Defekte Alarmanlage kann beim Fehlalarm teuer werden

Von: Jörg Abels
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Die Polizei klärt auf: Bürger, die einen potenziellen Einbruch melden, werden nicht zur Kasse gebeten. Symbolbild: Colourbox

Düren. „Wenn ihr Bauchgefühl sagt, da stimmt doch was nicht, dann rufen Sie uns bitte an. Wir gehen jedem Hinweis nach.“ Diese Aussage traf Kriminaldirektor Jörg Malejka, Leiter der Direktion Kriminalität der Dürener Polizei, erst vor wenigen Tagen im Rahmen der landesweiten Aktionswoche zum Einbruchschutz „Riegel vor! Sicher ist sicherer“.

An anderer Stelle fordert die Polizei auch schon mal dazu auf, bei verdächtigen Beobachtungen lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Notruf Telefon 110 zu wählen.

Das hat der Nachbar von DZ-Leser Johannes Lenzen getan, als dieser vor wenigen Tagen ein Konzert besuchte. Lenzen berichtet: „Als ich gegen 20.30 Uhr nach Hause kam, wurde ich von drei Polizeibeamten erwartet.“ Sein Nachbar hatte die Ordnungshüter verständigt, weil im Hause Lenzen die Alarmanlage angesprungen war, ausgelöst von einem Bewegungsmelder.

„Bei der anschließenden Kontrolle aller Räume wurde, Gott sei Dank, kein Einbruch festgestellt. Ursache des Alarms war der defekte Bewegungsmelder“, berichtet der DZ-Leser weiter.

Damit war für Johannes Lenzen der Fall erledigt. Aber weit gefehlt. Die Beamten schrieben ein Einsatzprotokoll und der Dürener erhielt vor wenigen Tagen Post von der Kreispolizeibehörde mit der Ankündigung, er müsse infolge des Fehlalarms gemäß der Verwaltungsgebührensatzung des Landes NRW nun 110 Euro für den Einsatz der Polizeikräfte zahlen. Lenzen reagierte entsprechend sauer. „Ich werde bestraft, weil ein aufmerksamer Nachbar korrekt gehandelt hat. Ein für mich nicht nachvollziehbares Gesetz der Landesregierung.“

Konterkariert das den Appell der Polizei, Nachbar sei wachsam? Auf DZ-Nachfrage weist Dietmar Schorn vom Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz der Polizei Düren das zurück. „Wer uns verdächtige Beobachtungen oder eine ausgelöste Alarmanlage meldet, muss natürlich nicht mit einer Gebühr rechnen“, betont Schorn.

Das gelte auch dann, wenn die Beamten vor Ort weder Einbruchsspuren noch andere Hinweise feststellten. Auch der Nachbar im Fall Lenzen habe alles richtig macht und werde trotz Fehlalarm nicht zur Kasse gebeten. Schorn erneuert daher auch den Appell an die Bevölkerung, wachsam zu sein und im Zweifelsfall die Telefon 110 zu wählen.

Verantwortlich für den Fehlalarm im vorliegenden Fall sei nicht der Anrufer, sondern der Betreiber der Anlage, da der Bewegungsmelder defekt war, erklärt Schorn. Wenn eine technische Schutzeinrichtung nicht ordnungsgemäß funktioniert und damit einen Polizeieinsatz auslöst, müsse der Betreiber damit rechnen, für den Einsatz eine Gebühr zahlen zu müssen, unabhängig davon, ob – wie im Fall Lenzen – eine selbst gebaute oder eine professionelle und geprüfte Anlage ausgelöst habe. „Daher empfehlen wir auch, Häuser immer erst mechanisch zu sichern“, erklärt Hauptkommissar Dietmar Schorn.

Muss Johannes Lenzen nun die 110 Euro bezahlen? „Er hat bislang noch keine Rechnung, sondern lediglich einen Anhörungsbogen erhalten“, betont Polizeisprecherin Bärbel Sartor. Er könne sich noch zu dem Vorfall äußern. Dann werde im Einzelfall entschieden.

Ob sich Johannes Lenzen mit dieser Aussage abfindet, wird sich zeigen. Gegenüber der DZ kündigte er bereits an, sich auch schriftlich bei NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft über das aus seiner Sicht nicht „nachvollziehbare“ Gesetz beschweren zu wollen.

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