Das geplante Freshman-Institut ist nicht finanzierbar

Von: Burkhard Gießen
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Die ehemalige Glashütte sollte zu einem Campus für ausländische Studenten werden. Weil das Projekt aber nicht finanzierbar ist, hat die Stadt im Einvernehmen mit den Partnern die Reißleine gezogen. Foto: B. Giesen

Düren. Irgendwann, sagt Dürens Beigeordneter Thomas Hissel, müsse man Bilanz ziehen. „Und in diesem Fall fällt sie negativ aus. Dann muss man auch vom toten Pferd absteigen.“ Hissel, Kämmerer und Wirtschaftsförderer, beerdigt das tote Pferd namens Freshman-Institut.

Das Institut stand schon auf der Agenda der Stadt, bevor Hissel und Win-DN-Geschäftsführerkollege Winfried Kranz-Pitre ihren Job angetreten haben. Im April 2015 hatte die Stadt einen Vertrag mit der FH Aachen und Investor Gerd Pelzer unterschrieben, dass am Standort Glashütte ein Campus für 84 Studenten eingerichtet werden sollte. Die Idee: Vorrangig angehende chinesische Studenten sollten ein Jahr lang auf ihr Studium in Deutschland vorbereitet werden.

Ein gutes Ziel

Von dieser Idee ist Hissel auch nach wie vor angetan. „Düren zur Hochschulstadt zu machen, war ein gutes Ziel“, sagt er. Gescheitert sei man allerdings an den Rahmenbedingungen. „Die Fachhochschule konnte nur eine begrenzte Summe pro Student investieren“, erklärt Hissel. Und wollte zudem auch nur die tatsächliche Belegung finanzieren, ergänzt Kranz-Pitre. Also hatte die Stadt schon beim Vertragsabschluss eine Ausfallbürgschaft geben müssen, um das zunächst auf fünf Jahre angelegte Projekt realisieren zu können.

Alternativ zum Campus auf dem Gelände der Glashütte hatte die Win-DN auch andere Standorte untersucht, sogar überlegt, ob man eine Modulbau-Variante finanzieren kann – und beispielsweise die Wohnmodule bei Auslaufen des Projektes anderweitig hätte nutzen können. Thomas Hissel: „Bei allen Modellen, die wir berechnet haben, stand am Ende immer ein Zuschussbedarf für die Stadt in sechsstelliger Höhe. Wir mussten also die Reißleine ziehen.“

Erleichtert hat diese Entscheidung noch ein anderer Umstand. Ursprüngliches Ziel der Ansiedlung des Freshman-Institutes war auch die Vorstellung, dass die Studenten später als gut ausgebildete Ingenieure in der Stadt bleiben würden. Hissel: „Die Erfahrung an anderen Standorten zeigt, dass diese ‚Klebeeffekte‘ sehr gering sind. Bei den chinesischen Studenten liegt die Rückkehrerquote nahezu bei 100 Prozent.“

Landesregierung schießt quer

Ernüchternd war auch eine andere Erfahrung, die die FH zwischenzeitlich machen musste. Sie wollte ihr Freshman-Konzept auf das Partnerland Marokko ausdehnen. Von ursprünglich avisierten 40 Studenten kamen letztlich nur zwei. Hinzu kommt aktuell noch eine Entscheidung, die weder Stadt noch FH auf den Schirm hatten: Die neue Landesregierung plant die Einführung von Gebühren für ausländische Studenten. Hissel: „Bisher hat man ein erstklassiges Studium für null Euro erhalten können. Das wird sich ändern, und damit auch die Attraktivität des Standortes.“

Ist damit der Traum von einem Hochschulstandort in Düren geplatzt? Vorerst ja. Ganz aufgeben will Hissel die Idee aber nicht.

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