Das „Klorakel mit dem großen Latrinum”

Von: Axel Keldenich
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Comedian Dave Davis wurde als
Comedian Dave Davis wurde als Toiletten-Mann Motombo Umbokko von gut 1000 Zuschauern in der Arena Kreis Düren gefeiert. Foto: Keldenich

Düren. „Jetzt klatscht mal, sonst komm ich nicht raus”, tönte es aus dem Dunkel hinter der Bühne der Arena Kreis Düren. Rund 1000 Besucher folgten brav der Aufforderung und gaben Dave Davis die geforderten Vorschusslorbeeren.

Davis ließ sich dann auch nicht wirklich lange bitten, kam heraus und hatte sein Publikum von der ersten Minute an fest in der Hand. So blieb es und gut zwei Stunden. Es war zweifelsfrei klar: Der Comedian, der die meiste Zeit in seiner Paraderolle als farbiger Toiletten-Mann Motombo Umbokko auftrat, hat sich diesen Applaus und das lange Klatschen am Ende der Show redlich verdient hatte.

Im Jahr 2010 hatte er noch den Deutschen Comedypreis als bester Newcomer gewonnen, knapp anderthalb Jahre später ging er die Sache in Düren wie ein ausgefuchster Routinier an. Gleich zu Beginn verließ er die Bühne, machte er einen kleinen Rundgang durchs Parkett, begrüßte den einen Zuschauer und die andere Zuschauerin per Handschlag und fragte nach Namen, die er dann während des Abends immer wieder einfließen ließ. Louis, Bernd und Conny waren ab sofort feste Programmbestandteile. Und natürlich begrüßte der Mann im weißen Kittel und dem Hygienehäubchen auf dem Kopf besonders erfreut zwei afrikanische „Kollegen”, die er sofort erspäht hatte.

Sein Kernthema, die Beobachtungen des Ausländers in Deutschland, begann er mit einer Sprachverständnisfrage an den Tontechniker: „Warum heißt das da vorne eigentlich Mich-Pult - ist doch deins?” Um dann bei der Rückkehr auf die Bühne die Anweisung an die Technik zu geben: „Kannst Licht ausmachen, hab das Material gesehen!” Und dann auch gleich das erste Kokettieren mit seiner Hautfarbe: „Aber lass das Mikro an, wenn das aus ist bin ich ein Braun-Schweiger.”

Neben netten Blödeleien hatte er auch ein paar Seitenhiebe auf Politiker dabei. Mit Blick auf Angela Merkels Herkunft aus der DDR meinte er, mancher Afrikaner sei länger „in Deutschland” als die Kanzlerin. Er selbst sei zu Hause weg, weil zu viele afrikanische Politiker käuflich seien. So etwas gebe es hier nicht, allerdings könne man manchen deutschen Politiker doch wenigstens mieten.

Gar nicht gefallen hat es ihm im Freistaat Bayern, der wohl so heiße, weil nur dort Menschen wie die Bayern frei herum laufen dürften. Um das zu belegen, verwandelte sich Motombo Umbokko mit wenigen Accessoires auf der Bühne in „Gustl Maria Ignaz Weißmüller”, den seine Kumpels kurz „Nazi” rufen. In astreinem Bayerisch kamen dann ein paar treffende bitterböse Nummern, bei denen einem das Lachen verging und das Nachdenken einsetzte. Sein eigener Kommentar dazu: „Gut, ich bin braun, aber nicht so braun!”

Mit Rückverwandlung zum Klomann bei einer Fast-Food-Kette wurde die Kost dann wieder leichter, es ging über Beamte, denen in Aquarien zu viel Hektik herrscht, zu seinen „Mandanten” die bei ihm auf Empfehlung die Spülung betätigen bis zur Definition seines Jobs als „Motombo Consulting, Klorakel und Kackademiker mit großem Latrinum”. Und mit Affinität zum Karneval. Über „Viva Colonia” kam er zu seiner Textversion eines anderen Hits: „Der Kannibale zieht weiter, der Sultan ist futsch, der Sultan ist weg, hat prima geschmeckt!” Ehe auch Motombo weg durfte, verlangte und bekam das zufriedene Publikum noch mehrere Zugaben.
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