Heimbach - „Der Kontrabass“: Wenn ein Mann sein Instrument hasst

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„Der Kontrabass“: Wenn ein Mann sein Instrument hasst

Von: Bruno Elberfeld
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Hajo Mans präsentierte auf Burg Hengebach Patrick Süsskinds Ein-Mann-Stück „Der Kontrabass“. Foto: Bruno Elberfeld

Heimbach. Etwa 40 Männer und Frauen erwarteten im Theatersaal der „Internationalen Kunstakademie Heimbach“ auf Burg Hengebach im gemütlichen Halbkreis Hajo Mans und seine Botschaft. Das Thema des Ein-Mann-Stücks – „Der Kontrabass“ – stand genau in der Mitte der zu ebener Erde improvisierten Bühne.

Der Schauspieler schluffte in bunten Schlappen herein, noch recht verschlafen im Freizeit-Look. Mit Schlabberhose, weißem Feinripp, in der einen Hand eine Flasche Bier, in der anderen eine Zahnbürste, die er beide – in Redepausen – in Gebrauch nahm. Ein voller Bierkasten, zum Leeren bereit und ein Bügelbrett ergänzten die Kulisse.

Gut 90 Minuten war Hajo Mans in diesem spärlich bestückten Zimmer, schallgedämmt, unterwegs und erzählt die Geschichte mit seinem Musikinstrument, dem Kontrabass. Der eineinhalbstündige Monolog, voller Humor und Witz, schildert die Berg- und Talfahrt widersprüchlicher Gefühle in die Mans seine Hörer mitnimmt.

Mal streichelt er das Instrument, das er täglich zu Proben oder Aufführungen mitschleppen muss, mal würgt er es, wenn er in seinen depressiven Phasen über sein Leben mit dem Kontrabass nachdenkt. Dann ist er wieder voll des Lobes. „Dirigent und nahezu alle anderen Instrumente sind in einem Orchester unwichtig, allein die Kontrabässe überbringen die Musik und ihre Botschaften“, berichtet er gut gelaunt.

Derweil verschwindet die Zahnbürste in einer leeren Bierflasche. Eine neue macht „Plopp“. Die Gäste auf Burg Hengebach absolvieren ein Seminar in Sachen Orchester-Instrumente, lernen Kontrabass-Literatur kennen. Nebenbei erzählte der Protagonist von den wenigen Komponisten wie Schubert, Beethoven und Wagner, die in ihre Stücke den Kontrabass eingebaut haben.

Einer der Höhepunkte ist der „Liebesakt“ des Musikers mit dem Bass auf dem Teppich. Das Instrument ist Ersatz für Sarah, eine 25-jährige Sopranistin, die ihn aber trotz aller Bemühungen nicht beachtet. „Der Kontrabass ist das Unschönste, das es auf dem Gebiet der Geräusche gibt“, ein vernichtendes Urteil des Bassisten.

Hajo Mans brachte die Menschen zum Lachen, gab ihnen aber auch Nachdenkliches mit auf den Weg, wenn Autor Patrick Süsskind die Rollen Wagners und eines seiner Verehrer, Adolf Hitlers, erwähnt.

Veranstalter des Abends waren in Kooperation die „Internationale Kunstakademie“ und die „Bischöfliche Akademie Aachen“.

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