Kreis Düren - Der hartnäckige Brillenträger: Peter Münstermann

Der hartnäckige Brillenträger: Peter Münstermann

Von: Ingo Latotzki
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Peter Münstermann, SPD-Landtagsabgeordneter, will Landrat werden. Foto: Ingo Latotzki

Kreis Düren. Peter Münstermann trägt eine Brille. Wenn er ihr einen Namen geben würde, lautete der vielleicht: Arbeitnehmer-Brille. Münstermann, 59, will immer die arbeitende Klasse im Blick haben, das sei immer so gewesen und das werde immer so sein. Basta. Das hätte an der Stelle womöglich der ehemalige SPD-Kanzler Schröder gesagt. Punkt!

Das drückt unausgesprochen Münstermann aus, er sagt: „Mit 59 ändere ich meine Grundüberzeugungen nicht mehr.“

Münstermann will Landrat werden, obwohl er im Landtag sitzt. Das sei kein Widerspruch, sagt er, „weil ich mich als Landrat noch besser um die Belange der Menschen im Kreis Düren kümmern kann“. Das sei sein Anliegen, wenn man so will, der Blick durch die menschliche Brille, und weil er nicht mit allen knapp 270.000 Bürgern des Kreises direkt sprechen kann“, hat er sich Anfang des Jahres auf eine Tour durch den Kreis begeben: „179 Städte & Dörfer“ nennt er seine Tournee, die zu drei Vierteln absolviert ist.

Mit diesen Dingen ist im Grunde die Hauptsache über die Ziele Münstermanns erzählt. Die menschliche Dimension sei gleichbedeutend mit seinem Begriff vom Politiker, sagt er. So sieht er sich, so will er rüberkommen.

Münstermann ist erst mit 50 in die SPD eingetreten, fünfeinhalb Jahre später sitzt er im Landtag. Die Agenda 2010 des Basta-Kanzlers Schröder hat ihn in die Partei getrieben. Viele andere sind ausgetreten, weil sie das Soziale nicht mehr genügend berücksichtigt fanden, Münstermann ist eingetreten – um dafür zu sorgen, „dass das Soziale wieder ausreichend berücksichtigt wird“.

So hat er es auch in seinem beruflichen Leben davor gehalten. Münstermann war 27 Jahre Betriebsrat bei einer Tochter des Energiekonzerns RWE, zwölf Jahre Betriebsratsvorsitzender. Da trug er die Arbeitnehmer-Brille also schon beruflich. Und das durchaus hartnäckig, wie er über sich sagt. „Wenn ich eine Absage bekomme, ist noch lange nicht Schluss.“ Dann suche er neue Argumente, kämpfe weiter. Er lasse sich nicht verbiegen, auch wenn er „natürlich“ Kompromisse eingeht. Sonst geht es auch nicht. Was er meint: Anders als junge Politiker, die ein Leben lang noch von und mit der Politik leben wollen, könne er eine klare Linie verfolgen.

80-Stunden-Woche

Zwei Mal hat er im Landtag bisher eine persönliche Erklärung abgegeben, weil er zwar mit der Fraktion gestimmt hat, eigentlich aber anderer Meinung war. In einem Fall war das beim Nichtraucher-Schutzgesetz. Wie viele befürchtete er das große Kneipen-Sterben und damit den Verlust von Arbeitsplätzen. Letztlich hat er aber dennoch mit seiner Partei gestimmt, um keine Mehrheiten zu gefährden. Das ist gängiges parlamentarisches Geschäft. Normal.

Münstermann zieht seine Brille im Grunde nur aus, wenn er schläft. Feierabend gibt es im landläufigen Sinne nicht. Nicht für einen wie ihn. „Wenn Menschen zu helfen ist, kommt es nicht auf die Uhrzeit an.“

80 Stunden arbeitet er in der Woche, nicht selten ist er selbst im Urlaub tätig. Sein Handy ist auch auf seinem Segelboot auf dem Gardasee immer angeschaltet. Das sei für ihn keine Frage. Verantwortlichkeit ende nicht an Freizeitgrenzen. „Wenn die Dinge wichtig sind, müssen sie auch sofort erledigt werden.“ Seine Familie kenne das nicht anders. Seine Frau weiß um seine Termine, allein schon, weil sie sie jederzeit über digitale Medien einsehen könne, sagt Gatte Münstermann. Klar, manchmal stünde da auch ein gemeinsamer Kinobesuch. „Aber das muss dann schon passen“, sagt er.

„Ganz gut bezahlt“

Er sagt auch: „Ich ordne alles dem Beruf unter.“ Die Menschen hätten ihm bei der Landtagswahl ihr Vertrauen geschenkt, jetzt will er es erfüllen, und außerdem werde er „auch ganz gut bezahlt“. Um die 10 000 Euro Gehalt bringt das Mandat in Düsseldorf monatlich. Weil er sich aber „immer weiterentwickeln will“, möchte er Chef der Kreisverwaltung mit 1400 Beschäftigten werden, auch wenn er dann etwas weniger verdienen würde. Schon bei RWE habe er „große Bauprojekte geleitet“, sagt der gelernte Technische Zeichner und Industriemeister. Deshalb sei es für ihn „kein Problem“, das Amt des Landrats auszufüllen.

Fit genug sei er, sagt er. Ausdauer könne man sich schließlich auch bei Umzügen auf Schützenfesten holen. Das macht er, er nimmt diese Termine „gerne“ wahr, und wo immer es geht, verzichtet er auf Aufzüge, nimmt die Treppen. Beim Peter- und Paul-Lauf in Düren Ende Juni sei er „aus dem Stand 4,2 Kilometer gelaufen“, erzählt er. „Ich habe Disziplin“, sagt Münstermann. Vor Jahren hat er sich das Rauchen abgewöhnt.

Kommunen im Blick

Sollte er sich am 13. September gegen den amtierenden Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) durchsetzen, werde er die Kommunen, ihre Belange und vor allem ihre Finanzen im Blick haben. Nicht der Kreis stünde im Vordergrund, sondern seine 15 Städte und Gemeinden.

Er würde dann also eine weitere Brille brauchen: die mit dem Blick auf die Kommunen. Und manchmal braucht er sie auch nur für ganz profane Dinge, zum Beispiel, wenn er liest. Gerne Eifel-Krimis, Marke Berndorf. „Dabei kann ich abschalten“, sagt Münstermann.

Das muss ja auch mal sein.

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