„Der Gemeinde Hürtgenwald fehlt ein Zukunftskonzept“

Von: Stephan Johnen
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André Oleff, Wolfgang Becker und Klaus Hürtgen (von links) bilden den Vorstand der neuen Interessengemeinschaft. Foto: Stephan Johnen

Kleinhau. Mindestens 15 Gewerbetreibende, Selbstständige und Freiberufler beschäftigt derzeit eine Frage: „Was tut die Gemeinde eigentlich für Gewerbe und Handel – außer die Steuern zu erhöhen?“, bringt André Oleff eine grundlegende Kritik zugespitzt auf den Punkt.

Er ist Vorsitzender der neuen Interessengemeinschaft Gewerbe und Handel Hürtgenwald (IG), deren Mitgliederzahl nach der Gründung zum Jahreswechsel in den vergangenen Wochen von 6 auf 15 gestiegen ist. Zu den Mitgliedern zählen Makler, Händler, Gewerbetreibende und Rechtsanwälte. Sie alle eint, dass sie mit Sorge auf die aktuellen Entwicklungen in der Gemeinde Hürtgenwald blicken. Oder anders formuliert, mit den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden Klaus Hürtgen: „Der Gemeinde Hürtgenwald fehlt ein Zukunftskonzept.“

Aus Sicht der IG-Mitglieder werde auch vom Gemeinderat zu wenig darauf geachtet, Gewerbe und Handel noch Entwicklungsmöglichkeiten im Gemeindegebiet einzuräumen. Es mangele an geeigneten Gewerbeflächen, zugleich schränke die Bauordnung potenzielle Investoren zu stark ein. „Anderthalbgeschossige Bauweise in einem Gewerbegebiet verbrennt Kapital, schafft aber keinen Platz für neue Büros und Arbeitsplätze“, sagt André Oleff.

Auch die Verkehrspolitik sei suboptimal, oder gar nicht vorhanden. Die IG, die sich als politisch unabhängig betrachtet, fordert beispielsweise eine „Kriechspur“ von Gey Richtung Kleinhau und statt eines Rückbaus der Straßen über Gürzenich und Derichsweiler eine schnellere Anbindung an die A4. „In unserem Rat sind solche Forderungen kein Thema“, sagt Wolfgang Becker, der Geschäftsführer der IG. Auch gebe es keine Antworten der Politik auf die Frage, wie mehr Gewerbetreibende und Selbstständige „gelockt“ werden können.

Angesichts der aktuellen Debatte um die Steuererhöhungen schlagen die IG-Mitglieder Alarm. Sie kritisieren „teure und fragwürdige“ Projekte wie die Biogasanlage oder den Bau eines Kunstrasenplatzes. In der Vergangenheit sei zudem nicht an ernsthaften Sparkonzepten gearbeitet worden. „Ich habe oft den Eindruck, dass Rat und Verwaltung kaufmännischer Sachverstand fehlt“, bilanziert Oleff.

Anstatt die Grundsteuer „dramatisch zu erhöhen und damit die Kaufkraft der Menschen zu ersticken“ sollte sich die Politik lieber ein Konzept erarbeiten, um die Gemeinde attraktiv zu halten und neue Steuerzahler für ein Leben und Arbeiten in der Höhengemeinde zu gewinnen.

Unverständnis herrscht auch über die Art und Weise, mit der die Steuererhöhung angegangen worden ist. „Es gab keine Bürgerinformation vorab. Nichts. Das wird so durchgedrückt“, ärgert sich Oleff. Vorbildlich findet er hingegen den Haushaltsworkshop des Merzenicher Bürgermeisters, zu dem alle Bürger eingeladen sind.

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