Kreis Düren - Den drohenden Ärztemangel im Kreis Düren verhindern

Den drohenden Ärztemangel im Kreis Düren verhindern

Von: Anne Welkener
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Wo geht es zum nächsten Arzt? Damit die Wege auch auf dem Land kurz bleiben, könnten Medizinische Versorgungszentren helfen. Foto: dpa

Kreis Düren. Der Hausarztmangel ist im Kreis Düren kein akutes Problem, aber doch eine Herausforderung, die so deutlich ihre Schatten vorauswirft, dass schon jetzt dagegen vorgegangen wird. Auf einen Hausarzt, so der Richtwert, sollten maximal 1671 Einwohner kommen.

Im Kreis Düren sind es nur 1304. „Im Moment haben wir flächendeckend eine gute Versorgung“, ist Dr. Wolfgang Deiters überzeugt. Er ist Vorsitzender der Kreisstelle Düren der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein und Mitglied einer Genossenschaft von 150 niedergelassenen Ärzten aus dem Kreis. Letztere kann sich vorstellen, genau wie es das Krankenhaus Düren seit Oktober tut, sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) für Allgemeinmedizin zu betreiben, um im ländlichen Raum dem drohenden Ärztemangel vorzubeugen.

Aber wieso droht dieser Mangel überhaupt? Üblicherweise sind in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln 15 bis 27 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre. Im Kreis Düren sind es aber 32 Prozent. Es ist also absehbar, dass fast ein Drittel der Hausärzte in wenigen Jahren in Rente gehen wird. „Das ist keine organische Entwicklung, sondern kann in einem Rutsch gehen“, warnt Deiters. Dies allein wäre nicht besorgniserregend, falls junge Mediziner als Nachfolger für die Praxen Schlange stehen würden.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Die Allgemeinmedizin ist nicht beliebt, nur etwa jeder zehnte Medizinstudent interessiert sich ernsthaft dafür. Hinzu kommt, dass der Schritt in die Selbstständigkeit viele abschreckt. Ein Angestelltenverhältnis an einem Krankenhaus, die geregelten Arbeitszeiten, der Lohn und die Sicherheit locken mehr, als freiberuflich in der eigenen Praxis Verantwortung zu tragen.

Dieser Krux aus fehlendem Nachwuchs und mangelnder Attraktivität der Stellen möchten das Krankenhaus und die ärztliche Genossenschaft mit sogenannte Medizinische Versorgungszentren entgegenwirken. Die Idee: Ein Hausarzt, der in einigen Jahren in Rente gehen möchte, aber keinen Nachfolger für seine Praxis findet, arbeitet mit ihnen als Träger zusammen. Die Praxis wird in ein Medizinisches Versorgungszentrum umgewandelt oder in ein bestehendes integriert, sprich: Das Krankenhaus oder die Genossenschaft betreiben die Praxis, der Arzt wird in einem Angestelltenverhältnis übernommen. Für die Patienten ändert sich nichts, Räumlichkeiten und Ansprechpartner bleiben gleich.

Jungärzte in der Praxis

In der Folge wird vom Träger vermittelt, dass Jungärzte in der Praxis mitarbeiten. So soll bei den Nachwuchskräften Interesse für die hausärztliche Tätigkeit und bestenfalls sogar der Wille geweckt werden, die Praxis bei Zeiten zu übernehmen. Zunächst aber locken das Angestelltenverhältnis, das den jungen Fachkräften Sicherheit bietet, und die größere Flexibilität. In einem MVZ können mehrere Ärzte sich die Arbeit aufteilen, so sind Teilzeitmodelle möglich. Bei dieser Lösung kann der niedergelassene Arzt seine langjährige Erfahrung weitergeben und bekommt Unterstützung bei der Nachfolgersuche. Das Krankenhaus profitiert nicht monetär, hat aber, wenn es einen Nachfolger findet, vielleicht einen geneigten Kollegen, der Patienten zur Weiterbehandlung ins Krankenhaus schickt.

Eine Gewinnabsicht, betont Dr. Gereon Blum, Geschäftsführer des Dürener Krankenhauses, stünde nicht dahinter. Das Krankenhaus hat eine Tochtergesellschaft gegründet, um mit ihr die Zentren gemeinnützig zu betreiben. Diese müssen sich selbst tragen. Auch bei der Genossenschaft sei alles als Null-Summen-Spiel durchkalkuliert, sagt Deiters. Sollte jemand das MVZ als eigene Praxis übernehmen wollen, kann er es zum Einkaufspreis abkaufen. Deiters: „Wir finanzieren auf Selbstkostenbasis.“

Das Krankenhaus Düren hat 2014 das MVZ Rur mit Schwerpunkt auf Fachärzten an der Tivolistraße gegründet. Seit Oktober gibt es zweiAußenstellen in Kreuzau und Langerwehe. In letzterer arbeitet das Krankenhaus mit einem Allgemeinmediziner zusammen, so wie es auch in einer dritten Zweigpraxis sein könnte, wenn die laufenden Gespräche zu einem positiven Ergebnis führen. Langfristig kann Dr. Blum sich vier bis sechs Standorte vorstellen.

Die Genossenschaft betreibt noch kein MVZ, steht aber für Interessenten zur Verfügung. „Wir wollen die Versorgung sicherstellen und die Leistungen in der Region halten“, betont Blum. Damit das gelingt, versucht er, den Nachwuchs schon früh an die hausärztliche Tätigkeit heranzuführen, sie als Bestandteil der ärztlichen Weiterbildung aufzunehmen und Arbeitseinsätze in ländlichen Praxen zu ermöglichen. Er möchte „junge Menschen in der Praxis laufen lernen lassen“, und zieht eine positive Zwischenbilanz: „Ich nehme da ein extrem hohes Interesse war, wir müssen nur den ersten Schritt in die Richtung intensiver begleiten.“

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