Der krachende Schuss gehört zum guten Ton

Von: Sylvia Dietl
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Kommen seit Jahrzehnten zu den Treffen bei den „Kentucky Muzzle Loaders” am Dürener Wibbelrusch: Irokese Holger Winkler und Siedler Wilhelm Eisenbach. Foto: Dietl

Düren. Im offenen Tipi schmiedet ein bärtiger Trapper ein Messer, eine Indianerin im fransenbesetzten Lederkleid sitzt mit ihren zwei Kindern am knisternden Lagerfeuer und im benachbarten Zelt steckt sich ein Siedler genüsslich seine Tabakpfeife an. Nichts erinnert mehr an das 21. Jahrhundert. Wildwest-Romantik pur.

Friedliches Zusammenleben von Indianern und Weißen. Selbst dumpfe Schüsse bringen niemanden aus der Ruhe. Hier gehören sie zum guten Ton - auf dem Schießstand des Club für Jagd- und Sportschießen in Düren am Wibbelrusch.

Aus Nah und Fern kamen am Wochenende die Freunde des Schwarzpulvers angereist, um mit ihren Gewehren den Büffel auf der Silhouettenscheibe zu jagen. Es war wieder Zeit für den legendären „Pulverdampf in Düren”, ausgerichtet vom „Kentucky Muzzle Loaders Club”. Seit 41 Jahren ist das internationale Vorderladerschießen mit Wildwestflair ein fester Bestandteil im Dürener Veranstaltungskalender.

„Ungefähr 350 Hobbyisten sind teilweise von weit her gekommen, aus den Beneluxländern, der Schweiz und aus Deutschland, und lassen hier den Wilden Westen aus dem 18. Jahrhundert wieder auferstehen. Sie tragen historische Outfits, wollen so leben wie in dieser Zeit und bauen ihre Weißwandzelte, Lodges oder Tipis auf”, erzählte Klaus Dieter Wirtz, Präsident des Vereins, der selbst im Stil eines nordamerikanischen Siedlers um 1750 gekleidet war. Die zahlreichen Besucher staunten daher nicht schlecht, als ihnen Trapper, Cowboys, Indianer und Einwanderer im Original-Look begegneten.

Alles soll möglichst authentisch sein, eben wie zu Amerikas Pilgerzeit. Einfach, aber bequem und mit Western-Requisiten sind auch die Zelte ausgestattet. Häute und Felle gehören genauso zum historischen Zubehör wie Tomahawks oder Pulverhörner. Eine Feldschmiede, Messerschärfer und zahlreiche Händler, die echten Indianerschmuck, Holzschnitzereien, Waffenzubehör, Kleidung und andere Waren aus der damaligen Zeit verkauften, machten das Westerndorf komplett. Für Agnes Schüttler aus Bergisch-Gladbach sind diese Tage wie Urlaub: „Wir brechen aus dem Alltag aus, haben eine schöne Zeit mit Freunden und brauchen vor allem keine Uhr”, freute sich die Schmiedin, die seit über 20 Jahren dabei ist.

Zur damaligen Zeit gehören auch die historischen Waffen, die den Wildwest-Freunden genauso wichtig sind. 120 erwachsene Teilnehmer wetteiferten mit ihren nostalgischen Vorderladern in mehreren Serien um den begehrten „Bronzenen Büffel”, der an die fünf Kilogramm wiegt und vom Bürgermeister der Stadt Düren gestiftet wird. „Geschossen wird entweder mit einem Perkussions- oder Steinschlossgewehr, stehend freihändig auf eine 50 Meter entfernte Scheibe”, sagte Klaus Dieter Wirtz. Und das kracht richtig. Der Ladevorgang beim Schwarzpulverschießen ist äußerst aufwändig und muss sorgfältig ausgeführt werden. „Erst wird das Schwarzpulver von vorne in den Lauf geladen, danach die Bleikugel hineingestoßen und schließlich das Zündhütchen aufgesetzt”, erklärte Trapper und Vereinsmitglied Manfred Becker, der diese Aufgabe beim beliebten Bürgerschießen übernahm. Denn hierfür wird ein so genanntes Pulverschein benötigt. Interessierte Gäste gab es reichlich.

Natürlich kamen auch die Liebhaber von Westernmusik voll auf ihre Kosten. „Mark Merrit” und die Country-Band „Wild Bunch” spielten bei bester Stimmung und mit viel Lagerfeuer-Romantik bis spät in die Nacht zum Tanz auf. Die „Kentuckys” hatten mal wieder eine erfolgreiche Veranstaltung abgeliefert - daran änderte auch der Dauerregen am Sonntag nichts. Der störte die Trapper und Indianer keineswegs.
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