Das Wichtigste bei Defibrillatoren ist: „Immer weiter drücken“

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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ARCHIV - Ein AED-Defibrillator am 10.12.2015 in Berlin in der Feuerwehr Hauptwache-Mitte. Viele haben Respekt davor, als Laie im Notfall richtig zu handeln. Dabei kann bei drohendem Herztod jeder mit einem Defibrillator womöglich lebensrettende Stromstöße abgeben. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa (zu lbn «Wenn der Herztod droht - Übersicht von Defibrillatoren wächst» vom 03.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Kreis Düren. 43 Defibrillatoren hängen in Firmen und öffentlichen Institutionen im Kreis Düren an den Wänden. Weitere 21 kommen in Altenheimen, Tagespflegestätten und Wohneinrichtungen für Behinderte hinzu, 26 in Praxen. Das sind zumindest die öffentlich beim Kreis gemeldeten Geräte.

Im Notfall sollen die Schockgeber Herzen wieder zum Schlagen bringen. Aber Hand aufs Herz: Würden Sie sich trauen, das Kästchen von der Wand zu nehmen und einzusetzen? Und wüssten Sie, wie das geht? Die Redaktion hat sich die automatisierten externen Defibrillatoren einmal genauer angesehen, und mit Dr. Detlef Struck, dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Düren, über das Thema Wiederbelebung gesprochen.

Wie oft werden die öffentlich zugänglichen Defibrillatoren eigentlich genutzt?

„Das wird bislang statistisch nicht erfasst“, sagt Dr. Detlef Struck. Und sicherlich gebe es bei vielen Menschen eine Hemmschwelle. Gleichwohl plädiert Struck für noch mehr Defis im öffentlichen Raum. „In den Niederlanden hängen die quasi an jeder Ecke, auch auf öffentlichen Plätzen.“ Mit Vandalismus gebe es dort nicht so viele Probleme. Noch viel wichtiger als der Einsatz des Defis aber sei die Herzdruckmassage, betont Struck. „Der Defi ersetzt die Herzdruckmassage nicht. Er ist eine Ergänzung.“

Sowohl, was den Umgang mit Defibrillator als auch die Herzdruckmassage und die Herz-Lungen-Wiederbelebung anbelangt, müssten viele Menschen ihr Wissen aber auffrischen. „Und dann müssen die Menschen auch tatsächlich eingreifen, wenn sie sehen, dass eine Person zusammenbricht“, fordert Struck und erinnert an den tragischen Fall, bei dem ein Mann leblos in der Schalterhalle einer Bank lag und etliche Leute ihn ignorierten. Eine Umfrage hat ergeben, dass nur 28 Prozent aller deutschen Laien mit einer Wiederbelebung beginnen würden, in den Niederlanden und Dänemark liegen die Zahlen bei 65 bis 75 Prozent.

Was sollen wir tun, wenn eine Person zusammenbricht?

„Bei einem Herzstilltand sollte jeder sofort unter 112 den Rettungsdienst rufen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Dabei sollte der Brustkorb etwa 100 Mal pro Minute fünf bis sechs Zentimeter tief gedrückt werden“, sagt Struck. „Und rufen Sie Hilfe zu sich. Die Herzdruckmassage ist extrem anstrengend, und die Zeit, bis der Rettungsdienst da ist, muss ja überbrückt werden.“

Muss ich auch die Mund-zu-Mund-Beatmung machen?

Besser ist das. Jedoch ist der Ekel-Faktor für viele Menschen hoch. „Nichts machen ist deswegen aber keine Alternative“, betont Struck. Anfangs ist das Blut noch mit 100 Prozent Sauerstoff gesättigt, in den ersten drei bis vier Minuten. Wer beatmen möchte, drückt 30 Mal auf den Brustkorb, beatmet dann zweimal und wiederholt das, bis der Rettungsdienst kommt.

Wie soll ich dann auch noch einen Defibrillator holen und bedienen?

„Dafür brauchen Sie natürlich Hilfe. Einer macht weiterhin die Herzdruckmassage, der Andere erhält zum Beispiel von der Leitstelle die Info, wo der nächste Defi zu finden ist“, erklärt Struck.

Und dann lese ich erstmal die Anleitung?

„Falsch“, sagt Struck. „Sie können nichts falsch machen. ‚Lisa‘ sagt ihnen ganz genau, was zu tun ist.“ Lisa – so nennt der Arzt in Analogie zu einem gängigen Navigationsgerät die Stimme, die aus dem Defibrillator heraus die Anweisungen gibt. „Wenn sie das Kästchen öffnen, erklärt sie Schritt für Schritt, was zu tun ist.“

Kann der Defi bei jedem Herzstillstand eingesetzt werden?

Nein, aber: Bei 85 Prozent aller plötzlichen Herztode liegt anfangs ein Kammerflimmern vor – und nur dann kann der Defi helfen. Da die Überlebenschance mit jeder Minute sinkt, ist der frühstmögliche Einsatz eines Defis wichtig. Der durch das Kammerflimmern hervorgerufene Herzstillstand führt zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und kann in kurzer Zeit zu massiven neurologischen Defiziten führen.

Woher weiß ich, ob der Patient ein Kammerflimmern hat?

Der medizinische Laie kann das nicht erkennen. „Aber ‚Lisa‘ kann das“, sagt Struck. Zuerst werden die Elektroden aufgeklebt, dann analysiert das Gerät von ganz alleine. Liegt kein Kammerflimmern vor, dann teilt „Lisa“ das mit, stellt sie ein Kammerflimmern fest, gibt sie genaue Anweisungen, wie weiterhin zu verfahren ist. „Währenddessen muss die Herzdruckmassage unbedingt weitergemacht werden“, betont Struck. Nur wenn der Defibrillator den rettenden Stromstoß gibt, wird sie unterbrochen.

Kann ich bei der Herzdruckmassage was kaputt machen?

„Nein“, sagt Struck. „Im schlimmsten Fall hat der Patient eine gebrochene Rippe. Wenn er dafür überlebt, nimmt er das sicher gerne in Kauf.“ Aus Angst etwas falsch zu machen, nichts zu tun, sei erst recht verkehrt. Das müsse in der Gesellschaft noch ankommen.

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