„Das geht nicht“ gibt es für Raphael Buntrock nicht

Von: Sandra Kinkel
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Gesellenbrief und Urkunde als Innungsbester: Raphael Buntrock hat beim Berufsförderungswerk in Düren eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gemacht. Foto: Sandra Kinkel
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Stolz auf ihren Schützling: Projektkoordinator Dirk Bachem (Mitte) und die beiden Sozialpädagogen Dieter Micheel (links) und Johannes Deller. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Wenn Raphael Buntrock von seiner Arbeit erzählt, merkt man sofort, dass der Beruf des Kfz-Mechatronikers sein absoluter Traumberuf ist. „Jedes Auto ist anders, und man muss immer andere Fehlerquellen finden. Das ist unglaublich spannend“, sagt der 20-Jährige aus Erkelenz.

Buntrock brennt regelrecht für seinen Beruf, trotzdem war es für ihn absolut nicht selbstverständlich, eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker machen zu können. Raphael Buntrock ist Autist, er hat das Asperger-Syndrom. Dass er die Ausbildung dann auch noch mit einer glatten Zwei als Innungsbester seines Jahrgangs abgeschlossen hat und gleich einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen hat, ist fast schon eine kleine Sensation. „Ich kann mich manchmal nicht so gut konzentrieren“, sagt der junge Mann. „Wenn viele Leute in einem Raum sind, bekomme ich manchmal richtige Blackouts. Aber eigentlich empfinde ich meine Behinderung eher als eine Bereicherung und weniger als Belastung.“

Buntrock hat auf der Förderschule seinen Realschulabschluss gemacht und danach in einem Busunternehmen eine Ausbildung begonnen. „Nach der Probezeit bin ich entlassen worden“, sagt der junge Mann. „Warum, weiß ich eigentlich gar nicht so genau.“ Raphael Buntrock ist zur Arbeitsagentur gegangen und von dort zum Berufsförderungswerk (Bfw) in Düren vermittelt worden. Dort hat er im Rahmen des Projektes „100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung“, das vom Landes-Arbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds unterstützt wird, einen Arbeitsplatz bekommen. Projektkoordinator Dirk Bachem erklärt: „Das Programm richtet sich an junge Leute, die schon einmal bei einer Ausbildung gescheitert sind. Sie bekommen einen Ausbildungsvertrag mit dem Berufsförderungswerk.“

Die jungen Menschen werden im Rahmen der Ausbildung von Sozialpädagogen des Bfw betreut, beispielsweise wird spezieller Förderunterricht angeboten. Außerdem hilft das Berufsförderungswerk dabei, einen Partnerbetrieb für die Ausbildung zu finden. Bachem: „Es gibt Berufe zum Beispiel im kaufmännischen Bereich, in denen das Bfw selbst ausbildet. Für die anderen Gewerke müssen wir Kooperationsbetriebe suchen.“

Raphael Buntrocks Kooperationsbetrieb war das Autohaus „Bonsels und Weitz“ in Erkelenz. „Wir finden es wichtig“, sagt Ausbildungsleiter Marc Heeren, „jungen Menschen, die Interesse für den Beruf zeigen, zu helfen.“ Natürlich, ergänzt Heeren weiter, bedeute ein Auszubildender mit Handicap für den Betrieb eine große Herausforderung. Heeren: „Man muss sich auf die Auszubildenden einlassen.“ Für Raphael Buntrock war es beispielsweise wichtig, immer einen festen Ansprechpartner zu haben.

Heeren: „Normalerweise arbeiten unsere Gesellen alle zwei, drei Monate mit einem anderen Gesellen zusammen. Raphael Buntrock hat während seiner gesamten Lehre nur zwei verschiedene Ausbilder gehabt.“ Besonders wichtig, sind die beiden Sozialpädagogen Dieter Micheel und Johannes Deller vom Bfw überzeugt, sei grundsätzlich eine gründliche Aufklärung über die Behinderung der Auszubildenden. „Es gibt schon sehr viele Klischees und Vorurteile“, sagt Dieter Micheel. „Wir wollen dabei helfen, die abzubauen.“

130 Auszubildende

Rund 130 junge Leute mit ganz unterschiedlichen Behinderungen haben beim Berufsförderungswerk mittlerweile eine Ausbildung absolviert. Sehbehinderte Menschen sind genauso dabei wie Rollstuhlfahrer oder Psychisch Kranke. Bachem: „Die Abbruchquote liegt bei uns bei 25 Prozent. Das entspricht der Abbruchquote von Auszubildenden ohne Handicap.“ Von denen, die durchhalten würden, würden am Ende mehr als 90 Prozent die Gesellenprüfung schaffen. „Und etwa 70 Prozent finden auch einen Arbeitsplatz.“ In der Regel, ergänzt Dieter Micheel, seien die Arbeitgeber sehr sozial eingestellt.

„Viele haben behinderte Menschen im Familien- und Freundeskreis und sind deswegen auch bereit, sich zu engagieren.“ Entscheidend sei zudem die Einstellung des Auszubildenden selbst. „Der Beruf“, sagt Dirk Bachem, „muss natürlich zum Handicap passen. Vor allem muss er aber zu dem Menschen passen, der ihn machen will.“ So wie bei Raphael Buntrock auch. „Ohne das Bfw hätte ich es nicht geschafft“, sagt der frischgebackene Geselle.

„Für mich war es wichtig zu wissen, dass ich im Notfall immer einen der Sozialpädagogen anrufen kann.“ Buntrock ist stolz, dass er es geschafft hat. Und er hat Ziele. „Vielleicht“, sagt er, „schaffe ich eines Tages die Meisterprüfung.“ Grenzen gibt es für den Kfz-Mechatroniker keine. „Wenn mir einer sagt: ‚Das geht nicht‘, sage ich immer: ‚Das sind deine Grenzen, aber nicht meine‘.“

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