Der Kirchenbauer: Was in Johannes Müllers Werkstatt entsteht

Von: Nadine Tocay
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Johannes Müller arbeitet bereits seit Dezember an dem maßstabsgetreuen Nachbau der Kirche St. Jakobus aus Jakobwüllesheim. Foto: Nadine Tocay

Golzheim. „Die Kirche ist wegen ihrer zwei Türme etwas Besonderes, sowas gibt es ja sonst hier nicht“, sagt Johannes Müller aus Golzheim und blickt auf seinen Modellbau. Seitdem der 76-Jährige vor rund 20 Jahren in den Ruhestand ging, baut er in der Werkstatt auf seinem Bauernhof aus Holz Gebäude aus Merzenich und Umgebung nach – allesamt Unikate.

Seit Dezember sitzt er an einem besonderen Projekt: dem Bau der St.-Jakobus-Kirche in Jakobwüllesheim. „Im Winter arbeite ich mehr daran, im Sommer weniger, aber dennoch jede Woche“, erzählt er. Fertigstellen will er das Objekt zum 125-jährigen Bestehen der Kirche, das am Ende des Herbstes gefeiert werden soll. Dann wird er den maßstabsgetreuen Nachbau den Einwohnern von Jakobwüllesheim präsentieren. 115 Zentimeter lang und 125 Zentimeter hoch ist das Modell. „Zig Mal war ich bei der Kirche und habe über 70 Fotos gemacht“, schildert er.

Mit dem Zollstock misst er unter anderem die Höhen der Fenster und Sockel nach. Zu Hause wird dann alles genau aufgelistet und mit dem Taschenrechner die richtigen Maße errechnet. Im Anschluss wird das Holz zurecht gesägt – meist spät abends, wie er erzählt. „Einmal war ich sogar bis halb zwei nachts noch drüben“, sagt er lächelnd und blickt gen Werkstatt.

Nach dem Schleifen werden die Einzelteile mit Leim aneinander befestigt. Bei seiner Arbeit schwört der Ur-Golzheimer, wie er sich selbst nennt, auf Eichenbretter von alten Bauernmöbeln. Das sei das beste Holz: „Denn das verzieht sich nicht mehr“, meint er. Die Fenster werden von innen mit buntem Papier beklebt, um das Aussehen der Kirche möglichst realistisch erscheinen zu lassen. Sobald der Bau fertiggestellt ist, kommt noch Elektrik in das Gebäude, damit es leuchtet.

Doch bis dahin ist der Weg noch weit: Zwei von drei Türen sind erst fertiggestellt, eine „knifflige Arbeit“ sei das gewesen. Einige Dachziegel, die Müller selbst schlägt, müssen noch verlegt werden, und die Uhrziffern und -zeiger aus Gold müssen noch in den Kirchturm sowie einige Balken in die Fenster eingesetzt werden.

Die Liebe zum Modellbau habe er von seinem Opa und Uropa geerbt. Sie hätten ganz toll geschnitzt, berichtet er und deutet auf einen Bilderrahmen, der mit detailreichen Verzierungen aus Holz versehen ist. Das sei aber nichts für ihn. In seinem Haus hat Müller einen Raum, in dem er alle Gebäude, die er nicht verschenkt hat, lagert. 34 Stück hat er bisher fertiggestellt, darunter Fachwerkhäuser, Kirchen und Krippen. Ein Teil liegt ihm bei seinem neusten Projekt besonders am Herzen: der Jakobus. Sobald das Eingangsportal komplett ist, soll die Statue auf einem Sockel oberhalb der Türe Platz finden.

Bei der Suche nach der Figur hilft ihm seine Nichte: Sie bestellt den Jakobus aus dem Internet. „Damit bin ich nicht so fit“, gesteht er. Aber ohne die Figur sei die Kirche schließlich nur halb so viel Wert, sagt er und schmunzelt.

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