„Der Bettelstudent“: Lügen, Musik und natürlich viel Liebe

Von: Anke Holgersson
Letzte Aktualisierung:
13792253.jpg
„Ach, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst“: Oberst Ollendorf (Ivaylo Guberov, 2.v.l.) wäscht seine Hände in Unschuld und seine Füße im Waschzuber. Foto: Anke Holgersson

Düren. Begeisterung und lauter Applaus: Das gab es im Haus der Stadt. Der Grund dafür war die Operette „Der Bettelstudent“. „Ach, ich hab‘ sie ja nur auf die Schulter geküsst“ dürfte wohl die bekannteste Melodie des österreichischen Operettenkomponisten Karl Millöcker (1842-1899) sein, die Uraufführung fand im Jahr 1882 in Wien statt.

Worum geht es? Für den besungenen Schulterkuss im ersten Akt von insgesamt drei erhält Oberst Ollendorf, militärischer Arm der sächsischen Besetzer Krakaus im Jahr 1704, von der schönen Laura eine Ohrfeige. Diese ist wiederum der Auslöser für seinen Rachewunsch und damit der Schlüssel zum Plot der Operette.

Rachedurstiger Oberst

Für die Ohrfeige sollen Laura und ihre Mutter, Gräfin Nowalska, schließlich vor der gesamten Gesellschaft bloßgestellt werden. Aus patriotischen – und monetären – Gründen ist die Gräfin der Meinung, dass nur ein polnischer Fürst ihre Tochter heiraten darf. Der rachedurstige Ollendorf weiß das und präsentiert ihr den Gefangenen Symon, einen armen (Bettel-)Studenten, als Mitglied des polnischen Hochadels.

Laura und Symon verlieben sich schließlich ineinander aber natürlich müssen sie bis zum Happy End im dritten Akt noch so einiges über sich ergehen lassen: Symon sagt Laura die Wahrheit, landet daraufhin beinahe im Gefängnis und wird schließlich – dank einer glücklichen Fügung –nach einer Revolte und der Entwaffnung des militärischen Besetzers Ollendorf, vom neuen König in den Adelsstand erhoben. Ende gut, alles gut!

Das Genre der Operette wurde in der Vergangenheit schon oft totgesagt. Doch sie lebt weiter und Totgesagte leben bekanntlich länger. Die Besucher im fast ausverkauften Saal hatten großen Spaß an der verschwenderischen Ausstattung von Bühne und Darstellern, den kleinen komödiantischen Einlagen und den unverfälschten Musik-Klassikern der Operettengeschichte, die das Operettentheater Salzburg auf die Bühne brachte.

Besonders hervorzuheben ist dabei die stimmliche und auch schauspielerische Leistung von Ivaylo Guberov, der den Oberst Ollendorf nicht nur liebenswert, sondern auch lustig spielte.

Zu Gast im Haus der Stadt waren überwiegend ältere Menschen, von denen einige den Glanz der Operette in den 50er und 60er Jahren wahrscheinlich noch gut vor Augen hatten und die sich gerne an die Stars des Genres und Fernseh-Inszenierungen vieler Operetten, die es damals noch als Straßenfeger in deutschen Wohnzimmern zu sehen gab, erinnerten.

Phantome und Katzen

Inzwischen hat allerdings längst das Musical den Platz der Operette eingenommen. Fans dieser Musikgattung lassen sich heute genauso gerne von Phantomen, Katzen und Co. verzaubern wie Operettenfans von ihrer Musik, die von ihrer Entstehung im 17. Jahrhundert über ihre frivole und durchaus auch aufständische Phase im 19. Jahrhundert bis zum Wohnzimmerereignis in den Nachkriegsjahrzehnten eine besonders bewegte Geschichte aufzuweisen hat.

Nostalgisches Schwelgen war in diesem Falle ausdrücklich erlaubt. Bravorufe gab es zum Schluss obendrauf.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert