Das große Treffen der Spiele-Besessenen

Von: ah
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Neues entdecken, alte Schmuckstücke finden und selbst eine Partie spielen: Beim vom Verein Mister x organisierten Spieletreffen konnten Besucher allerhand erleben. Foto: Anke Holgersson

Düren. „In einer Stunde Spiel lerne ich mehr über einen Menschen als in einem noch so langen Gespräch”, soll Lego-Erfinder Ole Kirk Christiansen einmal gesagt haben. Dieses Zitat kennt Thorsten Oelsner, der erste Vorsitzende des Vereins Mister X, Verein für Gesellschaftsspiele, und er kann es bestätigen.

„Beim Spielen zeigt sich schnell, wer Choleriker ist, wer nicht verlieren kann, die Dinge eher auf die leichte Schulter nimmt, ein Pingel ist oder Ellenbogen zeigt, selbst wenn das bedeutet, dass er selbst verliert.”

Der Verein hatte am Sonntag zum „Tag des Spiels” geladen. Viele Besucher aller Altersstufen kamen, um in der „Spielothek” Spiele auszuleihen und sie an Ort und Stelle an den Spieltischen auszuprobieren, oder um auf dem Spiele-Flohmarkt ein Schnäppchen zu ergattern.

Großer Fundus

„Diese Spiele-Schätzchen stammen aus dem Fundus des Vereins,” erklärt Kassenwart Michael Hansmeyer. Er selbst besäße nur wenige Spiele, kaufe im Jahr nur ungefähr fünf. Das sei ja gerade der Grund für ihn gewesen, in den Verein einzutreten: „Ich kann dort Spiele ausprobieren, ohne sie gleich kaufen zu müssen.” Da bringt es Claudia Görlt, Spielewartin des Vereins, auf ganz andere Zahlen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Patrick Enger besitzt sie rund 2500 Spiele, die 14 Meter Regal im heimischen Wohnzimmer in Beschlag nehmen. Sie sammle seltene und alte Spiele, von der Gegenwart bis zu den 1950er Jahren.

Aber auch Spiele, die erst noch welche werden wollen, haben es ihr angetan. Denn auch für diesen Markt gibt es Crowdfunding bzw. „Kickstarter-Projekte”. Das bedeutet, dass Spiele-Entwickler ihre Ideen im Internet präsentieren und dann Beteiligungen verkaufen, für die sie schon zwischen 5 bis 200 Dollar ausgegeben habe. Dollar, weil die meisten dieser Projekte aus Amerika stammen. Dort, so weiß Claudia Görlt, seien Spiele mit aufwendig gestalteten Figuren im Trend, während hierzulande eher Brettspiele en vogue seien. Aber auch in Deutschland werden pro Jahr knapp 1200 neue Spiele auf den Markt gebracht, berichtet Görlt: „Die Brettspiel-Szene boomt.“ Die Essener Spielemesse „Spiel 2016” habe 167.000 Besucher gezählt.

Den Verein Mister X gibt es seit 1990. Er zählt rund 30 Mitglieder im Alter von 16 bis 60 Jahren, wobei natürlich auch jüngere oder ältere Neuzugänge herzlich willkommen seien, sagt Michael Hansmeyer. Man trifft sich im Wechsel montags oder donnerstags im Komm Kulturzentrum. Zwischen vier und 20 Spielebesessene finden sich an solchen Abenden ein. Dann werden aus dem rund 300 Spiele beherbergenden Regal vor Ort ein paar gezückt und vorgestellt. Es bilden sich verschiedene Gruppen, die dann – je nach Spielart und Konstitution des Spielers – bis in die späten Abendstunden spielen.

Für Claudia Görlt und Patrick Enger reichen diese Treffen bei weitem nicht aus, um den Spielehunger zu stillen. Sie bringen es auf 300 bis 400 Spielrunden im Jahr, die dann auch schon mal bis drei Uhr morgens dauern, und bezeichnen sich selbst als „spielebesessen”.

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