„Der Kredit“: Kein Gewinner, aber gleich zwei Verlierer

Von: Anke Holgersson
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Beeindruckend: Ilja Richter und Markus Majowski als Kreditanwärter und Banker in „Der Kredit“ im Haus der Stadt. Foto: Anke Holgersson

Düren. Auch wenn der Titel es nahelegt: In „Der Kredit,“ der Komödie, die im Haus der Stadt aufgeführt wurde, geht es nicht um Finanzgeschäfte. Es geht vielmehr um das Ausfechten von Machtspielen und Manipulationstechniken.

Und die wendet nicht der vermeintlich Mächtigere an, also Markus Majowski als Filialleiter einer Bank, die über einen Kredit zu entscheiden hat. Sondern derjenige, der eigentlich auf verlorenem Posten steht: Anton Herberg (Ilja Richter), der einen Kredit beantragt, ohne die benötigten Sicherheiten vorweisen zu können.

Auf die plumpe Kampfansage „Wenn Sie mir den Kredit nicht geben, schlafe ich mit Ihrer Frau” folgt ein Feuerwerk an subtilen und unsubtilen Beleidigungen einerseits und Umschmeichlungen andererseits: Zuckerbrot und Peitsche eben, die älteste Manipulationstechnik der Welt.

Herberg verweigert die Opferrolle und dreht einfach den Spieß um. Dass dieser Plot tatsächlich zu einem vergnüglichen Abend führt, ist dem guten Skript des katalanischen Autors Jordi Galceran zu verdanken. Er macht es dem Manipulator nicht einfach und stellt ihm eine Figur gegenüber, die dessen Techniken immer wieder durchschaut und aufdeckt.

So bleiben Plot und Figuren glaubwürdig. Das Herzstück von Julia Hattsteins Bühnenkonzept ist ein überdimensionierter Schreibtisch, der als Rampe in der Mitte prangt. Regisseur Martin Woelffer nutzt ihn für seine Choreographie der Machtspiele: Je nachdem, wer gerade die stärkere Position im Wortduell innehat, befindet sich oben auf der Rampe.

Richter und Majowski, beide mit einem über Jahrzehnte trainierten perfekten komödiantischen Timing ausgestattet und einer Spielfreude, die sie sich über diese Zeit erhalten konnten, überzeugen voll und ganz. Sie sind die ideale Besetzung für ein Stück, das weniger auf Pointen, als auf Mimik, Gestik und die Kunst der Pause setzt.

Galceran kennt sich mit der theatralen Inszenierung von verbaler Macht aus. Handelte das Stück, mit dem er 2003 seinen internationalen Durchbruch feierte, „Die Grönholm-Methode”, doch ebenfalls von Machtspielen. Hier sezierte er die Mechanismen moderner Bewerbungsverfahren und brachte sie auf den Punkt. „Der Kredit” funktioniert ähnlich: Galceran zeigt, wie verführbar wir sind, sogar für das eigene Unglück.

Zum Schluss gibt es keinen Gewinner, sondern zwei Verlierer. Denn beide haben die Rechnung ohne Laura gemacht. Die Frau des Filialleiters, eben die, die zu Beginn Gegenstand des Schacherns um Geld und Glück wird (und auf der Bühne – obwohl abwesend – durch Telefonate und ein angeschmachtetes Foto wunderbar präsent ist), geht längst eigene Wege. Sie verlässt den Filialleiter für dessen Schlagzeug spielenden, verarmten Bruder, der den beiden Männern bis zu diesem Moment als Verlierer par excellence gegolten hatte.

Wer sich schon immer gefragt hat, ob es modernes Boulevardtheater geben kann, bekommt mit „Der Kredit” ein gutes Beispiel dafür: intelligente Unterhaltung aus der Schmiede der Berliner Komödie am Kurfürstendamm. Und so gab es lang anhaltenden Applaus von den Zuschauern im beinahe ausverkauften Haus der Stadt.

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