Der berühmte Name ist Türöffner, aber auch Last

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
adenauerbu
70-Stunden-Wochen sind Vergangenheit: Andreas Adenauer tritt beruflich inzwischen ein wenig kürzer. Er führt die Beratungs- und Vertriebsagentur „Adenauer & Foto: Elberfeld

Nideggen. Seit 1994 lebt Andreas Adenauer, einer der vielen Enkel Konrad Adenauers, nun schon in Nideggen. Er möchte da auch wohnen bleiben. Die Landschaft hat es ihm und seiner Familie angetan. Zudem sind die Eifeler für ihn wie die Amerikaner.

„Beide machen und tun, helfen, wenn Not am Mann ist, ohne vorher zu diskutieren”, begründet der Nachfahre des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland den Vergleich. Andreas Adenauer kennt die Eifel, seine Eltern Georg und Ulla Britta Adenauer leben immer noch in Schleiden, wo sein Vater ein Notariat führte. „Mein Vater hat sich den Traum erfüllt, den mein berühmter Großvater immer geträumt hat: ein Landnotariat”, erzählt Andreas Adenauer.

Die ersten fünf Lebensjahre hatte Andreas in Rhöndorf in einem Haus direkt unterhalb des Kanzlerdomizils gewohnt. Seine Schulzeit verbrachte er zeitweise am Gymnasium in Steinfeld, sein Abitur baute er am Clara-Fey-Gymnasium in Schleiden. Ein bequemer Schüler sei er, gibt der Spross einer berühmten Familie bereitwillig Auskunft, nie gewesen. Damals wie heute habe er Traditionen respektiert, jedoch nicht ohne zu hinterfragen, ob sie noch sinnvoll sind. Das habe oft zu Konflikten geführt. Schon während der Pubertät spürte Andreas Adenauer eine „Affinität zu Klamotten und zum Handel”.

Seinen ersten kleinen Klamottenladen eröffnete er in Schleiden. Ein weiterer folgte in Krekel, ein Jeansladen, den er von einem Kaufmann übernahm, der ihn praktisch zum Handel mit Mode im größeren Stil animierte. Sein drittes Geschäft öffnete in Euskirchen seine Pforten. Auf Anraten der Familie begann Andreas Adenauer ein BWL-Studium, um für seine geschäftlichen Aktivitäten eine theoretische Grundlage zu schaffen. Doch drei Läden und das Studium gingen nicht zusammen.

Adenauer entschied sich für die Läden, wurde selbstständiger Handelsvertreter in Sachen Mode, war für seine Firma in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unterwegs. Er entwickelte neue Konzepte, produzierte und verkaufte Kleidung. Zwei Jahre lang arbeitete er als Geschäftsführer in New York. Fünf Jahre Den Haag folgten. Seine Tätigkeit machte ihn zum Weltbürger mit Wohnsitz Hotel.

Jetzt, mit Mitte Vierzig, arbeitet Andreas Adenauer keine 70 Stunden mehr. Er besitzt eine eigene Beratungs- und Vertriebsagentur „Adenauer & Co” mit Sitz in Düsseldorf. „Ich möchte nur noch Aufgaben übernehmen, die mir Freude machen”, lautet seine aktuelle Philosophie. Eine Woche von 40 Stunden lässt ihn seine Kreativität ausleben. Die etwa vier Stunden zu seinem Haus auf Mallorca gehören schon zum Urlaub.

Seinen Großvater Konrad Adenauer sieht der Wahl-Nideggener als „Visionär mit Bodenhaftung” und „ein Energiebündel mit Tatkraft”. Deshalb hat er sich den Wahlspruch seines Opas ganz oben auf die Fahne geschrieben: „Wenn alle glauben, dass du am Ende bist, dann musst du erst richtig loslegen!” Vielleicht ein wenig überraschend ist das Bekenntnis des Weltbürgers Adenauer, dass er ein tief religiöser Mensch ist, ein Christ, der die Worte der Bibel ernst nimmt. Er gehört einer Freikirche an, deren tätige Nächstenliebe ihn während seines USA-Aufenthalts in einer Pfingstgemeinde überzeugt habe, sagt er und stellt fest: „Gott ist das zentrale Thema meines Lebens.”

Der Enkel des großen Politikers ist parteilos. Auch mit der CDU kann er sich nicht recht anfreunden, „weil sie nicht christlich genug ist”.

Der berühmte Name hat ihm oft geholfen, Vertrauen bei den Menschen zu entwickeln. Manchmal aber habe er auch geschadet, sagt Adenauer und erinnert an den Kauf des Hotels „Ewige Lampe” in Nideggen. Da hatten die Leute gesagt: „Der Adenauer, der kann sich das leisten, der hat genug Geld von seiner Familie.” Fehlanzeige. Sein Geld habe er selbst verdient. Die Eltern hatten ihm, wie er sagt, eine gute Ausbildung ermöglicht. Kauf und Restaurierung der „Ewigen Lampe” nennt er seine Herzensangelegenheit. Nun, nach zwölf Jahren, hat er sie an einen neuen Gastronomen, Mario Mazza, verpachtet. „Die Lampe hat für mich einen besonderen Charme”, verrät er, „deshalb ist Mario mit seinen italienischen Wurzeln der richtige Mann am richtigen Platz.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert