Hürtgenwald - „Das gibt es nicht mal eben so im Internet”

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„Das gibt es nicht mal eben so im Internet”

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Amerikanische Truppen überschreiten den Westwall, die Kamera läuft mit: Die Konejung-Stiftung hat vier Stunden Filmmaterial zusammengestellt.

Hürtgenwald. Von der längsten Schlacht auf deutschem Boden ist die Rede, von mehr amerikanischen Toten als in Vietnam, vom „Verdun in der Eifel”. Wenn über die Kämpfe in der heutigen Gemeinde Hürtgenwald von 1944 bis 1945 geschrieben wird, fallen Begriffe wie Drachenzähne, Siegfriedlinie und Höllenwald.

Begriffe, die an Mythen und Märchen erinnern, an das Nibelungenlied, an die Geschichten von bösen Hexen im tiefen Tann.

Das Archivmaterial

Ein Filmteam der „Konejung Stiftung: Kultur” hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Legenden auf den Grund zu gehen, Licht in die Dunkelheit der Wälder zu bringen und die Hintergründe aufzuarbeiten. „You enter Germany. Hürtgenwald - der lange Krieg am Westwall” hieß der Dokumentarfilm, der 2007 vorgestellt wurde und die Schlacht nicht als Aneinanderreihung von Kampfhandlungen beschrieb, sondern sie in den historischen Kontext einordnete.

Verteidigung eines verbrecherischen Regimes

Schließlich verteidigten die deutschen Soldaten nicht tapfer ihre Heimat, sondern ein verbrecherisches Regime. Durch die Kämpfe im Hürtgenwald wurde auch der NS-Terror verlängert. Der Film traf einen Nerv, mehr als 10.000 DVDs wurden bislang verkauft. Nach dem großen Erfolg stellt die Stiftung nun den zweiten Teil vor.

„Wir wollten unseren sehr emotionalen Dokumentarfilm nicht neu erfinden”, sagt Drehbuchautor und Stiftungsvorstand Achim Konejung. Also entschied er sich, das im Zuge der Recherchen in den US-Archiven zusammengetragene Filmmaterial amerikanischer Militär-Kamerateams als Materialsammlung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Vier Stunden Film und ein knapp 100-seitiges Buch sind das Ergebnis. „Dieses Material zeigt in seiner Urfassung viele Informationen, die es zu entdecken gilt”, findet Konejung. Das gibt es nicht mal eben so im Internet.”

Anders als beim Dokumentarfilm gibt es bei der Dokumentation keine Schnitte, keine Dramaturgie - gezeigt werden Aufnahmen „von der Filmrolle”, die chronologisch geordnet sind. Es ist das Rohmaterial der Kriegsberichterstattung, ohne Pathos, ohne martialische Musik, ohne Eingriff der Propaganda-Abteilungen. Die Macht der bekannten Wochenschau-Bilder wird so gebrochen. Ein Audiokommentar kann hinzugeschaltet werden.

Bilder von Tod, Zerstörung und Niederlage

Wer das Begleitbuch liest, ordnet das Gesehene schneller ein. Doch auch die Bilder sprechen eine klare Sprache: So gibt es Aufnahmen vom Tag der Kapitulation Aachens, Bilder des zerstörten Schlosses von Merode, Bilder des Luftangriffs auf Düren und Kämpfe in den Vororten der Stadt, Bilder von der Befreiung eines Lagers für Zwangsarbeiter in Arnoldsweiler. Als Bonusmaterial gibt es Nachrichtensendungen, US-Propaganda-Filme und mit „Verbrannte Erde” ein 28-minütiges Filmdokument über den Wiederaufbau im Hürtgenwald. Material, das lange im Archiv verstaubte.

Die DVD „You enter Germany 2” ist voraussichtlich ab dem 16. November für 19,50 Euro im Buchhandel zu erwerben. Im kommenden Jahr ist eine Vorführung auf Burg Vogelsang geplant, der Film soll auch in Düren gezeigt werden. Sobald die Termine feststehen, wird die DZ darüber rechtzeitig informieren.

Präsentation am 16. November

Nach dem Erfolg der Hürtgenwald-Dokumentation von 2007 veröffentlicht Achim Konejung nun eine neue DVD mit vier Stunden historischem Filmmaterial, das in den Jahren 1944 bis 1954 im westlichen Rheinland und der Eifel entstanden ist.

Präsentiert wird „You enter Germany 2, das Archivmaterial” am Dienstag, 16. November, um 18.30 Uhr im Schulzentrum Kleinhau.
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