Das virtuose Jonglieren mit den Identitäten

Von: Christoph Hahn
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Multikulturelle Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer: Kabarettistin Liza Kos. Foto: Hahn

Düren. „Kabarett unterm Minarett“: Das ist auch für eine versierte Kabarettistin wie Liza Kos alles Andere als alltäglich. Mit ihrem Programm „Wer glaub ich, wer ich bin?“ gastierte die Aachnerin mit russischen Wurzeln jetzt im Zuge der „Interkulturellen Woche“ im Saal der Dürener Ditib-Moschee an der Veldener Straße.

Den interkulturellen Anspruch der Woche und dieses Abends verkörpert die 36-jährige Künstlerin auf ihre eigene Weise – und bezieht daraus den Spannungsreichtum ihres Programms. Denn einerseits steht die gebürtige Moskauerin mit beiden Beinen fest in der deutschen Kultur, trägt aber nichtsdestotrotz noch viele Bilder, Erlebnisse und Menschen aus der alten Heimat in sich.

Das merkt der Zuschauer, nicht nur an dem Figurenpersonal der Kos, zu der nicht nur sie, sondern auch die Russin Swetlana Kalaschnikowa und im Übrigen auch die Türkin Aynur Güzel, Kopftuch inbegriffen, gehört.

„Wer glaub ich, wer ich bin?“ beruht also ganz wesentlich auf dem Spiel mit Identitäten. Dass der Gast bei seinem in Düren ethnisch recht gemischt zusammengesetzten Publikum so gut ankommt, beruht aber nicht nur auf diesem virtuosen Jonglieren mit diesen fein und liebevoll gezeichneten Typen. Wirkungskraft und Witz bezieht der Abend daraus, dass sich die Solistin auch ihre „integrative Balalaika“ umschnallt und ihre Erfahrungen mit Deutschland in Liedform zum Besten gibt.

Die Spielfreude von Liza Kos macht dabei vor den Menschen auf den Stühlen im Saal nicht halt. Ein ums andere Mal werden die Fans (wer nicht als solcher gekommen war, wurde es unweigerlich im Laufe des Programms) angespielt und angesprochen, ja sogar auf ihre Russisch-Kenntnis hin getestet. Eine angeborene Gabe der Ironie (die die Kos gerne auch auf sich richtet) verleiht diesem Auftritt zusätzliche Spritzigkeit. Und das Einerseits und Andererseits, das Leben mit, in und zwischen den Kulturen – es wird vielen Zuschauern wie Momentaufnahmen aus ihrem eigenen multikulturellen Leben vorgekommen sein.

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