Dem Bikepark läuft langsam die Zeit davon

Von: Stephan Johnen
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Mountainbiker sollen auf den fünf Pisten des Parks auf ihre Kosten kommen. Foto: Stock/Westend61
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Anne Schüssler betreut im Kreishaus das Projekt.

Vossenack/Simonskall. Wer mit dem Mountainbike in der Rureifel unterwegs ist, sucht sich derzeit seine Wege selbst. Auch im Hürtgenwald ist manche Piste entstanden, die auf keiner Karte vermerkt ist. Um Mountainbikern ein attraktives Angebot zu unterbreiten, plant der Kreis Düren zwischen Vossenack und Simonskall einen Bikepark.

Auf fünf Strecken sollen vom Fahranfänger über Familien bis hin zum Extremsportler alle Mountainbiker gegen Eintritt auf ihre Kosten kommen. Die Planer gehen davon aus, dass der Park eine überregionale touristische Bedeutung hat.

„Wir wollen jeder Zielgruppe gerecht werden“, erklärt Anne Schüssler vom Amt für Kreisentwicklung und -straßen. Eingebettet ist der Bikepark in das Projekt „Crossing Nature“, das die Kreise Düren und Euskirchen entwickeln (Infokasten).

Etwa 350.000 Euro stehen dafür bereit, 80 Prozent davon kommen aus Fördertöpfen der EU und des Landes NRW. Ein Shuttle-Service soll Fahrer und Räder vom Buswendeplatz in Simonskall wieder zurück zum Parkplatz an der Kriegsgräberstätte in Vossenack bringen. Die dortige Sanitäranlage soll ebenfalls genutzt werden.

Der Startpunkt aller fünf Pisten ist hinter dem Sportplatz am Franziskus-Gymnasium. Geöffnet wäre der Park von Ostern bis Herbst – einschließlich der Schulferien. Die Planer rechnen mit 2500 bis 3000 Nutzern im Jahr. Derzeit wird in einem Vergabeverfahren ein Betreiber gesucht.

Gegenwind für das Projekt gibt es allerdings von Naturschutzverbänden. „BUND und NABU sind der Auffassung, dass im landschaftsgeschützten Wald kein Bikepark errichtet werden darf. Hier stehen der Schutz der Natur und die stille Erholung im Vordergrund“, argumentiert Hermann Linder, der für den BUND im Landschaftsbeirat sitzt. Beide Verbände hatten bereits während des Baugenehmigungsverfahrens Eingaben an die Bezirksregierung gemacht, Linder wandte sich darüber hinaus in einer persönlichen Eingabe an das NRW-Bauministerium.

Als es in der jüngsten Sitzung des Beirats um die Frage ging, ob das Vorhaben bis zur Klärung durch das Ministerium aufgeschoben wird, stimmte das Gremium mehrheitlich gegen den BUND-Antrag und gab grünes Licht. Sollte eine Baugenehmigung erteilt werden, ist dies aus Sicht des Kritikers ohne abschließende Klärung „äußerst fragwürdig“.

Die Kreisverwaltung weist die Kritik zurück. Die Inhalte der persönlichen Erklärung und der Eingabe an das Ministerium „decken sich mit einer Eingabe des BUND und NABU an die Bezirksregierung“, sagt Walter Weinberger, Leiter des Amtes für Kreisentwicklung. Die Bezirksregierung habe die Rechtmäßigkeit des Verfahrens bestätigt. Eine Stellungnahme auf die jüngste Eingabe sei in Richtung Ministerium unterwegs.

Die Zeit für die Realisierung des Bikeparks wird knapp. Bis Ende August 2015 muss alles fertig und abgerechnet sein. Die Bauzeit der Pisten sowie der Startrampe und einer Holzbrücke ist mit acht bis zehn Wochen kalkuliert, aufgrund artenschutzrechtlicher Vorgaben und unter Berücksichtigung von Witterungsrisiken existiere ein „realistisches Baufenster“ bis einschließlich Dezember. „Es wird von einer baldigen baulichen Umsetzung der Maßnahme ausgegangen“, heißt es aus dem Kreishaus.

Darauf setzen die Mountainbiker. „Ein festes Wegenetz und ein Bikepark, in dem sichere, aber auch attraktive Strecken zur Verfügung stehen, entlasten andere teils illegale Wege und Rampen“, spricht sich Klaus Wißmann für das Projekt aus. „Wanderwege und andere schützenswerte Teile des Waldes werden weniger von Radfahrern frequentiert“, ist der Vorsitzende des Radsportbezirks Aachen überzeugt.

1700 Radler sind im Bezirk organisiert, darunter 700 Mountainbiker. „Vor 20 Jahren hätte sich niemand einen Bikepark vorstellen können“, urteilt Robert Jansen vom Landesbetrieb Wald und Holz. „Anfangs war ich skeptisch, doch ich habe mich vom Saulus zum Paulus gewandelt.“ Er sieht eine gute Möglichkeit, mit dem Park die bisher „wilde Nutzung“ des Waldes unter Kontrolle zu bekommen. Als Beispiel nennt er den Aachener Stadtwald, wo ein ähnliches Projekt zu einer Entlastung auf den Wegen geführt habe.

Von einem „klassischen Zielkonflikt“ spricht Wolfgang Müller, Hauptwegewart Nord des Eifelvereins. Der Verein sei in gleicher Weise dem Naturschutz, dem Wandern und der Tourismusförderung verpflichtet. Müller: „Unter der Voraussetzung, dass die vorhandenen Wanderwege teilweise auf konfliktfreie Trassen umgelegt werden und unter dem Gesichtspunkt der Lenkungs- und Konzentrationsfunktion und der Reduzierung der naturschädlichen wilden Strecken, stellt aus unserer Sicht der Vorschlag einen ausgewogenen Kompromiss dar, den wir mittragen können.“ Angemerkt

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