„Der angekündigte Knall ist ausgeblieben“

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
13844073.jpg
Der Eine kommt, der Andere geht: Seit gestern ist Donald Trump (links) offiziell Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und hat seinen Vorgänger Barack Obama abgelöst. Foto: imago/stock&people
13844016.jpg
Hannah Berkemeier (links) und Natalia Peters haben ein Auslandsschuljahr in den USA verbracht. Foto: Sandra Kinkel

Kreis Düren. Bei ihrem Auslandsschuljahr in Spokane, einer 200.000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Seattle in den USA, hat Hanna Berkemeier (16) aus Hürtgenwald viel über Politik diskutiert. Sehr viel sogar. „Die Präsidentschaftswahlen“, sagt die Oberstufenschülerin des Dürener Wirteltor-Gymnasiums, „waren überall präsent. Meine Gasteltern haben Donald Trump gewählt, und wir haben sehr viel darüber gesprochen. Weil ich natürlich anderer Meinung war.“

Seit Freitag ist der Republikaner Donald Trump (70) 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und damit Nachfolger des Demokraten Barack Obama (55). Grund genug für die „DN“, Dürener nach ihrer Meinung zu Präsident Trump zu fragen. Dürener, die wie Hannah Berkemeier eine Beziehung zu den USA haben, solche, die mittlerweile in Amerika leben oder dorthin Geschäftsbeziehungen pflegen.

Genau wie Hannah Berkemeier hat auch Natalia Peters (17) zehn Monate in den Vereinigten Staaten gelebt, genauer gesagt in Stockbridge, einem 400-Seelen-Dörfchen in Michigan. „Zu Beginn meiner Zeit in Amerika“, erzählt Natalia Peters, „waren die Parteien gerade dabei, ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen zu küren. Da haben die meisten noch gedacht, es sei ein schlechter Witz, dass Trump Präsident werden wolle.“

Irgendwann sei Trump dann tatsächlich Kandidat gewesen. „Wir haben uns in meiner Gastfamilie die Fernsehdebatten angeschaut. Ich hatte immer den Eindruck, dass Trump die Leute persönlich angreift, aber wenig Fachwissen hat.“ Es habe sie schockiert zu sehen, ergänzt Natalia, wie viele Menschen in Amerika in großer Armut leben. „Ich habe viele Leute getroffen, die sehr hart arbeiten, aber trotzdem kaum über die Runden kommen. Vielleicht haben die Trump gewählt, um ein besseres Leben zu bekommen.“

Hannah Berkemeier hat die Erfahrung gemacht, dass viele Amerikaner den Wechsel gewollt hätten. „Und einen Präsidenten, der mit Politik nicht viel am Hut hat.“ Anders als an ihrer Dürener Schule, wo (Bundes-)Politik keine große Rolle spielt, sei die Präsidentschaftswahl an ihren amerikanischen Schulen durchaus kontrovers diskutiert worden. Hannah Berkemeier: „Die Schüler sind mit Stickern zur Schule gekommen, um zu zeigen, welchen Kandidaten sie unterstützen.“

Nie vergessen, ergänzt die 16-Jährige, werde sie eine mexikanische Mitschülerin. „Die hatte sich für den Abschlussball ein Schild mit der Aufschrift ‚Ich werde bald abgeschoben. Gehst du mit mir zum Ball?‘ gebastelt. Das fand ich sehr schlimm.“

Sven Steiger, der in New York bei einem großen Unternehmen für Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung sowie Unternehmens- beziehungsweise Managementberatung arbeitet, sagt, dass sich bei den meisten Amerikanern der Alltag wieder eingeschlichen habe. Steiger: „Dadurch, dass die Märkte steigen und die meisten Unternehmen positive Ausblicke geben, ist der angekündigte große Knall bisher ja ausgeblieben. Zur Amtseinführung hat es allerdings landesweit Protestmärsche gegeben.“

Es sei spürbar gewesen, ergänzt Steiger, dass die meisten Amerikaner vom Ausgang überrascht gewesen seien. „Allerdings hat sich der prophezeite Börsenkrach nicht bewahrheitet. Die Märkte haben zeitweise sogar Bestmarken aufgestellt.“ Was sich nach der Amtseinführung von Donald Trump in den USA und bezüglich der deutsch-amerikanischen Beziehungen ändern wird, kann Steiger schwer beurteilen. „Ich denke, die zwei wichtigsten und am kontroversesten diskutierten Themen sind wohl der ‚Affordable Care Act‘, also die Krankenversicherung, und die Nominierung der Richterkandidaten des Obersten Gerichtshofs. Beides sind Themen, die die politische und wirtschaftliche Landschaft auch nach einer Präsidentschaft stark prägen können.“

Was die außenpolitischen Beziehungen angeht, glaubt Steiger nicht, dass sich viel ändern wird. „Trump hat zwar gedroht, die Handelsabkommen zu kündigen oder neu zu verhandeln. Das könnte für Deutschland als wichtigster Handelspartner Konsequenzen haben. Ob diese Ankündigungen jedoch im vollen Maße umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.“

Ähnlich sieht das auch Dr. Stephan Kufferath, Unternehmer aus Düren und Vorsitzender der Vereinigten Industrieverbände für Düren, Jülich und Euskirchen (VIV). „Ich finde, dass Donald Trump erst einmal seine Arbeit beginnen sollte.“ Der neue Präsident habe sich zwar in seinem Stab mit Leuten umgeben, über die man trefflich diskutieren könne. „Es sind aber ohne Zweifel alles Fachleute“, betont Kufferath.

Die Stimmung seiner Geschäftspartner sei weitestgehend unverändert. „Ich treffe immer noch Leute, von denen ich es nie erwartet hätte, die sagen, dass sie Trump gewählt haben. Die Wahl für Trump war bei ganz vielen eine deutliche Wahl gegen Hillary Clinton.“

„By-America-Kampagne“

Trumps Ankündigung, Zölle für ausländische Firmen zu erheben, sieht Stephan Kufferath gelassen. „Es hat schon in den vergangenen Jahren in den USA eine „by America“-Kampagne gegeben. Die besagt, dass für alle öffentlichen Bauvorhaben nur Materialien verwendet werden dürfen, die in den USA produziert worden sind.“ Im Bereich Metallgewebe sei sein Unternehmen, so Kufferath weiter, der einzige europäische Betrieb, der seine Waren auch in Amerika herstelle. „Im Augenblick bin ich wirklich noch gelassen. Donald Trump ist ein Geschäftsmann, und er denkt wie ein Geschäftsmann. Alles Weitere müssen wir abwarten.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert