Das Problem birgt meistens schon die Lösung

Von: Stephan Vallata
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Der Prototyp und seine Erfinderin: Gisela Schon will Pflegebedürftigen das Leben mit ihrer Schonwiege einfacher machen. Foto: Vallata

Geich. Gisela Schon ist wohl das, was man mit einiger Berechtigung als Multitalent bezeichnen könnte. Eigentlich ist sie ja Künstlerin, vielleicht sogar ein wenig Lebenskünstlerin. Sie malt, sie zeichnet, sie töpfert.

Ihre liebste Beschäftigung ist aber das Denken - in erster Linie das Nachdenken darüber, wie sich Probleme lösen lassen. Sie sagt: „Wenn man das Problem mit Namen kennt, dann birgt der Name meistens schon die Lösung.”

Das Problem heißt in diesem Fall in etwa Bewegungsunfähigkeit. Und die Lösung heißt „Schonwiege”. Um genau zu sein, handelt es sich bei dieser in sieben Ländern Europas patentierten Erfindung um ein automatisches Hebe- und Wiegesystem, dass die Pflege dauerhaft bettlägeriger Patienten erleichtern und wundgelegene Stellen - ein so genannter Dekubitus - verhindern soll. Für ihre Idee ist Gisela Schon mit dem Signa Iduna-Umwelt- und Gesundheitspreis der Handwerkskammer Hamburg ausgezeichnet worden.

Mittlerweile steht der Prototyp der Apparatur, die unter dem Oberkörper der Pflegebedürftigen auf dem Bett angebracht werden kann, wieder im Wohnzimmer von Gisela Schon. Ein Blick auf die Konstruktion verrät: Hier war eine Tüftlerin am Werk. Verbaut hat sie zum Beispiel einen alten Scheibenwischermotor, Rollädengurte und Rollen, wie man sie unter Einkaufswagen vorfindet.

Unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet, ist die Schonwiege nicht unbedingt eine Augenweide. Nur müsse sie ja nicht schön sein, sondern sie müsse nur funktionieren, sagt Gisela Schon. Und das tut sie. Die Bezeichnung sei im Übrigen kein Ausdruck ihrer Eitelkeit, sondern spielt auf die Funktionsweise der Apparatur an: Sie soll ihre Nutzer schonen.

Gemeint sind damit nicht allein Patienten der Pflegestufe III, die sich nicht mehr selbstständig im Bett drehen können, sondern auch Pflegekräfte und pflegende Angehörige. „Die anstrengendste Tätigkeit von Pflegern ist das Anheben des Beckens zur Intimpflege.” Dies funktioniere per Knopfdruck. Das seitliche Umlagern wiederum erfolgt über Drucksensoren in der Kopfstütze auch im Schlaf.

Gisela Schon hält noch ein weiters Patent. Vor zehn Jahren hat sie bereits den Schonstuhl entwickelt, ein motorisch bewegter Sitz, der Rückenleiden vorbeugen soll. Ob es wohl weitere Ideen gibt? Durchaus. Die will sie aber erstmal nicht verraten.
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