mein Uropa hatten das gleiche Hobby“, sagt er und zeiht eine handgeschriebene Liste mit allen Modellbauten, die er bisher gefertigt hat. Insgesamt sind es 20 Bauten. Darunter auch das Fachwerkhaus am Lindenplatz in Merzenich aus dem Jahr 1743. Das steht in seiner aufgeräumten Werkstatt auf einem Tisch.

Angestrichen wurde es von seinem Bruder Heinz Müller (69), der früher als Autolackierer gearbeitet hat. „Mein Bruder hat da ein besseres Händchen für“, sagt Johannes Müller und zeigt mit seinem Finger auf eine kleine silberfarbene Figur: die heilige Maria. Auch in Echt gebe es einen kleinen Vorsprung an dem Haus auf dem die Statur stehe. „Die habe ich aus Kevelaer mitgebracht bekommen“, erzählt Johannes Müller und seine Augen strahlen dabei. Ohne die Heilige wäre der Modellbau nicht perfekt. Jetzt ist er es.

Seine Bauten sind unverkäuflich und zum Teil Unikate. Noch nie hat er jemandem eine Krippe oder ein Haus im Auftrag gefertigt. Selbst die Skizzen und Zeichnungen, die er von seinen kleinen Architekturen macht, überlässt er niemanden. „Nur dem Reißwolf“, sagt er nüchtern. Ganz aus der Erinnerung zeichnet er die Bauten auf Papier vor.

Kurz darauf verschwindet er für einen Moment hinter der Tür. Zurück kommt er mit einem alten, dunkelbraunen Stuhl aus Eichenholz aus dem 19. Jahrhundert. Die Lehne ist mit dem Familienwappen verziert „Den hat mein Uropa Robert Müller gemacht. Solch filigrane Schnitzarbeiten kann ich nicht “, gesteht er und positioniert den Stuhl so, dass die Strahlen der Morgensonne auf ihn fallen.

Das Material für seine Krippen und Modellbauten kauft Johannes Müller nicht. Er sucht und findet es überall. Ein alter Schrank ist eine gute Quelle oder alte Bretter. Schließlich darf das Holz, er verwendet neben Eiche noch Buche und Mahagoni, nicht zu frisch sein. „Der Opa hat immer geschimpft, wenn das Holz nicht lang genug gelagert hatte“, erinnert sich Johannes Müller. denn dann können Zahlen, Ornamente und Gesichter besser herausgearbeitet werden. Mit einer Laubsäge schneidet er die Fenster für seine Modellbauten aus. Damit alles hält, verwendet er gewöhnlichen Holzleim.

Man könnte meinen, Johannes Müller hat längst alles an Wohn-, Gast- und Kirchengebäuden nachgebaut. „Ich habe mir vorgenommen, noch die Kirche in Jakobwüllesheim anzufertigen, und das kleine Fachwerkhaus an der Pastoratstraße in Merzenich, das mittlerweile abgerissen und woanders wieder aufgebaut wurde“, sagt er. Gerade Fachwerkbauten mag Johannes Müller sehr. Schließlich gebe es in dem Ort nicht mehr so viele und durch sein Hobby bleiben einige Gebäude für die Ewigkeit erhalten – allerdings kleiner als im Original.

Einige seiner schönsten Nachbauten wie das Merzenicher Rathaus, das Fachwerkhaus am Lindenplatz, die Kirche in Manheim und andere Bauwerke aus verschieden Regionen Deutschland, sowie die Krippen werden in einer kleinen Ausstellung im Heimatmuseum in Merzenich, Bergstraße 1, am Sonntag, 4. September, von 11 bis 18 Uhr, und die zwei darauffolgenden Sonntage gezeigt.

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