Düren/Birkesdorf - Das Wissen wechselt die Generationen

Das Wissen wechselt die Generationen

Von: bri
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Die Kinder der KGS Birkesdorf
Die Kinder der KGS Birkesdorf üben sich im Papierschöpfen. Rolf Klees und Wilhelm Schwalbach zeigen den Kindern, wie es geht. Das Wissen aus ihrem Berufsleben geben die Rentner gerne weiter. Foto: bri

Düren/Birkesdorf. Jetzt geht es im Keller der KBS Birkesdorf zur Sache, der erste Schüler taucht den Schöpfrahmen in den Bottich. Und es ist Fingerspitzengefühl gefragt: „Grade runter, jetzt waagerecht und dann langsam hoch.”

Das, was mit Anleitung von Rolf Klees aus der trüben Suppe auftaucht, sieht schon ganz passabel aus und wird von Wilhelm Schwalbach auf ein raues Tuch gelegt. Das erste Blatt Papier ist entstanden. In den hinteren Reihen werden Zweifel laut: „Bleibt das nicht kleben?”

„Nein, das ist doch rau” wird von der Seite aufgeklärt. Jedes Kind darf ein Blatt schöpfen. Während die Schlange vor dem Bottich schrumpft erklären Wilhelm Schwalbach und Rolf Klees das Entstehen von Wasserzeichen und die Zusammensetzung der Papiermasse. Einige Papiere mit Wasserzeichen hat Rolf Klees mitgebracht und zum Anschauen bereitgelegt.

Die Begeisterung für ihr Berufsfeld hat sich auch im Ruhestand nicht gelegt. Bei dem Projekt in der Schule verbinden sie diese mit der Freude, ihr Wissen weiterzugeben. So, wie es viele Senioren im Ruhestand gerne tun.

Nach und nach bildet sich bei den Papierschöpfern ein hoher Stapel aus Tüchern und Blättern. „Man merkt, dass ein paar Kinder privat oder im Kindergarten schon einmal Papier geschöpft haben” kommentiert Rolf Klees die Routiniertheit einiger Schüler. Nachdem das letzte Papier geschöpft wurde, wird eine Platte darauf gelegt. Jetzt muss nur noch das Wasser aus der Masse gepresst werden. Dafür benutzt Wilhelm Schwalbach eine Schraubpresse, die so festgezogen wird, dass das Wasser hinauströpfelt. Anschließend werden die Blätter auf der Leine getrocknet. Es ist nicht nur eine Lehrstunde über die Grundzüge der Papierherstellung, auch die Geschichte der Dürener Papierindustrie kommt nicht zu kurz. Das geht natürlich nicht ohne den Hinweis auf den großen Vorteil der Region, das weiche Wasser.

„Etwas zurückgeben”

Wilhelm Schwalbach, technischer Zeichner und Techniker, war 18 Jahre bei Kraft und Söhne, wo auch Papiermaschinen gebaut wurden. Sein Engagement in der KGS Birkesdorf begann über seine Tätigkeit beim Birkesdorfer Turnverein mit dem Sportabzeichen, das er abnehmen darf und mit dem „Spendenlauf”. Die Idee für das Papierschöpfen kam dem gebürtigen Niederauer beim Tag der offenen Tür der Grundschule im vergangenen Herbst. Mit einer Lehrerin kam Wilhelm Schwalbach ins Gespräch, dass ein Ausflug ins Papiermuseum zwar schön, aber aus finanziellen Gründen derzeit nicht durchführbar wäre. „Ich habe mir immer schon gewünscht, selbst Papier zu schöpfen”, berichtet er. Und so fing er an, alles dafür vorzubereiten.

Für die Arbeit mit den Grundschülern ist alles etwas kleiner und handlicher geworden. Vieles hat der passionierte Bastler selbst gemacht, einiges auch bauen lassen.

Rolf Klees unterstützt ihn nicht nur beim Papierschöpfen. Der gelernte Papiermacher war selbst Schüler in Birkesdorf und hat gute Erinnerungen an seine Schulzeit. „Da möchte man auch was zurückgeben.” Er sorgt dafür, dass die Mischung der Papiermasse stimmt und ist für die Materialbeschaffung zuständig. Auch wenn ihn seine Frau manchmal lieber zu Hause hätte:„Man muss doch was tun.”

Nach dem Papierschöpfen geht es in einen anderen Raum. An seiner Tür hängt ein Schild „Papierherstellung heute”. Das, was hinter dieser Tür zu finden ist, entstammt laut Schulleiter Norbert Lotter einem „gut sortierten Hobbykeller.”

Beim Aufräumen desselben für das Papierschöpfen fielen Wilhelm Schwalbach ein paar Tischbeine in die Hände. „Da kannst du was draus machen.” Der Grundstein für das 2,5 Meter lange Modell einer modernen Papierwalze war gelegt. Aus dem Kopf hat er im Kleinen nachgebaut, was er von seiner Arbeit im Großen kannte. In nur knapp drei Monaten verbastelte er neben Kupferrohren für den Heizungsbau und Aluminiumrohren auch Essstäbchen, Zahnstocher, Toilettenschrauben und Gardinenstangen. Deren Enden ergeben sehr überzeugende Pumpen. Das Modell soll als Schenkung an die Schule gehen, nur eine passende Vitrine fehlt noch.

Da sie dem Papiermuseum keine Konkurrenz machen wollen, beschränken die beiden Papiermacher ihre Aktivitäten auf die Birkesdorfer Grundschule. Dort läuft die Aktion aber nun aus, da alle Klassen der dritten und vierten Jahrgänge nun einmal Papier geschöpft haben.

Däumchen drehen wird Wilhelm Schwalbach in der nun freigewordenen Zeit wohl nicht. In der Pause vom Papierschöpfen wird er sich wieder mehr dem Sport zu widmen: „Ich bin immer in Bewegung, ich kann nicht stillsitzen. Daher kommt wahrscheinlich auch meine Begeisterung für das Laufen.” Für den kommenden Tag der offenen Tür im Herbst ist schon eine Aktion zum Papierschöpfen geplant.
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