Der Held hoher Ideale als wilder Kerl und Draufgänger

Von: han
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Unterhaltsam setzte sich Gertrud Gilbert mit dem Liebesleben Schillers auseinander. Foto: Schmitz

Düren. Ein Monolog, der amüsierte. Interessant und unterhaltsam war das emotionale Schauspiel, das die Schauspielerin Gertrud Gilbert mit ihrem Programm „Was für ein Theater mit Schiller” im Foyer des Theaters Düren auf Einladung der Erna-Schiefenbusch-Gesellschaft ablieferte.

Mit Humor und Ironie sezierte sie den großen Dichter in der Rolle der Caroline von Wolzogen - die erste Frau, die eine Schillerbiographie schrieb.

Dabei stand nicht so sehr das Werk des Dichters und Dramatikers im Vordergrund, sondern der „Mann”. Und das Publikum nahm die Erkenntnis mit, dass Schiller nicht so ganz ohne war. Ebenso wie Goethe war Friedrich von Schiller dem weiblichen Geschlecht gegenüber nicht abhold. Die Biographin stand auf der kleinen Bühne vor der Frage, ob sie nun den recht exzentrischen und unzuverlässigen Schürzenjäger wahrheitsgetreu der Nachwelt überliefern soll oder den Sitte und Moral predigenden „Helden hoher Ideale”.

In dem Vortrag der Frankfurter Schauspielerin wurde Caroline hin- und hergerissen zwischen Liebe und Wut, Begeisterung und Pflichterfüllung. Sollte sie Schillers „Männerjahre” ausplaudern, ihn „als wilden Kerl und Draufgänger” schildern, als „durchtriebenen Lüstling” anprangern, der es verstand in seinen Werken „Gewöhnliches ins Edle” hochzuheben und so verklausuliert seinen Liebschaften huldigte. Einen gravierenden Unterschied zu dem Frauenliebling Goethe stellte sie fest: Wenn Schiller entflammte, und das in jeder Stadt oder jedem Ort, wo er sich aufhielt, war er schnell mit einem Heiratsantrag zur Hand. „Stilübungen eines Dichters?”, fragte sie sich, um dann erbost festzustellen: „Vor jedem hübschen Weibe macht Ihr einen Kniefall.” Schillers Leben, ein „Kaleidoskop der Liebe”, ein „Stürmer und Dränger”, ebenso wie Goethe der „Freigeisterei der Leidenschaft” verfallen, eine „lendenübergreifende männliche Eigenart”, nahm sie den „hochschwebenden Idealisten” auseinander.

Aus Caroline von Wolzogen spricht aber auch die Frau, die Schiller liebend gerne geheiratet hätte und, so war zu hören, er sie. Da sie aber gerade verheiratet war, empfahl sie Schiller ihre eigene Schwester. Schiller, so vernahm man erstaunt, empört oder schmunzelnd, je nach Geschlechtszugehörigkeit, hätte lieber eine „Ehe zu dritt” geführt. Die Ehe war für den „Dramenheld” eine Zweckgemeinschaft, der lieber ein Bohemeleben pflegte. „Ein Minnesänger, der seine Laute stets neu stimmt”. Der Monolog von Gertrud Gilbert machte Lust und Laune, und so mancher wird Schillers Worte „Drum prüfe, wer sich ewig bindet” danach in einem anderen Licht gesehen haben.
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