Der „kleine Stollenwerk” lebt seinen Traum

Von: Fred Schröder
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Großartiger Empfang: Nach der WM 1958 jubelte Düren den lokalen Helden Karl-Heinz Schnellinger und Georg Stollenwerk (rechts) zu.

Düren. Daran erinnert er sich noch ganz genau. „Erstmals in der Zeitung stand mein Name 1938, als die C-Jugend von 99 bei Sportfreunde 1919 mit 4:2 verlor. 99 hat zwar verloren, aber die beiden Gegentore schoss der kleine Stollenwerk”, so hieß es damals in der Dürener Zeitung.

Der „kleine Stollenwerk”, der körperlich nie zu den Größten zählte, aber sportlich noch heute eine Größe ist, steht vor einem großen Fest. Georg Stollenwerk, Fußballidol, wird am Sonntag „80 Jahre jung”, wie es in der Einladung seines Heimatvereins SG Düren 99 steht.

Als Achtjähriger jagte Georg Stollenwerk, mittleres von drei Kindern (eine ältere Schwester, ein jüngerer Bruder) am Obertor dem runden Leder nach. Das war Familientradition, denn Vater Schorsch Stollenwerk spielte erfolgreich bei den 99ern. Zwangsläufig spielte da Fußball in der Familie eine dominierende Rolle. Die Familie war es auch, die das Berufsleben von Georg Stollenwerk wesentlich prägte. „Ich musste meinen Eltern helfen, als die 1952 am Markt ihre Gaststätte eröffneten”, erzählt Georg Stollenwerk. Er verließ das Naturwissenschaftliche Gymnasium und begann bei der Firma Eisenwaren Schwedhelm in der heutigen Rütger-von-Scheven-Straße eine kaufmännische Ausbildung. Und die sollte sich später noch auszahlen.

Sportlich konnte es besser nicht laufen. „Unbedingt wollte ich zur Olympiade 1952 nach Helsinki”, berichtet der Jubilar. Er erreichte das Ziel und kehrte mit dem vierten Platz zurück. Viel bedeutender aber waren die Erfahrungen, die er aus Helsinki mitbrachte. „Es war wunderbar, im Olympischen Dorf zu wohnen und so viele große Sportler kennen gelernt zu haben”, umschreibt Georg Stollenwerk seine Eindrücke. Geblieben sind ihm viele schöne Erinnerungen und Freunde. Fotos, Zeitungsausschnitte oder sonstige Andenken, leider nicht. Sie gingen in Flammen auf, als 1963 ein Feuer sein Haus in Nideggen-Rath zerstörte.

Die sportliche Zukunft stellte sich für Georg Stollenwerk nach der Olympiateilnahme rosig dar. Mit Karl-Heinz Schnellinger bildete er schon bei den 99ern (später auch in Köln und bei der WM 58 in Schweden) ein eisenhartes Verteidigerpaar. Die großen Vereine wurden aufmerksam. Die Späher des 1. FC Köln versuchten es mit Pralinen für die Mutter, Jakl Streitle wollte ihn nach München holen, und Sepp Herberger, damals mit Helmut Schön und Georg Gawliczek das „Triumvirat” des DFB, hätte ihn gern bei den Roten Teufeln auf dem Betzenberg in Kaiserslautern gesehen. „Ich bin Rheinländer; und im Rheinland wollte ich bleiben.” Da war der 1.FC Köln erste Wahl. Eine Entscheidung, die das FC-Ehrenmitglied bis heute nicht bereut. Der damals allgewaltige FC-Boss Franz Kremer hatte den 99ern beim Wechsel jährlich ein Benefizspiel auf der Westkampfbahn zugesagt. „Leider hat unser damaliger Vorsitzender Dr. Fritz von Ameln dieses Angebot ausgeschlagen”, bedauert Stollenwerk.

Am Ende der Fußballkarriere (siehe Infobox) war es keineswegs das Ziel, eine Trainerkarriere zu starten. Der Diplom-Fußalllehrer, den der damalige Chef der Sporthochschule Köln, Prof. Carl Diem, zum Sportlehrer ausbilden wollte, konnte nicht Nein sagen, als gute Freunde anklopften. Er schlug Leo Führen nicht aus, für sieben Monate Alemannia Aachen zu trainieren, und sagte erfreut Ja, als Franz Schain ihm das Training des damals aufstrebenden TuS Langerwehe übertragen wollte. Und beim FC trug sogar eine Mannschaft seinen Namen: Die Stollenwerk-Elf.

Aber Fußball war und ist nicht alles im Leben des bald 80-Jährigen. In der Firma des großen FC-Fans Heinz Bauchmüller in Krauthausen konnte Georg Stollenwerk seine kaufmännischen Kenntnisse verwerten und ist bis heute noch Inhaber der Firma. Dem Fußball („das mit dem täglichen Training heute wäre nicht mein Ding”) schaut er aus der Distanz zu, ist aber am Werdegang der Dürener Talente wie Moritz und Salger sehr interessiert. Mit Wehmut bedauert er allerdings: „Der Dürener Fußball hat sehr viel Potenzial. Aber leider fehlt es hier heute an Perspektiven.”
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