Deaflympics-Siegerin aus Niederzier zu Gast bei Gauck

Von: Guido Jansen
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Heike Albrecht
Freut sich über drei Medaillen bei den Deaflympics: Tennisspielerin Heike Albrecht aus Niederzier, hier mit ihrem Hund Finn. Foto: Guido Jansen

Niederzier. Es ist Einladung Nummer drei zum Bundespräsidenten für Heike Albrecht. Die junge Frau aus Niederzier ist schon 2005 und 2009 mit dem silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden. Nach Horst Köhler und Christian Wulff lernt die 22-Jährige bald Joachim Gauck kennen – beim Festakt für die erfolgreichsten deutschen Sportler.

Dazu gehört die junge Tennisspielerin auf jeden Fall. Bei den Deaflympics, den Olympischen Spielen für Menschen mit einer Hörbehinderung, hat Heike Albrecht auch bei ihrer dritten Teilnahme abgeräumt. Mit zwei Gold- und einer Bronzemedaille ist sie aus dem bulgarischen Sofia nach Hause zurückgekehrt. „Ich wollte Medaillen gewinnen. Dass es so gut laufen würde, damit habe ich nicht gerechnet. Die Konkurrenz war stark. Ich habe wirklich ein gutes Turnier gespielt“, lautet ihr Fazit.

Jetzt wartet ein neuer Lebensabschnitt auf die junge Frau. „Ab dem Herbst studiere ich in München Prävention, Integration und Rehabilitation für Hörgeschädigte“, sagt sie. Davon, dass sie so gut wie taub ist, merkt man im Gespräch kaum etwas. Eine Leistung, für den es keinen präsidialen Händedruck gibt. Bemerkenswert ist es trotzdem, wie sich Heike Albrecht gemacht hat, die als Teenager noch ein wenig schüchtern an den Lippen ihrer Mutter gehangen hat, wenn sie sich unterhalten wollte.

Heute ist das Selbstbewusstsein größer, ihre Fertigkeiten im Lippenlesen haben sich verbessert, ihre Aussprache ist präzise und scharf. Und sie hört ein wenig, seit sie von mit speziellen Hörgeräten ausgestattet wird. „Irgendwann, nachdem sie die Hörgeräte bekommen hat, hat sie mich gefragt: Mama, was ist das für ein komisches Geräusch?“

Das war der Moment, in dem Heike Albrecht zum ersten Mal das Rauschen des kleinen Wasserfalls im Gartenteich gehört hat. Oder das Zwitschern der Vögel. Ohne Hörgerät ist sie taub. Trotz aller technischen Hilfe lässt sie keinen Zweifel daran, was ihr dabei geholfen hat, trotz ihrer Taubheit von einem schüchtern wirkenden Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau zu werden. „Meine Mutter ist meine Logopädin. Meine Eltern haben mir sehr geholfen.“

Ihre Entwicklung hängt auch damit zusammen, dass sich Heike Albrecht nicht mehr gegen ihr Problem wehrt. Das war in jüngeren Jahren der Fall. „Es ist schwierig, wenn du in der Schule dazugehören willst, es aber nicht kannst. Wenn die anderen nicht wollten, dass ich mitbekomme, was sie sagen, dann haben sie sich weggedreht“, erzählt sie.

Die Situation akzeptieren

Schließlich ist sie darauf angewiesen, dass die Gesprächspartner ihr in die Augen schauen, damit sie verstehen kann. Heute geht sie anders mit der Situation um. „Ich höre nichts und ihr müsst damit klarkommen“, lautet ihre Devise. Dass es Situationen gibt, in denen sie Nachteile hat, akzeptiert die 22-Jährige mittlerweile. „Wenn im Zug Durchsagen kommen, die für mich wichtig sind und ich deswegen nicht umsteige, dann muss ich damit einfach leben.“

So zieht sie bald aus nach München. Schweren Herzens, aber auch mit Vorfreude auf die neue Herausforderung. „Ich habe dieses Studium gewählt, weil ich einerseits selbst Betroffene bin und weil ich anderen Menschen mit solchen Problemen helfen will.“

Tennis wird sie weiter spielen. Ob sie die professionelle Intensität der vergangenen Jahre mit täglichem Training beibehält, hängt vom Studium ab. Ehrgeizige sportliche Ziele hat sie trotzdem. Mit den Frauen von Grün-Weiß Aachen ist sie in die Regionalliga aufgestiegen. Der Verein wünscht sich, dass die Spielerin aus Niederzier bleibt und fünf, sechs Mal innerhalb der Saison für ihn aufläuft. „Es wäre schön, wenn das klappt“, sagt Albrecht. Das Ziel, irgendwann in der Bundesliga aufzulaufen, hat die 22-Jährige nach wie vor.

Der nächste Höhepunkt steht im kommenden Jahr an. Dann will sie mithelfen, dass die deutsche Mannschaft ihren Weltmeistertitel im amerikanischen Tennesee verteidigt. „Sie macht ihren Weg“, sagt Mutter Helga und schickt eine Geste in Richtung ihrer Tochter, die universal verständlich ist, egal ob hörend oder nicht: ein Lächeln.

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