„Der bergische Jung“ begeistert in der voll besetzten Marienkirche

Von: Marie-Theres Innecken-Prüss
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Willibert Pauels ist zwar mit viel Humor gesegnet, er kann aber auch von schweren Zeiten im Leben erzählen. Foto: Hartmut Prüss

Düren. Wenn ein Witz selbst ihm gewagt erscheint, blickt der Kabarettist und Büttenredner Heribert Pauels verschmitzt, aber zugleich ehrfürchtig zu dem großen Kreuz in der Marienkirche. Seine Gesichtszüge signalisieren dann im nächsten Augenblick, dass er mit dem Herrgott im Reinen ist.

Das Publikum nimmt dem Humoristen dies rundum ab, denn der studierte Diplom-Theologe ist authentisch. Im Erzbistum Köln ist Willibert Pauels hauptberuflich als geweihter Diakon unterwegs, auf unzähligen Bühnen kennt ihn das Publikum als „Ne bergische Jung“. Auf Einladung des Vereins Lebens- und Trauerhilfe sowie der Hospizbewegung Düren-Jülich gastierte der 62-Jährige in der voll besetzten Marienkirche am Hoeschplatz in Düren. Selbst auf der Empore schien es eng zu werden.

Willibert Pauels wurde eingeladen, weil das Publikum trotz der Fastenzeit auch mal herzhaft lachen sollte. Dass Düren und das Umland als „verschärftes Rheinland“ für den Mann mit der roten Pappnase ein guter Schauplatz ist, bewies der immer wieder aufbrausende Beifall. So berichtete „der bergische Jung“ von seinen Erfahrungen als Büttenredner im professionellen Karneval und lieferte köstliche Beispiele über Mentalitätsunterschiede im Spannungsfeld zwischen Rheinländern, Westfalen und Sauerländern. Eine Erkenntnis für ihn ist, egal in welcher Region er auftritt, dass die schönsten Geschichten das Leben schreibt.

Dass das Leben auch weniger schöne Überraschungen bereithält, musste der Familienvater vor ein paar Jahren selbst erfahren, als er an einer schweren Depression erkrankte. Er überzeugte das Publikum, dass es wichtig sei, offen und offensiv mit der Krankheit umzugehen und vor allen Dingen professionelle Hilfe zu suchen und anzunehmen. Bei ihm ging diese Offenheit sogar so weit, dass er ein Buch schrieb, dessen Titel vielsagend ist: „Wenn dir das Lachen vergeht: Wie ich meine Depression überwunden habe.“

In diesem Zusammenhang zitierte er den lieb gemeinten Genesungswunsch eines ihm unbekannten Rheinländers, der schlicht vom „ärme Dier“ schrieb. Nicht nur während seiner Ausführungen zur Krankheit Depression war es mucksmäuschenstill. Auch als der Theologe sich Gedanken zur Bedeutung von Witzen in Politik und Kirche machte, lauschten die Gäste geradezu andächtig.

Natürlich fehlte auch der Hinweis auf das nahe Osterfest nicht: So sei es früher mancherorts für den Pastor üblich gewesen, die Gläubigen in der Osternacht zum Lachen zu bringen. Und er wäre nicht Willibert Pauels, wenn er zum Abschluss nicht noch einen Witz herausgehauen hätte: Nach einem Gelage verirrten sich „Tünnes und Schäl“ auf den Kölner Melaten-Friedhof, wo sie einschliefen. Am nächsten Morgen erwachte Tünnes, sah die Gräber um sich herum und meinte erfreut: „Schäl, et es Auferstehung und wir sinn de Ersten!“

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