Das fesselnde Schicksal einer 16-Jährigen

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Fesselte die Achtklässler der Realschule Nord mit ihrem Roman „Cybermob” und ihrer offenen Art: Jugendbuchautorin Susanne Clay während ihrer Lesung in der Stadtbücherei.

Düren. „Oh, das sind aber viele Jungs”, staunte die Jugendbuch-Autorin Susanne Clay, zu deren Lesung die Jahrgangsstufe 8 der Städtischen Realschule Nord in die Stadtbücherei eingeladen war. Die Protagonistin ihres Romans „Cybermob” ist nämlich die 16-jährige Carmen, die im Laufe der Handlung Opfer von Cybermobbing wird.

Dies, so die Vermutung, könne die Jungen vielleicht weniger interessieren. Doch die Sorge der Autorin erwies sich als unbegründet. Denn die Autorin verstand es sofort, Kontakt zu allen jugendlichen Zuhörern aufzubauen. Als Mutter von drei Kindern zwischen sieben und 16 Jahren weiß sie, wie man Jugendliche anspricht - und sie stellt topaktuelle Themen in den Mittelpunkt ihrer Romane.

Mit „Cybermob” greift Susanne Clay ein brisantes und hochaktuelles Thema auf, denn für die meisten Jugendlichen gehört das Chatten in „schüler.cc” oder ähnlichen „social communities” zum Alltag. Und schon manch einer hat Erfahrungen mit anonymen Attacken im Internet gemacht. Der Jugendroman zeigt, wie Mobbing im Internet immer mehr in die Gefühlswelt des Mädchens Carmen eindringt und sie zum Opfer macht.

Mit ausgewählten Kapiteln präsentierte Susanne Clay zunächst den Rahmen der Geschichte, erzählt von den Proben zu dem von der Schule geplanten Musical „West Side Story”, in dem Carmen die Rolle der Anita übernehmen soll. Der erste Probentag zeigt dem Mädchen, die wegen ihres Aussehens von großen Minderwertigkeitskomplexen gequält wird, dass diese Rolle wie für sie gemacht ist. Dies bestätigen bewundernde Blicke der männlichen Darsteller und die Zustimmung der Lehrerin. Genau am Abend ihres Erfolges erhält Carmen die erste anonyme Mail, in der sie verletzt und beschämt wird.

Geschickt verstand es die Autorin während der Lesung, passende Sequenzen aus ihrem Roman vorzustellen, die Neugier auf das Buch weckten. Wie gut ihr das gelang, zeigte die sich in der Fragestunde. Sehr interessiert zeigten sich vor allem die Jungen, deren Fragen sich sowohl auf andere Bücher der Autorin, deren Entstehungsgeschichte als auch auf ihren persönlichen Lebenshintergrund bezogen. So erfuhren die Achtklässler, dass die Kölnerin ihren Durchbruch mit dem ersten Roman „Voll” erzielte.

Darin thematisiert die Geschichte eines Mädchens, das wegen ihrer alkoholkranken Mutter in eine Co-Abhängigkeit gerät. Dafür erhielt sie den zweiten Preis im „Peter-Härtling-Wettbewerb” für Kinder - und Jugendliteratur. Auch in ihren anderen Büchern greift sie das Schicksal von Jugendlichen in bedrohlichen Lebenssituationen auf. Alle Themen werden von ihr sorgfältig recherchiert, da sie aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit Jugendlichen weiß, wie es Betroffenen geht, wie schwer es ist, aus schwierigen Verhältnissen herauszukommen. „Ein Autor muss seine Figuren sehr gut kennen”, sagt sie, „sonst wirkt man nicht glaubwürdig.”

Die Realschüler zeigten sich von dem „Unterricht außer Haus” sehr angetan. Schulleiterin Pia Fuchs-Dransfeld dankte den Verantwortlichen in der Kinder - und Jugendbücherei, dass diese Lesung ermöglicht wurde. Eine Autorin live erleben, der es gelingt, einen solch lebendigen Kontakt zu Jugendlichen herzustellen - eine bessere Lesemotivation könne man sich kaum vorstellen, sagte die Schulleiterin.
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