Der Behördenball: Eine echte Dürener Kultveranstaltung

Von: Sandra Kinkel
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2500 Menschen feierten gestern ausgelassen in der Arena Kreis Düren beim Behördenball. Foto: kin(3), asw (1)
Behördenball

Düren. „Veranstaltung ausverkauft“ steht auf dem kleinen Schild an dem Wohnwagen auf der Arena. „Keine Chance“, sagt Petra Koch (24) aus Düren. „Ich habe irgendwie den Vorverkaufstermin für den Dürener Behördenball verpasst, und jetzt komme ich nicht rein.“ Die Einzelhandelskauffrau ist sichtlich enttäuscht. Kein Wunder, der Behördenball ist mittlerweile fast schon so etwas wie Kult.

2500 Menschen feierten am Donnerstag in der Arena Kreis Düren an der Nippesstraße ausgelassen – und alle Tickets waren schon vor gut zwei Wochen restlos ausverkauft.

Den Behördenball gibt es in Düren seit mehr als einem Vierteljahrhundert, nur einmal ist die Veranstaltung in ihrer Geschichte ausgefallen – nämlich, als wegen des Golfkriegs überall das karnevalistische Treiben abgesagt worden ist. „Es ist in Düren immer schon Tradition gewesen“, erzählt Helmut Göddertz von der Stadt Düren, einer der Gründungsväter des Behördenballs, „dass bei den Ämtern gerne und viel Karneval gefeiert wurde.“

Das Amtsgericht habe früher an Weiberfastnacht eine große Feier gehabt, Stadtverwaltung, Polizei und Finanzamt auch. „Verwaltungsleute feiern scheinbar gerne Karneval“, sagt Göddertz lachend. „Warum das so ist, kann ich gar nicht genau erklären.“ Irgendwann hätten die Mitarbeiter des Amtsgerichtes nicht mehr die Räumlichkeiten im Gerichtsgebäude für ihre Karnevalsfeier zur Verfügung gehabt. Göddertz: „Und bei uns in der Stadtverwaltung gab es Überlegungen, eine größere Veranstaltung ins Leben gerufen. Da haben wir uns zusammengetan.“

Und der Behördenball war geboren. Anfangs war der Name wirklich Programm, und es haben nur Mitarbeiter von Verwaltungen zusammen gefeiert. Der erste Behördenball hat im Haus der Stadt stattgefunden. „Am Tag danach“, erinnert sich Göddertz, „habe ich einen Anruf vom zuständigen Dezernenten bekommen, der alles andere als begeistert war. Das Haus der Stadt war damals noch ziemlich neu, und sah nach unserem Ball nicht mehr wirklich neu aus. Auch, weil damals viele Gläser und Glasflaschen zu Bruch gegangen sind.“

Der Behördenball wechselte in die Stadthalle und entwickelte sich immer mehr zu einem echten Publikumsmagnet. „In einem Jahr haben wir innerhalb von 30 Minuten alle 800 Eintrittskarten verkauft“, erinnert sich Göddertz. „Die Schlange vor der Stadthalle wurde immer länger. Und die, die keine Karte bekommen haben, immer schlechter gelaunt.“

2003 fand der Behördenball zum letzten Mal in der Stadthalle statt, die wurde danach geschlossen. „Ein Jahr später“, sagt Göddertz schmunzelnd, „hatten wir dann den chaotischsten Behördenball aller Zeiten.“ Und das nicht etwa in der Arena, sondern in einer Gürterhalle der Deutschen Bahn an der Lagerstraße. „Das war eine riesige Halle mit Nichts drin. Dixie-Klos, Generatoren, das komplette Catering – wir mussten einfach alles dorthin schaffen.“

Aber nicht nur logistisch war der Behördenball in der Güterhalle eine riesige Herausforderung. „Zwischendurch ist 30 Minuten am Stück der Strom ausgefallen. Es war tierisch kalt.“ Und trotzdem erinnern sich manche Karnevalisten auch heute noch gerne an die Feier an der Lagerstraße. „Für viele war das der schönste Behördenball“, sagt Göddertz. „Für mich war es mit Abstand der schlimmste.“

Haben Helmut Göddertz und seine Mitstreiter von Stadtverwaltung und Amtsgericht den Behördenball bis 2003 komplett in Eigenregie organisiert, war danach die Karnevalsgesellschaft „Holzpoeze Jonge“ mit im Boot. „Alleine“, sagt Göddertz, „könnten wir die Veranstaltung nicht mehr stemmen. Mittlerweile übernehmen wir von den Stadt nur noch den Kartenvorverkauf.“ Zwar bekommen immer noch zuerst Verwaltungsmitarbeiter Eintrittskarten, längst ist der Behördenball aber eine Karnevalsfete für alle Dürener Jecken geworden.

Am Donnerstag sorgten mehrere DJs und die Bands „Rhing Bloot“ und „Ilex“ für Stimmung in der Arena. „Hier kann man bei jedem Wetter ganz wunderbar feiern“, sagt Sabrina, die mit ihrer Freundin Lavinia aus Oberzier in der Arena gefeiert hat. „Die Leute sind einfach gut drauf. Diese Fete macht wirklich richtig Spaß.“ „Wer Weiberfastnacht in die Arena kommt“, ergänzt Patrick Windelschmidt, „der will hier einfach nur abtanzen. Und das klappt ganz hervorragend.“

Schwierigkeiten mit Dürener Gastronomen haben die Verantwortlichen des Behördenballs in 25 Jahren noch nie gehabt. Göddertz: „Wir sind mit der Veranstaltung gestartet, als es in Düren große Probleme an Weiberfastnacht gab. Damals hatten wir noch kein rigoroses Glasverbot in der Innenstadt, und es gab auch keine Jugendveranstaltung auf dem Kaiserplatz. Viele Kneipen hatten geschlossen. Wir sind uns mit den Wirten nie in die Quere gekommen.“

Und für echte Karnevalisten geht sowieso Beides. „Beim Behördenball ist um 22 Uhr Schluss“, sagt Helena Weber aus Oberzier, die am Donnerstag zum zehnten Mal in der Arena mit von der Partie war. „Ich feiere danach noch in der Kneipe weiter.“

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