Düren - Das Jugendamt sucht Pflegeeltern

Das Jugendamt sucht Pflegeeltern

Von: Stephan Johnen
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Vom Baby bis zum Teenager: Das Jugendamt sucht Pflegeeltern, die Kinder zeitlich begrenzt aufnehmen. Foto: Stock/Petra Schneider
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Silke Haake (l.) und Petra Ruthardt vom Dürener Jugendamt betreuen Pflegeeltern und Pflegekinder. Foto: sj

Düren. Es war schon eine Umstellung, jede Nacht das Babyfon auf dem Nachttisch stehen zu haben. „Ich dachte, ich sei zu alt“, sagt Maria Lennon (Name von der Redaktion geändert). Doch auch mit 61 Jahren hat sich die Dürenerin auf den Versuch eingelassen, Pflegekinder aufzunehmen. Das Jugendamt der Stadt hatte ihr ein Geschwisterpaar zugedacht.

Der Dreijährige konnte durchaus als „quirlig“ beschrieben werden, seine jüngere Schwester brauchte aufgrund einer Erkrankung rund um die Uhr Pflege, blickt die Dürenerin zurück. „Das war keine Aufgabe, das war eine Prüfung“, sagt die 61-Jährige, deren eigene Kinder zum Teil schon das Erwachsenenalter erreicht haben, mit einem Augenzwinkern. Doch die vermeintliche Prüfung erwies sich als Bereicherung. Wenn der Pflegekinderdienst kurzfristig eine Pflegemutter sucht, steht Maria Lennon zur Verfügung. Derzeit ist ein 16 Jahre altes Mädchen zu Gast in ihrer Familie.

Vorübergehende Versorgung

Die 61-Jährige gehört zu den 17 Pflegeeltern, die 21 Plätze für die sogenannte zeitlich befristete Vollzeitpflege anbieten. Hinter dem recht sperrigen Namen verbirgt sich ein neues Konzept, das sich in der zweijährigen Pilotphase bewährt hat und mittlerweile fest etabliert ist. „Wir setzen auf diese Form der Pflege, wenn Eltern ihr Kind beispielsweise wegen eines Krankenhausaufenthalts oder einer Therapie vorübergehend nicht versorgen können“, erklärt Petra Ruthardt vom Jugendamt.

Das Angebot sei von zwei auf 21 Plätze ausgebaut worden, auch das Personal im Jugendamt wurde zur Betreuung der Pflegeeltern und Kinder aufgestockt. Weitere potenzielle Pflegeeltern werden noch gesucht, auch Senioren sind willkommen. In Wochenendseminaren werden die angehenden Pflegeeltern auf ihre Aufgaben vorbereitet.

Manche Kinder sind ein paar Tage bei den Pflegeeltern untergebracht, andere einige Wochen. Die Zeit ist auf maximal vier Monate begrenzt. „Im Durchschnitt sind die Kinder und Jugendlichen drei Monate zu Gast bei Pflegefamilien“, berichtet Silke Haake vom Pflegekinderdienst. Diese Form komme besonders dann zum Einsatz, wenn absehbar ist, dass Kinder und Jugendliche – aber auch Babys und Kleinkinder – in einer überschaubaren Zeit wieder in ihre Familie zurückkehren können. „Wir sagen den Kindern, dass sie einige Zeit Ferien machen“, berichtet Silke Haake. Die Pflegeeltern würden sich ebenfalls so verhalten.

„Ich bin für meine Pflegekinder so etwas wie eine Patentante, bei der sie längere Zeit zu Besuch sind“, schildert Ulrike Matteo (Name von der Redaktion geändert). Auf die Frage, warum sie im Rahmen der zeitlich begrenzten Vollzeitpflege Kinder und Jugendliche aufnimmt, sagt die 56 Jahre alte, werktätige Familienmutter: „Wenn ein kleines Vögelchen aus dem Nest gefallen ist, muss sich jemand darum kümmern.“ Oder anders formuliert: Das Schicksal habe es gut mit ihr und ihrer Familie gemeint, davon möchte sie anderen Menschen etwas zurückgeben.

„Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt Maria Lennon. „Die Kinder geben einem viel zurück.“ Einen Unterschied zwischen „eigenen“ Kindern und Pflegekindern mache sie nicht. Dass es auch schon einmal zu Neid zwischen den Kindern komme, sei normal. „Ältere Geschwister reagieren auch so, wenn plötzlich ein neues Familienmitglied da ist“, sagt sie.

Ein wichtiger Baustein im Konzept der zeitlich begrenzten Vollzeitpflege ist, dass der Alltag der Pflegekinder nahezu unverändert bleibt, sie so gut wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. „Die Kinder gehen weiter in ihre alte Schule, nachmittags zum Musikunterricht oder in den Sportverein und besuchen ihre Freunde“, erklärt Petra Ruthardt. „Die Pflegeeltern müssen sozusagen einen weiteren Tagesablauf in den eigenen integrieren“, schildert die Sozialpädagogin. Das Sorgerecht verbleibt übrigens bei den leiblichen Eltern, einmal in der Woche gibt es ein Treffen der Kinder mit ihren Eltern, das von Mitarbeitern des Jugendamtes begleitet wird.

„Viele Pflegeeltern berichten, dass ihr Leben bunter geworden ist“, sagt Silke Haake. Anfängliche Ängste und Vorbehalte würden sich meist schnell zerstreuen. „Es stimmt, dass das Privatleben von Menschen, die Pflegeeltern werden, zum Schutz der Pflegekinder ein Stück weit öffentlich wird“, räumt Petra Ruthardt ein. Doch darauf werden die Pflegeeltern vorbereitet. „Wir stehen ja auch nicht jeden Tag vor der Tür“, betont Silke Haake. Haben Pflegeeltern allerdings Fragen, stehe ein Ansprechpartner rund um die Uhr zur Verfügung.

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