Dem Kreis droht ein Verlust mit Devisen-Kredit

Von: Stephan Johnen
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6,1 Millionen Schweizer Franken Restschulden hat der Kreis Düren. Welche Auswirkungen die Freigabe des Wechselkurses durch die Nationalbank hat, wird sich im Laufe des Jahres zeigen. Foto: sj/Montage: Thomas

Kreis Düren. Die Entscheidung der Schweizer Nationalbank, die Euro-Bindung des Franken auf- und damit den Wechselkurs freizugeben, hat zu Aufruhr an den Devisenmärkten geführt. Innerhalb kürzester Zeit verteuerte sich die Währung der Eidgenossen im Vergleich zum Euro um fast 20 Prozent. Eine Entwicklung, die auch im Dürener Kreishaus aufmerksam beobachtet wird.

Denn der Kreis sitzt auf Restschulden in Höhe von 6,1 Millionen Franken. Ein Schicksal, das er mit vielen Landkreisen, Städten und Kommunen teilt. An der Rur hat jedoch nur die Kreisverwaltung sogenannte Fremdwährungskredite abgeschlossen. In einer NRW-Statistik taucht fälschlicherweise auch die Gemeinde Langerwehe auf, die jedoch auf Nachfrage betonte, nur auf Euro lautende Kredite abgeschlossen zu haben.

Sollten sich Euro und Franken weiter auseinanderbewegen, drohen satte Mehrkosten für den Kreis. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 standen die zwei im Jahr 2002 abgeschlossenen Kredite noch mit fünf Millionen Euro in den Büchern. Sie wurden abgeschlossen, um unter anderem Straßenbau- und Infrastrukturprojekte zu finanzieren. „Stand heute müssten wir mit sechs Millionen Euro rechnen“, sagte Kreiskämmerer Dirk Hürtgen auf Nachfrage.

Die nächste Überweisung an die Bank werde Ende 2015 fällig. Die Laufzeit der Kredite ende 2017 und 2020. „Wir werden abwarten müssen, wie sich der Wechselkurs tatsächlich entwickelt“, betont Hürtgen. Aussagen über potenzielle Mehrbelastungen seien spekulativ.

„Jede Kreditaufnahme hat etwas Spekulatives“, betont der Kreiskämmerer. In der Vergangenheit sei der Zinssatz, der zu Beginn etwa ein Prozent unter dem damaligen deutschen Zinsniveau lag, neu verhandelt und reduziert worden, auf zuletzt 2,19 und 2,22 Prozent. „Die Entscheidung aus dem Jahr 2002 war jahrelang eine Top-Wahl“, sagt Hürtgen. Der Schritt der Schweizer Nationalbank sei weder für den Kreis Düren noch für den „gesamten Bankensektor“ vorhersehbar gewesen.

Dennoch sei im Kreishaushalt bereits eine sogenannte Drohverlustrückstellung in Höhe von 523.000 Euro berücksichtigt. Damit sollten Wechselkursrisiken von Beginn an abgesichert werden. Im Fall der Fälle müsse eine Lücke mit dem Griff in die Eigenkapitalrücklage geschlossen werden. Auswirkungen auf die Kreisumlage und damit die Haushalte aller Städte und Gemeinden befürchtet Hürtgen nicht.

Im Jahr 2007 gab es im Kreis Düren noch Gewinne aus Devisengeschäften zu verkünden. Die frühere Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises (GWS) hatte 2006 einen Kredit über 48,5 Millionen Euro in Schweizer Franken aufgenommen. Mit diesem Geld erwarb die GWS nicht nur die Arena und Haus C der Kreisverwaltung, sondern löste teurere Immobilienkredite ab.

Der Eintausch von Schweizer Franken in Euro zu einem Höchstkurs brachte ein Jahr später einen Gewinn von etwa 2,7 Millionen Euro – und das Wechselkursrisiko für den seitdem auf Euro lautenden Restkredit wurde gebannt. Die politische Opposition sprach damals von Spekulationen mit dem Geld des Steuerzahlers. In den vergangenen Jahren wurde das verbliebene Darlehen mehrfach umgeschichtet, um den Zins zu drücken.

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