Das Dorfauto in Gey ist voll ausgelastet

Von: Stephan Johnen
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Bitte einsteigen: Sylvia Fahle und Ortsvorsteher Helmut Rösseler (rechts) managen das Dorfauto in Gey. Adam Kaldenbach gehört zu den Bewohnern, die sich das Elektromobil testweise kostenlos ausgeliehen haben. Foto: Stephan Johnen

Gey. Wer glaubt, Elektromobilität sei nur etwas für Großstädter, ist auf dem Holzweg. „Unser Dorfauto ist voll ausgelastet“, berichtet Sylvia Fahle nicht ohne Stolz. Car-Sharing, also das Nutzen eines Fahrzeugs von mehreren Menschen, habe auch in einem Ort wie Gey Potenzial. Sehr großes Potenzial sogar, ist Sylvia Fahle überzeugt.

Sie betreut das Geyer Elek-tromobil ehrenamtlich, ihr Nähstudio ist Dreh- und Angelpunkt, wenn es um die Schlüsselübergabe geht. „Ein Dorfauto kann so manchen Zweit- und Drittwagen auf dem Land überflüssig machen.“ Wer außerhalb der Ballungszentren lebe, sei beizeiten auf ein Auto angewiesen, wolle dieses Stück Unabhängigkeit nicht abgeben.

„Doch es muss nicht der eigene Wagen sein. Das hat unser Experiment gezeigt“, ist sie überzeugt. Seit dem 1. September wird in Gey ein „Dorfauto“ gestestet, es handelt sich um ein fünftüriges Elektromobil. Fahrtberechtigt sind alle Einwohner des Ortes, die im Besitz eines Führerscheins sind. Das kostenlose Angebot ist Teil des Leader-Modellprojekts „E-ifel mobil“.

Mit Unterstützung des Kreises Düren soll getestet werden, wie die Idee eines Bürgerautos im ländlichen Raum ankommt. In Nideggen-Berg steht unter der Überschrift „E-ifel mobil“ der Alltagsnutzen von Elektrofahrrädern im Blickpunkt. Auf Initiative von Geys Ortsvorsteher Helmut Rösseler sind derzeit auch zwei Pedelecs parallel zum Elektroauto ausleihbar.

Mit einem Blick auf die Internetseite www.dorfautogey.blogspot.de kann geprüft werden, ob das Auto frei ist, „Buchungen“ nimmt Sylvia Fahle telefonisch entgegen. Wer zum ersten Mal hinter dem Steuer Platz nimmt, wird geschult. Soweit der Akku reicht, sind alle Fahrten erlaubt.

Einkäufe und Arztbesuche

„Ich kenne Menschen, die Freunde besucht haben und das Auto dort an die Steckdose angeschlossen haben. Das erhöht die Reichweite“, berichtet Sylvia Fahle. Wird das Auto an einem Tag nicht weiter nachgefragt, ist schon mal ein ganztägiges Ausleihen möglich. Ein junger Geyer hat dies gemacht, um einmal testweise mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.

„Viele Menschen nutzen das Dorfauto für Einkäufe oder Arztbesuche“, berichtet die E-Mobil-Betreuerin. Auch Besuche in Nachbarorten und Fahrten nach Düren kommen häufig vor. Die weiteste Tour ging nach Bad Münstereifel, nur einmal sei der Wagen mit leerem Akku gestrandet. In Horm. „Ein Traktor kam vorbei und hat das Auto nach Gey gezogen“, sagt Sylvia Fahle augenzwinkernd.

Die Altersspanne reicht von einem 17-Jährigen, der unter Aufsicht seines Großvaters hinter dem Steuer saß, bis zur Fahrt einer 81-Jährigen. Bis zu zehn Geyer nutzen das Auto regelmäßig, mehr als 30 haben es schon einmal getestet. „Die Zahl klingt überschaubar, ist aber im Vergleich zur generellen Nutzung von Elektroautos pro Einwohner sehr hoch“, betont Sylvia Fahle.

Rund 6000 Kilometer wurden seit September zurückgelegt. Doch der Testbetrieb neigt sich dem Ende zu, im April wird die kostenlose Nutzung nicht mehr möglich sein. „Wir haben ein großes Interesse an einer Verstetigung“, sagt Helmut Rösseler. Will heißen: Derzeit wird im Ort überlegt, wie man auf bürgerschaftlicher Basis ein eigenes (neues oder gebrauchtes) Dorfauto kaufen kann. „Dieses Angebot soll es auch in Zukunft geben“, sagt Sylvia Fahle, dann gegen eine Gebühr, um die Kosten zu decken.

„Wir wollen keinen Profit machen. Deswegen haben wir Angebote von kommerziellen Betreibern auch schon abgelehnt“, erklärt die Betreuerin. Derzeit werden Sponsoren gesucht, die Geyer lassen sich beraten, ob ein Verein ein Dorfauto betreiben kann oder ob es genossenschaftliche Modelle gibt. Auch Versicherungsfragen müssen noch geklärt werden. Das Buchungssystem soll soweit ausgebaut und professionalisiert werden, dass alle Formalien im Internet geregelt werden können.

„Das Dorfauto soll ein Dorfprojekt bleiben“, gibt Sylvia Fahle die Richtung vor. Sie ist davon überzeugt, dass ein gemeinschaftlich genutzter Wagen aktiver Umweltschutz ist, aber auch so manche Familienkasse entlasten kann. „Natürlich muss man lernen, Fahrten im Voraus zu planen“, sagt sie. Der eigene (Zweit-)Wagen stehe zwar immer fahrbereit vor der Tür, doch meist stehe er dort eben nur herum.

„Seitdem wir das Dorfauto haben, ist auch die Dorfgemeinschaft ein Stück zusammengerückt“, hat Helmut Rösseler beobachtet. Angesichts der Unterstützung aus dem Ort ist er überzeugt, dass Gey auch in Zukunft ein Elektroauto haben wird. Ein eigenes.

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