Düren - Der Demografiebeauftragte: Dürens neuer Lobbyist soll Druck machen

Der Demografiebeauftragte: Dürens neuer Lobbyist soll Druck machen

Von: cro
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Neue Stabsstelle bei der Stadt: Berthold Becker ist nun Demografiebeauftragter. Foto: Rose

Düren. Die Stadt Düren hat einen neuen Lobbyisten, er ist direkt dem Bürgermeister unterstellt. Und weil es die Arbeit eines Lobbyisten ist, ein bestimmtes Thema auf die Agenda zu setzen und Druck auf andere Akteure auszuüben, ist das „kein bequemer Posten, den er ausüben wird“. Das Zitat stammt von Bürgermeister Paul Larue (CDU), gemeint ist Berthold Becker. Dessen Lobbybereich ist die Demografie.

„Er wird dieses Thema keinen Tag aus den Augen lassen, und deswegen glaube ich, dass einige Prozesse demnächst beschleunigt werden.“ Auch das sagt Larue – ein konkreter Satz, für jeden Bürger verständlich, greifbarer als der wissenschaftliche Oberbegriff Demografie beziehungsweise der demografische Wandel an sich.

Berthold Becker, 59, ist der erste Demografiebeauftragte der Geschichte der Stadt Düren. Und er soll nun also auf Dürens Verwaltung und die Politik Druck ausüben. Aber: warum? Vorweg die Geschichte des demografischen Wandels in Kurzfassung: Dieser besagt, dass sich die Gesellschaft in jeder strukturellen Hinsicht (beispielsweise Einwohnerzahl, Alter, ethnische Zusammensetzung) verändern wird.

Für Düren bedeutet das laut Bertelsmann-Stiftung zum Beispiel, dass 2030 die 60- bis 75-Jährigen mit 21 Prozent die stärkste Altersgruppe bilden werden. Die Gruppe der 40- bis 50-Jährigen wird laut Prognose mit minus 18 Prozent den größten Rückgang erleiden. Beide Aspekte werden Einfluss unter anderem auf die Nahversorgung haben.

Hier kommen Berthold Becker, der seit 32 Jahren in Dürens Verwaltung tätig ist und lange die Arbeit des Jugendamtes geprägt hat, und der angesprochene Druck ins Spiel. Aufkommende Probleme im Wandel der Demografie könne er nicht und soll er auch nicht lösen, führt Bürgermeister Larue aus, aber: „Er soll auf diese Probleme frühzeitig aufmerksam machen und sie dann schnell auf die politische Agenda in den Ausschüssen setzen. Druck hilft immer.“

Auf den ersten Blick erscheint es doch logisch, dass eine Verwaltung die Entwicklung ihrer Kommune im Blick haben soll. Nur weil es Beckers Position (die politisch von allen Seiten begrüßt worden ist) jetzt neu gibt, heißt das nicht, dass der Demografie-Aspekt bisher vernachlässigt worden ist – nur jetzt kümmert sich eine Person hauptverantwortlich darum und nicht jeder Amtsleiter zusätzlich. Klingt zunächst nach einem Verwaltungsposten, soll aber die Schnittstelle zwischen „Verwaltung, Politik und Gesellschaft“ werden.

Becker selbst sagt, dass er in den ersten beiden Monaten, die er den Posten nun offiziell bekleidet, erst einmal viele Statistiken lese, Daten für alle zugänglich zusammentrage und Kontakte pflege. Er muss schließlich alle wichtigen Leute an einen Tisch bringen. Becker sagt aber auch, dass „man nicht schnell Antworten erwarten soll“ – er muss und will zunächst sowohl in der Verwaltung als auch in der Gesellschaft die nötige Akzeptanz und auch das Bewusstsein für das sperrig anmutende Thema erreichen.

Geburtenzahlen steigen

Deswegen betont Becker, dass der oft negativ belastete Begriff des Wandels nicht ausschließlich bedeute, dass die Dürener Gesellschaft älter werde, nein: „Wir wissen ja auch, dass die Geburtenzahl steigt, bisweilen um zehn Prozent, und wir können für die nächsten zehn Jahre mit einem anhaltend hohen Wert rechnen.“ Pessimistisch seien beide, Becker und Larue, nicht, dass der neue Posten bei der Stadt mit seinen hehren Zielen an den Bürgern vorbeizielen würde. Sie betonen oft, dass die Stadt genügend Möglichkeiten etabliert habe, die Bürger in Entscheidungsfindungen einzubinden. Stichworte: Bürgerforen, Onlineumfragen. „Wir müssen den Bürgern aber noch mehr bewusstmachen, dass sie in der Lage sind, etwas in der Stadt zu ändern“, erklärt Becker. Im Frühjahr 2018 will die Stadt mit einer Veranstaltung den Grundstein legen; ein Jahr später sollen Demografiebericht und Handlungskonzept vorliegen.

Berthold Becker setzt auf den Bürgerdialog. Zu erreichen ist er unter: Telefon 02421/252830. E-Mail: b.becker@dueren.de.

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