Depressionen, Ängste, Panik: „Sedepan“ bietet Hilfe

Von: Gudrun Klinkhammer
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Bei Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, verschlimmern sich die Symptome häufig. Viele verlieren ihre Tagesstruktur. Foto: Thomas Eisenhuth

Jülich/Düren. Die ersten Anzeichen können ganz harmlos sein, etwa Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, fehlendes Selbstbewusstsein und Ängste ohne erkennbaren Grund. Norbert Bitter (Name geändert), heute 57 Jahre alt, hatte 1994 derartige Probleme.

Er ging zum Hausarzt, der sofort eine Depression diagnostizierte und ihn zum Facharzt schickte. Viele Jahre wurde Norbert Bitter, ein studierter Fachmann mit mehreren Diplomen, mit Medikamenten und mit Psychotherapie behandelt. Auch verbrachte er eine Zeit in Bonn in einer psychosomatischen Klinik. Heute sagt er: „Dort wurde mir nahe gelegt, mich einer Selbsthilfegruppe (SHG) anzuschließen.“ Da es in seinem Umfeld noch keine derartige Gruppe gab, gründete er 2003 mit anderen Betroffenen die SHG „Sedepan“ Jülich/Düren.

„Sedepan“ steht als Abkürzung für „Selbsthilfe Depressive, Angst- und Panikpatienten“ oder auch ehemalige Betroffene.

Anfängliche Symptome können sich bei Betroffenen verschlimmern und dazu führen, dass der Erkrankte nicht mehr arbeiten kann und seine Tagesstruktur komplett verliert. „Gut 10.000 Menschen“, weiß Norbert Bitter, „nehmen sich pro Jahr in Deutschland das Leben.“

Auch Bitter, verheirateter Vater von erwachsenen Kindern, ist vorbelastet: Zwei seiner Verwandten nahmen sich bereits das Leben. Inzwischen hat er sein Leben wieder im Griff, obwohl es auch immer wieder Rückschläge gibt.

Was ihm unter anderem geholfen hat, war der Satz einer Psychotherapeutin, die ihn beruhigte, indem sie zu ihm sagte: „Das geht wieder vorbei.“

Emotionen verarbeiten

Die SHG verfolgt das Ziel, dass sich die Teilnehmer austauschen können. Die Probleme und Konflikte sind meist ähnlich. Von den Erfahrungen der anderen können die acht bis zwölf Teilnehmer, die sowohl aus Jülich als auch aus Düren kommen, profitieren.

Norbert Bitter erklärt: „Bei den Betroffenen ist das Gefühlsleben nicht im Gleichgewicht.“ Ziel sei es daher, sich der einzelnen Gefühle wieder bewusst zu werden: „Dann sind die Emotionen leichter zu verarbeiten und deren negativer Einfluss wird gebannt.“ Der Teufelskreis „Depression“ kann auf diese Weise durchbrochen werden. Weiter werden den Teilnehmern als therapeutische Maßnahmen Aktivitäten empfohlen wie etwa regelmäßig Sport treiben, Zeitung lesen, Radio hören, aus dem Haus gehen und sich selbst kleine Ziele setzen.

In Deutschland leiden circa vier Millionen Menschen an Depression die Zahl steigt an. Bis zum Jahr 2020 werden Depressionen oder affektive Störungen laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein.

Zu den Teilnehmern der SHG zählen Männer und Frauen aller Altersstufen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, auch gibt es keinen Gruppenleiter. Alle Anwesenden sind gleichberechtigt.

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